Was einen jungen Physiklehrer aus Sachsen vertreibt

Zunächst wähnte sich der angehende Lehrer Martin Zelms im Glück - bis eine Mail aus Sachsens Schulverwaltung eintraf.

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18Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    Haju
    17.12.2019

    Eigentlich muß man ja auch gar nicht verbeamten, man braucht nur mit einer zeitlich (z.B. auf drei Jahre) begrenzte Vergütung nach Beamtenrecht locken, wenn man sich bedarfsorientierter Lenkung in Notsituationen freiwillig unterwirft.

  • 2
    2
    HHCL
    17.12.2019

    @Franziskamarcus: Warum sollte man gegen das Beamtentum sein müssen, wenn man die Forderung, man müsse das Geld für sein Studium zurückzahlen, wenn man sich gegen eine Arbeit in Sachsen entscheidet, unangemessen findet?

    Über die Sinnhaftigkeit des Beamtenstatus von Lehrern kann man ja gern streite, aber ihre Forderung, dass ich hier nun zwingend dagegen sein müsste, halte ich dann doch für eine ganz schlechten Diskussionsstil. Beide Themen haben nichts miteinander zu tun.

  • 1
    3
    Franziskamarcus
    17.12.2019

    HHCL, da haben sie sicherlich nicht unrecht, aber dann auch die alten Denkmuster ganz weglassen, Verbeamtung und damit einhergehende Annehmlichkeiten abschaffen, diese Verkrustung aus eine alten pösen Zeit, erfunden vom bösen, deutschen Mann. Wer a sagt, dann bitte auch b.
    Im übrigen im Koalitionsvertrag haben unsere Einheitsparteien in Sachsen ihrem Klientel auch wieder ein schönes Bonbon hinterlassen. Der verarmte Beamte soll künftig natürlich sein privates E-Auto kostenlos aufladen dürfen, wer es bezahlt, dürfte klar sein. Ich glaub auf Seite 46 oder49 hat man sich nach schwerem Ringen dafür einigen können. Wurde ja schon mal berichtet, wenn's auch die Bild war.

  • 4
    3
    HHCL
    17.12.2019

    „Wer sich zu schön ist, in einer Stadt wie Chemnitz zu arbeiten oder gar auf dem Land, der muss halt gehen, auch wenn das sehr bedauerlich ist anlässlich des Geldes das der Freistaat investiert hat. Eigentlich müsste er das zurückzahlen.“

    Es ist immer wieder erstaunlich, dass 30 Jahre nach dem Ende der DDR einige glauben man sei dem Staat, besonders Sachsen, zur Nibelungentreue verpflichtet, nur weil man studieren durfte. Das ist tiefste DDR-Diktatur und erinnert an Äußerungen der damals Führenden zum Thema Republikflucht.

    Es ist bedauerlich, dass diese Denkmuster in Sachsen offenbar keine Einzelmeinung darstellen.

  • 3
    1
    Franziskamarcus
    17.12.2019

    Erstmal schön, das sie sich hier geäussert haben. Vielen dank, vieles ist nachvollziehbar. Nur eine Verständnissfrage zu Punkt 3: Wieso können sie darausfolgernd nicht mit ihrer Partnerin in Zwickau, Chemnitz oder anderswo in Sachsen, weg von Leipzig zusammen leben? Gibts da keine "Beschäftigung" für ihre Partnerin? Oder ist ihnen das nicht alles zu Lifestyle genug? Ok, warum dann dieses heruntergewirtschaftete "Moloch" Berlin? Was erwarten sie sich da? Wenn man so verfolgt, wie das Schul-und Bildungsniveau in Berlin ist frag ich mich, ob sie als Physiklehrer sich da das richtige Rrusgepickt haben? Aber das ist ihr ding.

  • 5
    0
    martinzelms
    16.12.2019

    Ich bin besagter Lehrer und möchte diese Gelegenheit gern nutzen, einige Fragen bzw. Vorwürfe zu kommentieren.

