Wäldern drohen nach Sturm und Hitze irreparable Schäden

Der Staatsbetrieb Sachsenforst schlägt Alarm: Die Wälder im Freistaat erleben den schlimmsten Borkenkäferbefall seit dem Jahr 1946.

Graupa/Adorf.

Nach den beiden letzten Herbststürmen "Herwart" und "Friederike", der seit April andauernden Trockenheit und wochenlanger Hitze auf Rekordniveau erlebt der Freistaat nun eine Borkenkäferinvasion. "Die diesjährigen Schäden durch Borkenkäfer werden aller Voraussicht nach die höchsten in unseren Aufzeichnungen seit 1946 sein", sagte gestern Landesforstpräsident Hubert Braun. Insbesondere Fichten im Mittelgebirge und im Hügelland sowie Kiefern in Nordwestsachsen seien durch die Insekten extrem gefährdet. Für den Borkenkäfer böten sich in diesem Jahr ideale Voraussetzungen für eine massenhafte Vermehrung: Es gebe ein großes Angebot an Brutstätten in Form sturmgeschädigter oder durch Trockenheit geschwächter Bäume. Hinzu käme eine rasante Käferentwicklung durch die hohen Temperaturen, so der Forstexperte.

Ein einziges Weibchen des für Fichten gefährlichen Buchdruckers- der bedeutsamsten Borkenkäferart in Sachsen - könne in einem Jahr über 10.000 Nachkommen in drei Generationen zeugen. Da die Nachkommen aus einem einzigen befallenen Baum zwanzig neue Bäume angreifen, könne so seit dem Frühjahr aus einer befallenen Fichte inzwischen ein Hektar geschädigter Wald geworden sein. "Einer derartigen Massenvermehrung kann sich auch eine gesunde Fichte nicht widersetzen, eine geschwächte erst recht nicht", so Braun. Laut Sachsenforst gibt es in den Wäldern des Freistaates allein 60 Millionen potenzielle Brutbäume der Fichte. "Wir erleben das schwierigste Jahr für die Forstwirtschaft seit 1989" - mit Auswirkungen für Jahrzehnte. Zudem seien viele der erst im Frühjahr gepflanzten Kulturen vertrocknet.

Hansi-Heike Lerche, Leiterin des Forstbezirks Adorf im Vogtland, bestätigt die dramatische Situation. Obwohl der Nationalpark Sächsische Schweiz sowie die Forstbezirke Bärenfels und Chemnitz noch schlimmer betroffen seien als das Vogtland, geht auch sie - je nach Revier - von 30 bis 70 Prozent Schäden bei den Neuanpflanzungen der vergangenen drei Jahre aus. Allein im Revier Beerheide sei die Hälfte der jungen Buchen vertrocknet. Im Raum Bad Elster seien 70 Prozent der neu gepflanzten Weißtannen betroffen. "Gerade im Revier Beerheide, wo ,Herwart' besonders gewütet hat, hatten wir die Hoffnung, dass wir den Borkenkäfer mit dem Abtransport von 25.000 Kubikmetern Bruchholz mit aus dem Wald rausgeschafft haben." Inzwischen zeige sich an mindestens 50 Stellen, dass jeweils zwischen zehn und 50 Fichten befallen sind - verteilt über das ganze Revier. Lerche rechnet im Forstbezirk Adorf bislang mit 5000 Kubikmetern Holz, auf denen sich der Borkenkäfer bereits eingenistet habe, "es kann aber auch noch mehr werden". Für einmal befallene Bäume gebe es keine Rettung, egal wie alt sie sind: Sie müssten noch vor dem Ausflug der Käfer gefällt und aus dem Wald geschafft werden.

Viele der 85.000 privaten Waldbesitzer in Sachsen dürften das allein kaum stemmen. Sie können sich durch Fachleute von Sachsenforst zumindest kostenfrei beraten lassen. Im Staatswald laufen Forstleute und Helfer ständig Streife, um befallene Bestände aufzuspüren. Das komplette Ausmaß werde nach Angaben von Sachsenforst wohl erst im Spätsommer klar sein.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...