Warm, wärmer, Sachsen

Vor wenigen Tagen forderte der UN-Klimarat zum raschen Handeln gegen die Erderwärmung auf. In Sachsen sind die Folgen längst zu spüren. Auch hiesige Forscher warnen.

Dresden.

Am Anfang war Orkan "Friederike", der im Januar dieses Jahres in Sachsen rund 2,3 Millionen Festmeter Holz zu Fall brachte. Später folgte eine außergewöhnliche Hitze- und Dürreperiode, die zumindest im Freistaat alles in den Schatten stellte, was seit Beginn der Messreihen vor 138 Jahren aufgezeichnet wurde. Das Sommerhalbjahr, April bis Ende September, war im Mittel das wärmste seit Menschengedenken.

"Wir stellen auch in Sachsen fest, dass Wetterextreme und Hitzerekorde inzwischen immer häufiger auftreten. In diesem Jahr war es der April, der mit einem neuen Rekord innerhalb der existierenden Messreihe aufwartete. Nur knapp verfehlt wurden hingegen neue Temperaturbestmarken im Mai und August", erklärten der Dresdner Klimaforscher Wilfried Küchler und der Klimaschützer Hans-Jürgen Schlegel, Mitglied im Verein Erneuerbare Energien (VEE) Sachsen, in einem Gespräch mit der "Freien Presse".

Die Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigten, dass die Temperaturen in der Periode von April bis September um 3,7 Grad über dem Mittelwert von 13,8 Grad im Referenzzeitraum (1961 bis 1990) lagen. Die Sommermonate Juni bis August sind indes mit einem Plus von 3 Grad zumindest in Sachsen in etwa auf dem Niveau von 2003. Für ganz Deutschland hält die Hitze vor 15 Jahren weiter die Rekordmarke.

"Der zurückliegende Sommer war in Sachsen knapp 5 Grad wärmer als der bisher kälteste aus dem Jahr 1913. Ein Auftreten wirklich kalter Sommer wird infolge der weiteren globalen Erwärmung immer unwahrscheinlicher", ergänzte Schlegel. "Die Jahresmittelwerte der Lufttemperatur verdeutlichen die Klimaerwärmung in den vergangenen 30 Jahren", erklärte Küchler. Klimaschützer Schlegel forderte angesichts der Wetterdaten die Politik auf, endlich zu handeln. Dabei erinnerte er an den Pariser Klimavertrag, der nach Artikel 2 sehr wohl völkerrechtlich verbindlich sei.

Beim Thema Dürre wird ein längerer Zeitraum von Anfang des Jahres bis Ende September betrachtet. "Innerhalb dieser Periode hat sich bereits ein Niederschlagsdefizit von 200 Litern pro Quadratmeter ergeben. Zum Vergleich: Im regenreichen Jahr 2010 wurde für den gleichen Zeitraum ein Niederschlagsplus von rund 200 Litern registriert", so Küchler weiter. Mit dem Orkan "Fabienne" sei es zwar am 23. September zu flächendeckend ergiebigen Regenfällen gekommen, die Lage habe sich aber bisher noch keineswegs entspannt, so die Forscher.

Wegen der langen Trockenheit bei der Getreideernte mussten Sachsens Bauern erhebliche Ertragsausfälle verbuchen. Im Vergleich zum sechsjährigen Durchschnitt brachten sie 15 Prozent weniger Getreide (ohne Körnermais) ein, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag mitteilte. Beim Winterraps, eine wichtige Ölfrucht in Sachsen, seien 20 Prozent weniger Erträge angefallen.

Küchler: "Die anhaltende stabile Wettersituation mit Hitze und Trockenheit ist überwiegend auf den von uns verursachten Klimawandel zurückzuführen. Einerseits wird es wärmer, andererseits verändert sich durch die starke Erwärmung der Arktis die atmosphärische Zirkulation der Luftmassen über der nördlichen Erdhalbkugel, sodass das Wetter im Sommer immer stabiler wird - auch in Sachsen."

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