    1) Natürlich ist der Weggang aus freien Stücken. Weil es eben auch 15 andere Bundesländer gibt, die sich teils deutlich aktiver um Lehrkräfte bemühen. Arbeitnehmer haben eine freie Wahl ihres Arbeitsplatzes, warum sollte das für Lehrer nicht gelten? Da haben sie durchaus Recht - Angebot und Nachfrage...
    Ich habe nicht alles getan, um irgendwo in Sachsen eine Anstellung zu finden - warum sollte ich? Ich habe problemlos anderswo eine Stelle gefunden. Genau das möchte ich kritisieren - Sachsen ist nicht aktiv, geht nicht auf Junglehrer zu, sondern verliert sie leichtfertig.

    2) Es wurde mir kein Angebot für eine andere Region unterbreitet. Bitte nicht das Verdrehen von Fakten vorwerfen und es selbst tun. Das Verfahren läuft folgendermaßen ab: Man bewirbt sich über ein online-Portal und gibt eine Wunschregion an. In meinen Falle eben Leipzig. Daraufhin bekommt man per E-Mail eine (negative) Rückmeldung. Und den Hinweis, dass man sich ja in einer anderen Region bewerben könnte. Oder man könnte darauf warten, evtl. kurz vor knapp noch ein Angebot zu bekommen - Alternative Arbeitslosigkeit. Das nennt sich nicht Angebot, sondern bewusstes unter Druck setzen.

    3) Tatsächlich ein wichtiger persönlicher Punkt ist die Beschäftigung meiner Partnerin. Wenn man gemeinsam wohnen und leben möchte, schaut man natürlich dort eine Stelle zu bekommen, wo das möglich ist.

    4) Einige scheinen meine Absicht zu verkennen. Ich kritisiere das Bewerbungsverfahren sowie den Versuch der Umverteilung über Druck. Und ich ärgere mich darüber, wie leichtfertig der Freistaat junge Lehrer verliert.
    Mein Beispiel ist dafür aufgrund der allgemein knappen Lage in Physik und die Einstellungszusage nur besonders "herausragend". Die Lage in Physik ist auch in den Städten nicht gut. Die Zahlen bzgl. Bedarf und Angebot werden nicht ohne Grund seitens des Ministeriums fachunabhängig angegeben...
    Seitens des Lasub existieren zudem keine Angebote oder Anreize in Regionen mit erhöhtem Bedarf zu gehen. Abgesehen davon, das (zunächst) keine anderen Stellen zugesagt werden. Im Grunde gibt es seitens des Lasub folgende Optionen:
    a) Wunsch des Bewerbers wird abgelehnt. Bewerber bewirbt sich daraufhin in anderer Region oder Schulform und wird eingestellt - Top.
    b) Wunsch des Bewerbers wird abgelehnt. Bewerber lässt sich nicht erfolgreich umlenken. Kurzfristig wird dem Bewerber eine Stelle in der Wunschregion angeboten. Der Bewerber hat noch keine andere Beschäftigung gefunden und sagt zu.
    c) Nicht vorgesehen: Wunsch des Bewerbers wird abgelehnt, Bewerber verlässt das Bundesland.

    Mit diesem Vorgehen verliert man gesuchte Nachwuchskräfte. Und das ist aus Sicht aller direkt Beteiligten frustrierend. Es steckt kein persönliches Interesse, kein Frust oder Nachtreten dahinter. Wie gesagt - ich habe ja in Berlin eine Stelle. Ich möchte stellvertretend für viele Betroffene und Kollegen den Finger in die Wunde legen und hoffe einen Anstoß für eine positive Veränderung in Zukunft zu geben.

  • 4
    2
    409284
    16.12.2019

    Was mich hier wundert, ist, dass die fp die Ansicht des Lehrers unreflektiert darstellt und eine solche Überschrift wählt. Denn wieso wird er aus Sachsen vertrieben, wenn im eine Arbeit in Z/C/BZ angeboten wird? Gehört das aus Leipziger Perspektive nicht zu Sachsen? Gerade die fp sollte doch eine andere Perspektive haben. Und nicht Polemik machen. Wer (warum auch immer) den Artikel nicht gründlich liest, bekommt hier ein falsches Bild. Herr Zelms bedauert die "gigantische Investition [in die Ausbildung] ..., deren Nutzen sich ... verflüchtigt" und kehrt dann aus freien Stücken Sachsen den Rücken. Das passt nicht zusammen. An Sachsen lag's nicht.

