Waffen, Drogen und gefälschte Dokumente in Online-Forum

Bei bundesweiten Razzien gegen einen illegalen Handelsplatz im Internet wurden auch Wohnungen in Sachsen durchsucht. Der Kampf gegen solche kriminellen Plattformen ist eine Sisyphusarbeit.

Dresden/BambergDrogen- und Waffenhandel, Datenhehlerei, Urkundenfälschung: Bei bundesweiten Razzien gegen einen illegalen Internet-Handelsplatz sind auch in Sachsen Wohnungen von Nutzern durchsucht worden. Es handelte sich um sieben Objekte in Dresden und Leipzig sowie in den Landkreisen Meißen und Mittelsachsen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Dresden am Mittwoch mitteilte. Zwei der Wohnungen befanden sich im ländlichen Raum in Mittelsachsen. Neben Mobiltelefonen wurden Drogen, Hieb- und Stichwaffen sowie Schlagringe und Bargeld sichergestellt. Der Verdacht richtet sich gegen 13 Beschuldigte.

Bei der Aktion am Dienstag waren 81 sächsische Polizeibeamte im Einsatz. Verhaftungen gab es hier zunächst nicht, "weil sich nach Stand der Ermittlungen keine Haftgründe ergaben", wie die Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Nicole Geisler, sagte.

Es war ein internationaler Schlag gegen die sogenannte Underground Economy: Bundesweit waren mehr als 1400 Beamte im Einsatz, mehr als 180 Wohnungen wurden durchsucht, 32 Personen vorläufig festgenommen. Laut Generalstaatsanwaltschaft Bamberg und Polizeipräsidium Land Brandenburg fanden Razzien in allen Bundesländern außer Thüringen statt. Drei Durchsuchungen gab es darüber hinaus in Österreich, eine in Polen. Der Administrator des Forums, ein heute

27-jähriger Deutscher, war bereits im Mai vergangenen Jahres bei der Einreise nach Deutschland durch Beamte des Bundeskriminalamts festgenommen worden und befindet sich seither in Untersuchungshaft. Damals wurde das Forum beschlagnahmt, zahlreiche Nutzer konnten identifiziert werden.

Auf "crimenetwork.co" werden nach Angaben der Ermittler anonym Informationen, Daten, Werkzeuge und Waren ausgetauscht, die aus Straftaten stammen oder für weitere Straftaten dienen sollten. Außerdem wird die Plattform für den Verkauf von Betäubungsmitteln, Hacker-Tools, Computer-Schadprogrammen, Falschgeld, illegal beschafften Konten- und Kreditkartendaten sowie Hieb- und Stichwaffen genutzt. Gegen die Nutzer des Forums wird unter anderem wegen Betrugs, Datenhehlerei, Geldwäsche, Urkundenfälschung sowie illegalen Handels mit Drogen und Medikamenten sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz ermittelt.
Der Kampf gegen solche illegalen Portale ist ein mühsames Geschäft. Bereits im Mai 2016 war das Forum "crimenetwork.biz" abgeschaltet worden. An dessen Stelle trat "crimenetwork.co". Nach dessen Beschlagnahmung und der Verhaftung des Administrators im vergangenen Jahr, so bestätigt Oberstaatsanwalt Christian Schorr von der Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, hätten jedoch andere Täter unter derselben Adresse mit neuen technischen Lösungen weitergemacht. "Wir wissen, dass die Seite in einer Nachfolgeversion online ist", sagte Schorr. Auf die Domain - die Endung ".co" steht für Kolumbien, der Server kann aber auch woanders stehen - habe man derzeit keinen Zugriff, so der Ermittler. "Aber wir haben sie auf dem Schirm."

Die Plattform wies am Mittwoch über 50.000 registrierte Mitglieder aus. Verlinkt wurde von dort etwa auf eine Webseite, auf der man sich gefälschte Dokumente wie eine positive Schufa-Auskunft, ein polizeiliches Führungszeugnis ohne Einträge oder einen Nachweis über eine negative Urinkontrolle kaufen konnte. Gezahlt wird mit Bitcoin.

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