Vier Damen für Rico

Die Linke will ihrem Spitzenkandidaten Rico Gebhardt im anstehenden Landtagswahlkampf ein vierköpfiges Kernteam zur Seite stellen. Dabei kommt es wohl zu einer ganz besonderen Konstellation.

Dresden.

Ein Problem hat die Linke in Sachsen schon mal nicht: Ihr mangelt es keinesfalls an Kandidatinnen, die in den Landtag wollen - und die durch die parteiintern vorgeschriebene Parität auch Chancen auf einen Listenplatz haben. Während etwa die CDU schon stolz darauf ist, wie der Koalitionspartner SPD unter den ersten 20 Namen auf der Kandidatenliste für den nächsten Landtag immerhin neun Frauen zu haben - also knapp unter den geplanten 50 Prozent -, steht die Linke nun vor einer Planübererfüllung.

Zwar wird die Partei, die in Sachsen von 1990 bis heute durchgehend in der Opposition war und dies nach den bisherigen Umfragen vermutlich auch nach der Wahl am 1. September sein wird, mit einem Mann als Spitzenkandidat in den Wahlkampf ziehen. Fraktionschef Rico Gebhardt hatte bei dem erstmals durchgeführten Mitgliederentscheid - bei dem er allerdings auch nur der einzige Kandidat war - 88,7 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten. Der jetzt 55-jährige Erzgebirger war schon bei der Wahl 2014 die Nummer 1 gewesen, damals erhielt die Partei 18,9 Prozent der Stimmen und zog mit 27 Abgeordneten in das 126-köpfige Landesparlament ein.

Auf den darauffolgenden vier Listenplätzen 2 bis 5 aber zeichnet sich ein Novum ab. Vorbehalten sind sie nach einem Parteitagsbeschluss vom August 2018 einem vierköpfigen "Kernteam", das - so hieß es im Beschluss wörtlich weiter - "aufgrund besonderer personeller und/oder fachlicher Kompetenzen zusätzliche Aufgaben im Landtagswahlkampf" wahrnehmen solle.

Dieser Begründung dürfte nun noch einmal eine besondere Bedeutung zukommen - weil im Gegensatz zu früheren Wahlkämpfen eine Bestenauslese nach Politikfeldern bis hin zur Aufstellung einer Art "Schattenkabinett" zwar möglich gewesen wäre, aber eben nicht zwingend vorgeschrieben ist.

Nach "Freie Presse"-Informationen wird das Quartett wohl ausschließlich aus Frauen gebildet. Noch vor der für Montag geplanten Verkündung als gemeinsamer Vorschlag von Landesvorstand und Gebhardt sickerte durch, dass es sich um die Landesvorsitzende Antje Feiks, Fraktionsvize Susanne Schaper, die Parlamentarische Geschäftsführerin Sarah Buddeberg sowie Mittelsachsens Kreischefin Marika Tändler-Walenta handeln soll.

Nicht wirklich überraschend ist die Personalie Schaper. Die 41-jährige Chemnitzerin, die dem Landtag seit Herbst 2014 angehört und zudem noch Chefin der Linksfraktion im Chemnitzer Stadtrat ist, hat sich einen Ruf als engagierte Sozialpolitikerin erarbeitet - und damit auf einem gerade für die Linken wichtigen Politikfeld. Dass Parteichefin Feiks, Jahrgang 1979, zum "Kernteam" gehören soll, war indes nicht unbedingt zu erwarten. Schließlich hatte sie für ihr Nicht-Interesse an der Spitzenkandidatur neben persönlichen Gründen auch die Konzentration auf Parteiarbeit angeführt. Dagegen wurde die 34-jährige Diplom-Soziologin Tändler-Walenta in Parteikreisen schon länger als mögliche Kandidatin gehandelt. Unter den ersten fünf Listenplätzen wäre die gebürtige Leisnigerin die einzige ohne Landtagsmandat.

Komplettiert werden soll das "Kernteam", das der Landesvorstand laut Zeitplan am 5. April nominieren will, durch die 36-jährige Buddeberg, auf die nach "Freie Presse"-Informationen Gebhardt extra bestanden hat. Als gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion brachte sie am Donnerstag übrigens den Entwurf eines "Parité-Gesetzes" in den Landtag ein, um die bisherige Unterrepräsentanz von Frauen im Parlament zu beseitigen. An der tragen die Linken mit derzeit 14 von insgesamt 42 weiblichen Abgeordneten schon jetzt keine Schuld. Und daran dürfte sich auch nach dem 1. September nichts ändern.

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