  • 2
    3
    ralf66
    16.12.2019

    @ChWtr, daß ist keine Diskriminierung, liegt mir völlig fern, es gibt schon Unterschiede, die aber nicht sehr groß sind, daß ist 7 Jahre lange hautnahe Erfahrung und hat wohl bemerkt nichts mit meiner Schulzeit zu tun.

  • 5
    2
    cn3boj00
    16.12.2019

    @ChWtr: die Stellungnahme des Lasub ist doch enthalten. Für Leipzig haben sich mehr beworben als gebraucht werden. Wo ist da das Problem? Wenn es irgendwo Lehrermangel gibt muss man sich darum kümmern. Wenn einer eine vermeintliche Einstellungsgarantie dann benutzen will um ausgerechnet dort hinzugehen wo er nicht gebraucht wird ist doch eigentlich alles klar. Ich glaube, dass die Garantie bedeutet hat, dass er in Sachsen eingestellt wird, nach Absprache mit dem Lasub, und nicht nach freier Wahl. Man hätte ihn in Sachsen fast überall mit Schmatzen genommen. Aber der gute Mann dreht die Fakten um und begründet damit ein Weggehen. Und der Mann soll bitte für die Kinder arbeiten, die ihn brauchen, nicht für das Lasub, @HHCL.
    Da haben wohl einige was falsch verstanden. Wer sich zu schön ist, in einer Stadt wie Chemnitz zu arbeiten oder gar auf dem Land, der muss halt gehen, auch wenn das sehr bedauerlich ist anlässlich des Geldes das der Freistaat investiert hat. Eigentlich müsste er das zurückzahlen.

  • 4
    7
    HHCL
    16.12.2019

    Wenn man sich die Kommentare so durchliest, kann man feststellen, dass der Mann in Berlin wohl deutlich(!) besser aufgehoben ist und das Lasub die passende Behörde für die Einheimischen ist.

  • 10
    3
    ChWtr
    16.12.2019

    oh oh, Mister Ralf - keine Diskriminierung.

    Ich bin zwar kein Lehrer, dafür ein Lehrerkind (väterlicherseits).
    Schon kurz nach der Geburt hat man meiner Mutter gesagt: am 31. Oktober geboren, dazu an einem Feiertag und auch noch die Rente für den ganzen Monat kassieren (...)

    Es mag sein, das Lehrer ein eigenes Völkchen sind.
    Aber wer ist das nicht? Der Bergmann ist (s)ein eigenes Völkchen, der Weißkittel sowieso und die "Bullen" erst. Vom Zoll möchte ich gar nicht erst reden. Gut, sind halt Beamte wie die verbeamteten Lehrer. Kenne ebenfalls Lehrer und die sind auch nur Menschen. ;-)
    Aber alle über einen Kamm scheren - Blödsinn. Im Übrigen, gute Lehrer sind so wichtig und wertvoll für die Heranwachsenden. Es kann ja nicht sein, dass die Schule das ausbügeln soll, was zu Hause versäumt wird. Manche Eltern machen es sich aber auch zu einfach (...) - ist wie im richtigen Leben.

  • 2
    13
    ralf66
    16.12.2019

    @Lesemuffel, Lehrer sind ein ganz spezieller Menschentyp, die sind nicht einfach, daß hat viele Gründe, als Nichtlehrer versteht man den Lehrertyp nicht wirklich. Der Lehrer hat meiner Meinung nach auf Grund eingeschränkter gesellschaftlicher Kontakte, ihm fehlt es auch nicht an Geld, eine nicht immer der Realität entsprechende allgemeine, gesellschaftliche, wirtschaftliche, Arbeitsmarkt gerechte Ansicht.

