Warten auf den Pieks: Impfzentren nehmen Arbeit auf

Nach wochenlangen Vorbereitungen gehen die 13 Impfzentren nun an den Start. Damit soll die Zahl der Corona-Impfungen beschleunigt werden. Bisher schneidet der Freistaat im bundesweiten Vergleich nicht gut ab. Startschwierigkeiten gibt es auch beim Buchungsportal.

Dresden (dpa/sn) - Schwester Juliane Franke krempelt ihren Ärmel hoch: Ein kleiner Pieks, Pflaster drauf - und die 55-Jährige ist gegen Corona geimpft. Sie gehört zu den ersten, die sich im Impfzentrum Riesa eine Spritze geben lassen. Und die zugleich in den nächsten Wochen zahlreichen anderen Menschen die Covid-19-Impfung verabreichen wird. «Mir ist es wichtig, dass irgendwann unser Alltagsleben wieder in Gang kommt», sagt sie. Deshalb hat sie sich für eine Impfung entschieden - und für den Job im Riesaer Impfzentrum.

Nicht nur in Riesa, in insgesamt zehn Landkreisen und drei kreisfreien Städten haben am Montag die Impfzentren ihre Arbeit aufgenommen. Damit soll die Zahl der Impfungen nach einem eher schleppenden Anlauf Fahrt aufnehmen. «Ich freue mich, dass es jetzt endlich losgeht», sagte Ministerin Petra Köpping (SPD) bei der symbolischen Eröffnung. Weil der Impfstoff knapp ist, können sich zuerst nur Menschen impfen lassen, die aufgrund ihres Alters oder ihres Berufes einem Risiko ausgesetzt sind. Zur Gruppe mit der höchsten Priorität gehören Über-80-Jährige sowie Personal aus Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie Rettungskräfte.

Um 14 Uhr sollte das Buchungsportal für die Bürger freigeschaltet werden, eine Terminvereinbarung war zunächst aber nicht möglich. Wegen der hohen Nachfrage seien die Server ausgelastet, hieß es auf der Homepage am Nachmittag. Ab Mittwoch soll zudem eine Telefonhotline in Betrieb gehen, kündigte DRK-Chef Rüdiger Unger an. Er rief Freunde, Nachbarn und Familie auf, älteren Menschen bei der Terminvereinbarung zu helfen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums steht mit der Lieferung weiterer 34 125 Impfdosen am vergangenen Freitag und der für den 18. Januar erwarteten Lieferung in gleichem Umfang genug Impfstoff für einen kontinuierlichen und effizienten Betrieb der Impfzentren ohne Unterbrechung zur Verfügung. Zudem sollen von dem Moderna-Impfstoff rund 3600 Dosen nach Sachsen gehen. Wem der Impfstoff zugute kommt, soll am Dienstag laut Köpping im Kabinett beschlossen werden.

«Wir versuchen jeden Tag zu impfen, sieben Tage die Woche», verteidigte Köpping die sächsische Impfstrategie. Sachsen ist nach wie vor bundesweiter Corona-Hotspot - lag aber am Montag laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei der Zahl der Covid-19-Impfungen pro 1000 Einwohner bundesweit auf dem letzten Platz. Die Ministerin verwies auf andere Länder, die in kurzer Zeit viel geimpft hätten und dann dort mangels Impfstoff Impfzentren hätten schließen müssen. Wenn es mehr Impfstoff gibt, soll es laut Köpping neben den 13 Impfzentren auch Außenstellen und Impfbusse geben.

Man sei nicht zufrieden mit der Impfquote, betonte auch Rüdiger Unger. Zugleich machte der DRK-Chef Hoffnung. «Wir haben das so geplant, dass nun in jedem Impfzentrum jeden Tag geimpft wird.» Zunächst stehen für die 13 Impfzentren pro Tag etwa 1500 bis 2000 Impfdosen zur Verfügung. Perspektivisch sollen sich bis zu 13 000 Menschen in den Impfzentren das Vakzin spritzen lassen können. Unger stellte zudem in Aussicht, dass Senioren bereits vor dem 18. Januar und damit zeitiger als geplant individuelle Termin vereinbaren könnten.

Am Samstag hatte bereits ein Impfzentrum im vogtländischen Treuen verfrüht seine Arbeit aufgenommen, wo Mitarbeiter von Rettungsdiensten und ambulanter Pflege gegen das Coronavirus geimpft wurden. Die Impfdosen waren ursprünglich für vier Pflegeheime vorgesehen, die aufgrund von Corona-Infektionen aber kurzfristig unter Quarantäne gestellt wurden - laut Köpping ein weiteres erschwerendes Problem in Sachsen, weil die Zahl der Neuinfektionen höher sei als in anderen Bundesländern. Man brauche immer einen Plan B für den Impfstoff, betonte Köpping.

Das Problem kennt auch Schwester Juliane Franke vom Riesaer Impfzentrum. Sie hält eine Schale aus Pappe in der Hand - darin drei grüne Spritzen mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer. Einmal aufgetaut und verdünnt mit Natriumchlorid hält er nur sechs Stunden. «Es gibt auch Leute, die kommen nicht zu ihrem Termin oder können nach dem Gespräch mit dem Arzt doch nicht geimpft werden», so Franke. Dann versuche man andere auf der Warteliste vorzuziehen.

In Riesa wurde die Sachsenarena, in der normalerweise Konzerte gespielt werden, vom DRK zum Impfzentrum umfunktioniert: Weiße Stellwände und Vorhänge trennen den Check-In-Bereich, den Warteraum und die einzelnen Impfkabinen voneinander. Eine Hand voll Menschen, vor allem Pflegekräfte, sitzen am Montagmorgen in der Halle. Ein Arzt führt ein Gespräch, anschließend verabreichen Schwestern die Spritze. Nebenan in einem Gang sitzen Apotheker an zwei Tischen und bereiten die Spritzen vor. Wer den Pieks bekommen hat, muss 15 Minuten warten und kann anschließend mit einem Termin für die zweite Impfung die Halle. Es könne sicherlich schneller gehen mit dem Impfen, sagt Schwester Juliane. Aber sie gehöre nicht zu denen, die meckerten. «Ich bin einfach froh, dass es losgeht und die Menschen nun kommen können.»

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