Vermehrt falsche Kommissare und Handwerker unterwegs

Vorsicht Ferienzeit: Ältere Opfer können ihre Kinder nicht kontaktieren, weil die im Urlaub sind. Betrüger nutzen das mit immer neuen Maschen aus.

Vermehrt falsche Kommissare und Handwerker unterwegs

Für Sie berichtet: Gabi Thieme

Pflegbedürftige Menschen kennen ihn: den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Der schickt - nach Vereinbarung - Mitarbeiter in die Wohnung von Versicherten, um deren Pflegebedürftigkeit oder Arbeitsunfähigkeit zu prüfen. Ein solcher vermeintlicher MDK-Mitarbeiter klingelte unlängst bei einer 88-jährigen Frau in Leipzig. Er wolle mit ihr Einzelheiten im Vertrag mit der Krankenkasse besprechen, gab er vor. Die Frau sollte persönliche Daten, darunter ihre Bankverbindung, angeben. Für eine Änderung verlangte er eine Gebühr in Höhe von 176 Euro, die gleich in bar bezahlt werden sollte. Nur weil in diesem Moment ein echter Handwerker bei der Seniorin klingelte, verließ der angebliche MDK-Mitarbeiter fluchtartig - ohne Geld - die Wohnung.

Das ist kein Einzelfall, wie die Polizei in Leipzig berichtet. So erschien Ende Juni bei einer 91-Jährigen ein Mann, der sich als Mitarbeiter der Krankenkasse Barmer ausgab. Er ließ sich Dokumente und die Geldbörse der Frau aushändigen, angeblich, um alles zu prüfen, und verließ die Wohnung. Später, so Polizeisprecherin Katharina Geyer, sei er zurückgekehrt, habe der Frau alles wieder ausgehändigt und sei verschwunden. Aus Angst meldete die 91-Jährige den Vorfall zunächst nicht, sondern vertraute sich Tage später ihrer Nichte an, die wiederum die Polizei informierte. "Denn es stellte sich heraus, dass der Unbekannte 1000 Euro vom Konto der Frau abgehoben hatte", berichtet Geyer. Die Ermittlungen zu beiden Fällen laufen. So wurden die Videoüberwachungsdaten der Bank angefordert, bei der der Mann das Geld abgehoben hatte. Die Polizei schließt nicht aus, dass es sich um denselben Täter handelt.

Auch andere Fälle deuten daraufhin, dass in diesen Ferienwochen verstärkt Betrüger mit neuen alten Maschen unterwegs sind. In mindestens sechs Fällen wurden im Juli in Leipzig Familien von "Kommissar Schwarz" angerufen. Er berichtete den Bürgern, dass es im jeweiligen Wohnviertel vermehrt Einbrüche gegeben habe. Ein Täter sei festgenommen worden und habe neben einer Pistole auch Notizen über die angerufenen Personen bei sich gehabt. "Kommissar Schwarz" gab an, dass er deshalb Informationen zu Vermögensverhältnissen und Banking-Verhalten benötige. Fünf Rentnerinnen, zwischen 78 und 86 Jahren alt, ließen den Beamten abblitzen. Ein 80-jähriger Mann folgte zunächst den Anweisungen des Kommissars. Als es allerdings um Angaben zum Vermögen ging, verweigerte er diese und rief die 110 an, ob das seine Richtigkeit habe. Bis heute hat die Polizei keine konkrete Spur zum falschen Kollegen.

Falsche Polizisten waren vor wenigen Tagen auch in Dresden aktiv. Sie machten einer 78-Jährigen weis, dass eine Einbrecherbande gefasst worden sei, bei der ein Zettel mit Namen und Anschrift der Seniorin gefunden wurde. Eine vermeintliche Kriminalistin führte das Gespräch einfühlsam weiter und brachte die Rentnerin dazu, 10.000 Euro abzuheben. Da die Frau danach zunächst keine weiteren Instruktionen erhielt, fragte sie beim Polizeinotruf nach. Die Beamten klärten sie über die Betrugsmasche auf. "Zum Glück war noch kein Geld übergeben worden", sagte ein Polizeisprecher.

In Plauen im Vogtland war derweil ein falscher Dachdecker unterwegs. Er klingelte bei einer 72-Jährigen und gab an, das undichte Dach reparieren zu wollen. Er könnte das sofort erledigten, brauche allerdings das Gelds fürs Material. Die Frau holte daraufhin mehrere tausend Euro von ihrer Bank und übergab sie dem Mann. Erst im Nachhinein kamen ihr Zweifel. Da war der Betrüger längst auf und davon.

Nicht hereinlegen ließen sich rund 20 Bürger im Erzgebirge und in Mittelsachsen. Fast immer waren vermeintliche Enkel oder nahe Verwandte am Telefon, die Geld brauchten. In zwei Fällen verlangte ein angeblicher Vollstreckungsbeamter mehrere tausend Euro.

Um einen höheren dreistelligen Betrag prellten dagegen zwei Frauen in Leipzig eine 92-Jährige. Sie klingelten bei ihr, um angeblich für eine Freundin im Haus, die nicht da sei, etwas abzugeben. Ausschweifend drängten sie die Rentnerin in ihre Wohnung zurück, wo sie der nicht anwesenden Freundin eine Nachricht schreiben wollten. Während eine Täterin in der Küche schrieb, verließ die andere den Raum. Plötzlich ließ sich die "Schreiberin" zu Boden fallen, täuschte Schmerzen im Bein vor und bat um ein Glas Wasser. Als die Frauen schließlich die Wohnung verließen, waren mit ihnen auch mehrere hundert Euro verschwunden. "Alle Fälle zeigen, dass vor allem die Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft älterer Menschen ausgenutzt wird und wie die Täter neue Betrugsmaschen entwickeln und bekannte modifizieren", sagte eine Polizeisprecherin.

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