Versorgung Sterbenskranker weist in Sachsen Lücken auf

Eine Studie bescheinigt dem Freistaat zwar mehr Hospiz- und Palliativangebote. Doch es gibt große regionale Unterschiede.

Dresden.

Schwerst- und Sterbenskranke wünschen sich eine möglichst selbstbestimmte letzte Lebensphase. Laut einer neuen Studie des Sozialministeriums Sachsen wächst der Bedarf an Hospiz- und Palliativeinrichtungen, die Betroffene und ihre Angehörige begleiten. Denn die Bevölkerung wird immer älter. "Der Freistaat hat die Angebote in den letzten Jahren ausgebaut", sagt Sozialministerin Barbara Klepsch. Doch es gebe regionale Unterschiede.

So haben sich in vielen Pflegeheimen große Versorgungslücken gezeigt. "Der gesetzliche Anspruch auf Palliativ- und Hospizversorgung ist in den Heimen oft nicht einlösbar, weil es zu wenig ausgebildete Pflegefachkräfte gibt", sagt Studienautor Professor Alexander Karmann von der Technischen Universität Dresden. "Ambulante Hospizdienste werden dort zum Teil gar nicht oder zu spät genutzt." Die Versorgung Sterbenskranker in den Heimen werde aber immer wichtiger, um Fehleinweisungen in Krankenhäuser zu vermeiden.

Laut Studie gibt es in Sachsen derzeit 48 ambulante Hospizdienste und sechs ambulante Kinderhospizdienste, die sich auf eine Verbesserung der Lebensqualität durch psychosoziale und spirituelle Begleitung kümmern. Die Zahl der ambulanten Palliativteams im Freistaat ist auf 16 für Erwachsene und ein Brückenteam für Kinder und Jugendliche gestiegen. Die Teams konzentrieren sich auf die Behandlung physischer Symptome.

Zwar verfügt damit jeder Landkreis und jede kreisfreie Stadt in Sachsen über mindestens ein ambulantes Hospiz- und ein ambulantes Palliativangebot. Doch aufgrund einer nicht optimalen Verteilung sei in einigen Regionen wie in Teilen des Erzgebirges und des südlichen Vogtlandkreises keine wohnortnahe ambulante Palliativversorgung gewährleistet. Laut Studie fehlt es auch an Ärzten mit einer Zusatzausbildung in Palliativmedizin. Mit 107 Ärzten auf eine Million Einwohner nimmt der Freistaat bundesweit einen hinteren Platz ein.

Auch die 133 Betten in den elf stationären Hospizen in Sachsen reichen nicht. "Entspannung wird es erst in zwei Jahren geben, wenn weitere 44 Plätze in neuen Hospizen in Torgau, Dresden, Niesky und Bischofswerda hinzukommen", sagt Andreas Müller, Geschäftsführer des Landesverbandes für Hospiz- und Palliativmedizin. Damit würden Palliativstationen entlastet. "Oft müssen Patienten dort länger bleiben, weil kein Hospizplatz frei ist."

Ein weiteres Problem ist das Fehlen ehrenamtlicher Helfer für die ambulanten Hospizdienste, die Sterbende zu Hause, in Heimen oder Krankenhäusern mit betreuen. "2000 arbeiten in Sachen. Bis zu 500 weitere werden gebraucht", sagt Müller. Die Studie der TU Dresden empfiehlt hierfür, regionale Hospiz- und Palliativbeauftragte zu ernennen.

Die Ausgaben für Hospiz- und Palliativversorgung steigen seit Jahren. Bei der mit Abstand größten gesetzlichen Krankenkasse im Freistaat, der AOK plus, nahmen sie zuletzt von 8,4 Millionen Euro 2016 auf 10,8Millionen 2017 zu. 2018 sind allein den Hospizdiensten seitens der Krankenkassen 4,8 Millionen Euro bewilligt, nach 4,3Millionen Euro 2017. Das geht aus Angaben des Verbandes der Ersatzkassen hervor. Vom Freistaat kamen seit 2002 sechs Millionen Euro hinzu.

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