  • 11
    5
    Lesemuffel
    16.12.2019

    Komisch. Er will nach Leipzig, wo kein Bedarf ist, meidet die anderen sächs. Bezirke und geht dann nach Berlin. Seltsames Gebaren.

  • 15
    3
    BertaH
    16.12.2019

    Was nützt den Schulen die Bedarf haben ein weiterer Physiklehrer, der nur in Leipzig bleiben möchte? Nun geht er ohne Verbeamtung nach Berlin. Die Jobgarantie hat er doch ausgeschlagen. Also bitte ....

  • 19
    6
    Pixelghost
    16.12.2019

    Zitat: „ dass man ihm "mit Blick auf den Bedarf an ausgebildeten Lehrkräften im Fach Physik im Bereich der Gymnasien bereits jetzt eine unbefristete Einstellung in den Schuldienst verbindlich zusage"

    Wer hat das „mit Blick auf den Bedarf“ nicht verstanden, oder auch geflissentlich überlesen?

    Bedarf ist da wohl mehr in Bautzen, Chemnitz oder Zwickau. Und da wollte er wohl nicht hin?

    Den Schwarzen Peter schiebt man jetzt schnell mal der Behörde zu. Die Aussagen des angehenden Lehrers nimmt man fraglos hin?

    Ich nicht.

  • 15
    13
    HHCL
    16.12.2019

    Ich finde es schon sehr merkwürdig, wenn dem jungen Mann in den Kommentaren unterstellt wird, er wäre ja ohnehin gegangen. Wie kommt man auf so etwas? Er wollte offensichtlich nicht gehen. Allerdings hat er sich auf die Zusagen des Lasub verlassen und ist meiner Meinung nach vera... worden. Mangel hin oder her, aber so geht man mit Menschen nicht um. Das Lasub scheint seinen Bewerbern grundsätzlich zu misstrauen und spielt Spielchen, statt sich mit den Leuten an einen Tisch zu setzen und ernsthaft zu reden. Man scheint gar nicht auf die Idee zu kommen, dass man mit erwachsenen Menschen verhandeln kann. Statt dessen scheint man zu glauben, man könne Leute nur mit List an ungeliebte Einsatzorte locken und Bewerber würden alles mit sich machen lassen.

    Ich hätte ehrlich gesagt auch keine Lust für solche Leute zu arbeiten; insbesondere dann nicht, wenn ich erlebe, dass andere Bundesländer anders - angemessen! - mit mir umgehen. Es steht ja auch zu vermuten, dass man mit eingestellten Lehrern dann ähnlich umgeht. Diese Art und Weise ist aus meiner Sicht jedenfalls völlig unzeitgemäß.

    Wieder einer weg, der wohl nie zurück kommen wird. Aber Sachsen kann sich das ja leisten!

  • 23
    3
    ChWtr
    16.12.2019

    Wenn eine verbindliche Einstellungsgarantie nicht eingehalten werden kann (...) und sich Schulleiter aus anderen Bundesländer tel. beim Bewerber melden, ist das für Sachsen ein Armutszeugnis erster Güte.

    Man hätte im Bericht jedoch gern die Stellungnahme von der Lasub gehört.

    Auf der anderen Seite verstehe ich nicht, warum ein in der Nähe von C Geborener nicht in BZ, C oder Z bzw. Umgebung Physiklehrer sein möchte. Vielleicht hängt das ja auch mit seinem privaten Umfeld (Partnerin) zusammen, was im Artikel nicht zur Sprache kam (...) Den Kollegen in Sachsen und letztendlich speziell in BZ, C sowie Z Erfolg und starke Nerven zu wünschen klingt ein bissl wie Hohn.

  • 20
    14
    BertaH
    16.12.2019

    Ganz ehrlich … ich glaube der junge Mann wäre so oder so auch gegangen … Und man kann Berlin auch nicht mit einem Flächenland wie Sachsen vergleichen. Ich finde den Artikel sehr unglücklich geschrieben, da wir zwar Lehrermangel haben, nicht desto trotz aber Unterschiede in Stadt und Land. Ich finde es verantwortungsbewusst vom Lasub auch entsprechend zu agieren. Angebot und Nachfrage eben …