Warnstreik bei der Bahn trifft auch Reisende in Sachsen massiv

Ein vierstündiger Arbeitskampf verursachte am Montag Verspätungen und Zugausfälle bundesweit - und zwar nicht nur bei der Deutschen Bahn. Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen.

Chemnitz/Berlin.

Kurz, aber heftig: Ein vierstündiger Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat am Montagfrüh den Zugverkehr in Deutschland in weiten Teilen lahmgelegt. Auch in Sachsen blieben zwischen fünf und neun Uhr viele Züge stehen oder kamen verspätet an.

Flächendeckend seien alle Linien im S-Bahn- und Regionalverkehr der Deutschen Bahn betroffen gewesen, sagte DB-Pressesprecher Holger Auferkamp. Den Fernverkehr mit ICE- und IC-Zügen hatte die Bahn bundesweit gleich ganz eingestellt. Selbst beim Konkurrenten Mitteldeutsche Regiobahn (MRB), gegen die sich der Streik gar nicht richtete, kam es zu Ausfällen und Verspätungen. So musste einem MRB-Sprecher zufolge auf der Strecke Chemnitz-Leipzig zeitweise der Betrieb ganz eingestellt werden, stehen blieb auch die Regionalbahn zwischen Leipzig und Döbeln. Zugausfälle gab es zudem zwischen Chemnitz und Elsterwerda sowie auf der Strecke Dresden-Zwickau. Grund dafür seien nicht besetzte Stellwerke gewesen, außerdem hätten abgestellte Züge der DB Strecken blockiert, hieß es. Keine Störungen gab es hingegen bei der Erzgebirgsbahn.

Das Chaos komplett machte die Tatsache, dass auch Mitarbeiter von Reisezentren und an den Durchsageplätzen in mehreren großen Bahnhöfen - unter anderem in Leipzig - sich an dem Ausstand beteiligten. So waren teilweise die Info-Schalter am Morgen nicht besetzt. Im Fernverkehr mit seinen lang laufenden Linien kam es auch nach Streikende noch zu massiven Verspätungen und einzelnen Ausfällen. Ab Dienstagmorgen soll aber bundesweit alles wieder nach Fahrplan laufen.

Es war der erste Streik bei der Deutschen Bahn seit Mai 2015. Damals hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) das Zugpersonal zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Der jetzige Warnstreik kam überraschend, denn bis zum Abbruch der Gespräche durch die EVG am Samstag verliefen die Verhandlungen seit zwei Monaten fast geräuschlos. Bei der Lohnerhöhung war der Konzern der Gewerkschaft aus deren Sicht nicht weit genug entgegengekommen.

Die Bahn hatte zuletzt eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro sowie eine zweistufige Lohnerhöhung über insgesamt 5,1 Prozent angeboten - verteilt auf eine Laufzeit von knapp zweieinhalb Jahren. Wie EVG-Sprecher Oliver Kaufhold sagte, sei das Angebot angesichts der langen Laufzeit zu niedrig gewesen. Am Ende habe ein Prozentpunkt gefehlt, der sei bei der Bahn nicht drin gewesen. "Die Wucht des Warnstreiks hat gezeigt, wie groß der Unmut der Kolleginnen und Kollegen ist", erklärte EVG-Bundesgeschäftsführer Torsten Westphal. Am Dienstag sollen die Verhandlungen zwischen Bahn und EVG für die rund 160.000 Beschäftigten in Berlin aber wieder aufgenommen werden, hieß es. Weitere Streiks vor Weihnachten wollte der EVG-Sprecher jedoch nicht ausschließen. Das hänge vom Verlauf der weiteren Gespräche ab.

Der Staatskonzern kommt am Dienstag auch mit der GDL zusammen, allerdings an einem anderen Ort - in Eisenach. Die GDL, die 36.000 Lokführer und Zugbegleiter vertritt, hatte sich bereits am Donnerstag mit der DB "einvernehmlich" geeinigt, die Tarifverhandlungen zu vertagen. Man sei "grundsätzlich zufrieden" mit dem Stand der Gespräche, hieß es. Vonseiten der GDL droht ohnehin nicht so schnell ein Arbeitskampf: Sie darf wegen einer Vereinbarung erst streiken, wenn vorher eine Schlichtung gescheitert ist. Die EVG war in den letzten Jahren die weniger streikfreudige der beiden Eisenbahnergewerkschaften. mit dpa

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2Kommentare
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  • 3
    0
    Zeitungss
    11.12.2018

    @kurt: Informieren Sie sich doch bitte einmal, wie schon in der Vergangenheit bei der DBAG gestreikt wurde. Sie werden feststellen, dass es IMMER alle Verkehrsbereiche betraf, schon deshalb weil man ein gemeinsames Streckennetz benutzt. Ein Streik, welcher keine "Schmerzen" verursacht, ist witzlos, was in allen Bereichen der Wirtschaft so ist und auch so bleiben muss. Wer nicht organisiert ist, hat dafür kein Verständnis, was selbst bei der Genossin Nahles (SPD) angekommen ist, welche gerichtlich dagegen vorgehen will um die Interessen der Arbeitgeber zu bewahren.

  • 0
    3
    11.12.2018

    Es ist richtig, dass zur Erreichung ihrer Forderungen Arbeitnehmer streiken dürfen. Aber es dürfen dadurch nicht andere Leute zu Schaden kommen. Es muss verboten werden, dass das Personal von Reisezügen streiken darf. Ich habe noch nie gehört, dass keine Güterzüge gefahren sind. Hier wären Reisende nicht betroffen. Was die Gewerkschaft hier veranstaltet ist einfach nur unanständig.



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