Versorgung mit Trinkwasser in Sachsen trotz Dürre gesichert

Die Trockenheit hat auch in Talsperren Spuren hinterlassen. Überall sind die Stauspiegel deutlich gefallen. Grund zur Sorge gibt es noch nicht.

Chemnitz.

In den sächsischen Trinkwassertalsperren sind die Vorräte innerhalb eines Monats um 13 Millionen Kubikmeter Wasser geschrumpft. Das ist angesichts anhaltender Dürre ein Rückgang binnen vier Wochen wie selten zuvor. Er wird nicht allein durch den Mehrverbrauch an Wasser verursacht, sondern weil viele Zuflüsse der Speicher drastisch zurückgegangen sind- der in die Talsperre Eibenstock liegt aktuell noch bei 21 Prozent des langjährigen Mittels für den Monat August, in den Speicher Dröda im Vogtland bei elf Prozent, in die Sperre Lichtenberg (Mittelsachsen) bei nur noch zehn Prozent. Außerdem müssen etliche Sperren zusätzlich Rohwasser in die im Auslauf liegenden Flüsse abgeben - zu deren Schutz und zum Erhalt von Fauna und Flora. Aktuell halten die Trinkwasserspeicher noch 150 Millionen Kubikmeter kostbares Nass vor. Das entspricht 79 Prozent ihres Fassungsvermögens - ohne den sogenannten Hochwasserschutzraum.

Nach Einschätzung des Umweltministeriums herrscht keine Trinkwassernot, wenngleich die Füllstände der Speicher stark schwanken: zwischen 96 Prozent in der Talsperre Neunzehnhain II im mittleren Erzgebirge und 30 Prozent in der Sperre Lehnmühle im Osterzgebirge.

Laut Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) hätten selbst lokale Starkniederschläge zu keiner durchgreifenden Änderung der Lage geführt. "Da aber viele Speicher über Stollen und Rohrleitungen verbunden sind, kann eine lokale Verringerung des Wasserdargebotes in der Regel ausgeglichen werden." So könne zum Beispiel von der Talsperre Rauschenbach in Mittelsachsen bei Bedarf Wasser an das Talsperrensystem Klingenberg/Lehnmühle im Osterzgebirge geleitet werden, das den Großraum Dresden versorgt.

Obwohl Sachsen als wasserreiches Bundesland gilt und nach Nordrhein-Westfalen die meisten Talsperren besitzt, werden nur knapp fünf Prozent des Wasserdargebots für die öffentliche Wasserversorgung genutzt. 55 Prozent des Niederschlagswassers verdunsten. Zehn Prozent speisen das Grundwasser und 35 Prozent fließen als Oberflächenwasser in Flüsse, Bäche und Seen ab.

Nicht alle Bürger beziehen ihr Trinkwasser aus Talsperren. Die Versorgung sei aber auch dort gesichert, wo Bürger aus Grundwasservorräten bedient werden, sagte Minister Schmidt. Demgegenüber sind aber bereits Brunnen zur privaten Trinkwasserversorgung versiegt. Das betrifft Haushalte im ländlichen Raum, die nicht an das zentrale Netz angeschlossen sind.

In einigen Dörfern sind die Trinkwasserbrunnen versiegt

Die Sachsen verbrauchen mehr als 200 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr - obwohl sie als Sparweltmeister gelten. Nicht alle beziehen es aus Talsperren. Genau das bereitet örtlich Probleme.

Im Freistaat sind 22.000 Bürger nicht an das zentrale Trinkwassernetz angeschlossen. 1990 waren es noch 330.000. 90 Prozent diese Grundstücke liegen im Bereich des Zweckverbandes "Mittleres Erzgebirgsvorland" mit Sitz in Hainichen. Geschäftsleiter Ulrich Pötzsch ist selbst erstaunt, "wie leidensfähig manche Bürger sind". Pötzsch meint jene Einwohner in entlegenen Orten seines 1000 Quadratkilometer große Versorgungsgebietes, deren Brunnen versiegt sind, die aber nur langsam Alarm schlagen. Das betrifft unter anderen Bürger im Kriebsteiner Ortsteil Grünlichtenberg, in mehreren Ortsteilen von Seelitz, in Greifendorf bei Rossau und in Dittmannsdorf bei Geringswalde. Zu ihnen fährt der Wasserwagen des Verbandes - wenn sie es wünschen. Sie müssen das Wasser telefonisch bestellen wie eine Ware. Der Wasserwagen zapft das kostbare Gut dann aus Hydranten, die der Verband im gesamten Territorium unterhält. In manchen Orten sei sie Lage angespannt, sagt Pötzsch.

Von den 140.000 Einwohnern in seinem Verbandsgebiet sind rund 5500 nicht anschlossen, weil sie zu weit weg vom Netz wohnen. Zur Wende galt das für fast ein Viertel der Bürger. Ähnlich viele waren es damals nur noch in den Kreisen Görlitz und Dippoldiswalde. 2017 wurden vom Hainichener Verband 258 "abgelegene" Einwohner ans Netz genommen. "Aber sie müssen das wollen", sagt Pötzsch. Schließlich sei das mit hohen Kosten für alle verbunden, die nicht allein aus Fördermitteln gedeckt werden.

Das Gros der Bürger zwischen Oberwiesenthal und Mittweida, Freiberg und Plauen bezieht ihr Trinkwasser aus Talsperren. Die ersten entstanden schon vor 500 Jahren, um den Bergwerksbetrieb zu sichern. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs der Wasserbedarf sprunghaft mit der Industrialisierung. Deshalb wurden im großen Umfang Talsperren errichtet - bauliche Meisterwerke angesichts der damaligen Technik. Eine weitere weitsichtige Bauwelle gab es zu DDR-Zeiten, als zum Beispiel Eibenstock als zweitgrößter Trinkwasserspeicher der Republik entstand.

Der 1990 gegründete Freistaat Sachsen hat mit der Übernahme von 23 Trink- und 33 Brauchwassertalsperren sowie 81 sonstigen Speichern für die Versorgungssicherheit den Hut auf. Derzeit wird die "Grundsatzkonzeption Wasserversorgung für Sachsen" für den Zeitraum bis 2030 fortgeschrieben. Das sei insbesondere mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels und die Ausrichtung der Wasserwirtschaft wichtig, sagt Umweltminister Thomas Schmidt (CDU). Es gehe vor allem um die Frage, wo und wie die Wasserversorgung in den jeweiligen Gebieten nachhaltig an sich ändernde Bedingungen angepasst wird. Derzeit werden dazu von 75 Versorgungspartnern Daten und Fakten zusammengetragen. Aus der Dokumentation soll der Handlungsbedarf für das kommende Jahrzehnt abgeleitet werden, erläutert Ministeriumssprecher Frank Meyer. Dabei gehe es auch um Fragen wie: Sind größere Reservoire nötig? Gehen die nach 2002 erweiterten Hochwasserschutzräume in Talsperren zu Lasten der normalen Speicherkapazitäten? Reichen die Trinkwasserschutzgebiete oder sollten sie erweitert werden? Sind die dort geltenden Schutzbestimmungen ausreichend? Im Fokus stünden zudem die demografischen Veränderungen im ländlichen Raum sowie die Wasserversorgung in Not- und Krisensituationen, sagte der Sprecher. "Wenn sich solche Sommer wiederholen, muss man auch darüber nachdenken, ob der Anschlussgrad an das öffentliche Netz nicht noch erhöht wird oder ob weiterhin der Wasserwagen fahren soll." Der Bau weiterer Talsperren sei aber nicht geplant.

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