Weder Mundschutz noch Abstand: Kretschmer verteidigt Vorgehen bei Corona-Demonstration

Der Ministerpräsident wollte sich "ein Bild über die Stimmung verschaffen". Eine Privatperson zeigte ihn wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz an.

Dresden (dpa/sn) - Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat seine Gespräche mit Demonstranten bei Protesten gegen die Corona-Maßnahmen am Samstag in Dresden verteidigt. «Ich wollte mir ein Bild über die Stimmung verschaffen und respektiere, wenn Menschen eine andere Meinung haben», sagte er am Montag auf Anfrage. Kretschmer war später vorgeworfen worden, keinen Mundschutz getragen und den Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten zu haben.

Schon vor Ort hatte er erklärt, dass er normalerweise eine Mund-Nase- Bedeckung nutze, bei dieser Gelegenheit aber darauf verzichte, weil die Demonstranten einen solchen Mundschutz ablehnten. «Wenn ich mich dabei anstecke, dann ist das mein eigener Fehler. Aber dann trage ich das», hatte er seinen Gesprächspartnern gesagt. Auf den Mindestabstand wies er selbst immer wieder hin. Allerdings umringten Anwesende ihn in einem Pulk.

Von einer online gegen ihn gestellten Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz erfuhr Kretschmer nach eigenen Aussagen aus den Medien. Die Polizeidirektion Dresden hatte auf Anfrage bestätigt, dass eine entsprechende Anzeige vorliege. Die Anzeige war von einer Privatperson gestellt worden.

Kretschmer hatte sich mehr als eine Stunde Fragen der Demonstranten gestellt. Viele zollten ihm dafür Respekt. Einige beschimpften den Regierungschef aber auch. Teilnehmer der Proteste warfen der Politik Angstmache und leugneten die Existenz des Coronavirus. Kretschmer argumentierte, dass man keine Situation wie in Bergamo mit Lastkraftwagen voller Särge verantworten wollte.

 

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    1
    CPärchen
    18.05.2020

    Ich finde es schön, dass wir uns alle einig sind, dass er es richtig gemacht hat und nicht per Videoschalte aus seinem Büro sprach.
    Und ihr habt Recht! Es ist seine Pflicht dahin zu gehen, wo es gerade kracht und das macht er.... und ich glaube von den 16 Ministerpräsidenten als Einziger!

  • 5
    4
    cn3boj00
    18.05.2020

    @Sterntaler, leider stimmt das nicht. Ich habe damals auch von Bekannten die Aufforderung bekommen, bei meinem Abgeordneten gegen die Zustimmung zum Zweiten Gesetz zum Schutz der Bevölkerung zu protestieren. Deshalb habe ich mir genau angeschaut, wie die geplanten Änderungen lauten sollten. Da war nicht von Impfpflicht die Rede, sondern nur davon, dass jemand mit einem Impfschutz von Beschränkungen aus Infektionsschutzgründen befreit werden kann. Eine sehr sinnvolle Regelung! Im Übrigen würde eine Impfpflicht gegen das Grundgesetz verstoßen, deshalb würde sie entweder gekippt oder man müsste das GG ändern, und zwar in den Heiligen Artikeln zu den Grundrechten. Und genau die Behauptung, dass die Regierung mit den Maßnahmen gegen das Grundgesetz verstoßen würde stimmt ebenfalls nicht. Artikel 2.
    Ich bin froh nicht dagegen protestiert zu haben. Aber ich bin mir sicher, die meisten Menschen, die gegen eine Impfpflicht demonstrieren, haben einfach blind dieser Behauptung geglaubt. Genau wie plötzlich alle vom Lockdown sprachen, als ein paar rechte Politiker diesen Begriff zu benutzen begannen, obwohl es in Deutschland gar keinen Lockdown gab geschweige denn gibt.

  • 5
    9
    Sterntaler
    18.05.2020

    @cn3boj00, sicher gibt es auch diese Leute. Aber in der Mehrheit sind sie nicht. Was die Impfpflicht betrifft, diese war tatsächlich in Verbindung mit dem Immunitätsausweis im Kabinettsentwurf der letzten Änderung des Infektionsschutzgesetzes enthalten. Recht verklausuliert und schwer zu verstehen. Nur massiven Protesten ist es zu verdanken, dass davon Abstand genommen wurde.

  • 7
    0
    Tokeah
    18.05.2020

    @langi001: Und wie wir ja nun wissen, braucht Jemand Hilfe. Allerdings: darauf wird er leider verzichten müssen.

  • 12
    2
    Hanneswbg
    18.05.2020

    Ich denke, der MP wollte eigentlich nur radeln und dazu braucht man keine Maske, ist dann aber wohl von einem Teil der "Besorgten" angehalten worden und sollte zu den festgelegten Maßnahmen Stellung beziehen. Vielleicht hat man ihm sogar damit eine Falle gestellt, auf jeden Fall war es mutig sich zu stellen!

  • 35
    2
    langi001
    18.05.2020

    Wir ers macht, macht ers falsch.
    Zu solch einer Demo zu gehen und einen Mundschutz zu tragen hätten diese Leute sicher als Provokation empfunden. Er konne nur zwischen Pest und Colora wählen. Ich finde er hat sich richtig entschieden und es war mutig.
    Wer ihn dafür anzeigt braucht Hilfe.

  • 20
    9
    cn3boj00
    18.05.2020

    @Sterntaler leider ist das so, eine der abstrusen Theorien neben falschen Behauptungen wie Impfpflicht, denen einige der Demonstranten anhängen. Der Virus wurde von den Regierungen erfunden, damit sie uns unsere Grundrechte wegnehmen können. Wer nicht an die Existenz der Bundesrepublik glaubt muss auch nicht an Viren glauben. Und mit diesen Leuten ist auch jede Diskussion sinnlos. Wer an die kleinen grünen Männlein unter uns glaubt ist davon auch nicht abzubringen. Deshalb frage ich mich auch besorgt, wieso Menschen, die sich einfach nur Sorgen machen, mit denen zusammentun.

  • 11
    17
    Hinterfragt
    18.05.2020

    Nun, wurde denn auch AKK angezeigt?
    Man erinnert sich: Leipzig Millionen MN, AKK ohne Maske, ohne Abstand (mit) im Massenpulk von Journalisten ...

  • 32
    6
    Sterntaler
    18.05.2020

    Respekt an Herrn Kretschmer. Dass allerdings die Existenz des Virus geleugnet wird, wie im Artikel dargestellt, erlaube ich mir anzuzweifeln. Wer das tut müsste wirklich völlig neben der Spur laufen. Die jeweilige Meinung zur Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen und zur Panikmache ist eine andere Sache ...

  • 81
    6
    j35r99
    18.05.2020

    Danke Herr Kretschmer.
    Ein Ministerpräsident mit "Arsch" in der Hose.
    Es gab schon zu DDR-Zeiten ein Sprichwort, was auch heute noch aktuell ist:
    Der größte Lump im Land ist und bleibt der Denuziant!