Wegen Corona geschlossen: Weniger Einnahmen für Zoos

Wochenlang hatten Zoos und Tierparks im Frühjahr und Herbst wegen der Corona-Pandemie zu. Die Folgen waren am Ende zum Teil deutlich weniger Besucher und weniger Einnahmen. Doch auch manche Tiere vermissen die Menschen.

Dresden (dpa/sn) - Weniger Besucher und geringere Einnahmen: Die Auszeit während des Corona-Lockdowns im Frühjahr und Herbst hat den Zoos und Tierparks in Sachsen heftige Einbußen beschert. «Vor allem für große Zoos ist es ein schwieriges Jahr gewesen», sagte der Leipziger Zoo-DirektorJörg Junhold, der zugleich Präsident des Verbandes Zoologischer Gärten ist. Kleinere Zoos und Tierparks ohne großes überregionales Publikum seien hingegen gut besucht gewesen. Teilweise konnten die Verluste durch Spenden oder Zuwendungen der öffentlichen Hand ausgeglichen werden, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Beim Zoo Leipzig sind die Besucherzahlen um etwa 400 000 auf 1,35 Millionen Besucher eingebrochen. «Ohne die breite öffentliche und politische Unterstützung wäre das existenzgefährdend», sagte Junhold. Es habe ein Welle der Sympathie gegeben. Über eine Spendenaktion und den Freundes- und Förderverein seien mehr als eine Million Euro an Spenden hereingekommen. Die Stadt Leipzig habe für die Jahr 2020 bis 2022 finanziellen Hilfen zugesagt.

Rund 630 000 Tierfreunde haben beim Zoo in Dresden die Kassen am Einlass passiert, ein Besucherminus von etwa 270 000 Gästen. Für die finanzielle Ausfälle des Frühjahrs sollen es von der Stadt einen Ausgleich geben. Wie das seit November anfallende Defizit wieder kompensiert wird, sei hingegen noch offen, hieß es.

Trotz der Corona-Krise will Zoo-Direktor Karl-Heinz Ukena an dem für diesen Sommer geplanten Baustart für eine neues Oran-Utan-Haus festhalten. Die Baukosten wurden auf etwa 17 Millionen Euro veranschlagt. «Mit einem Investitionszuschuss von der Stadt können wir wegen der aktuellen Lage nicht rechnen», sagte Ukena. Deshalb will der Zoo einen Kredit in Höhe von 12 Millionen Euro aufnehmen, 3 Millionen Euro sollen aus Eigenmitteln aufgebracht werden, 500 000 Euro kommen vom Förderverein Zoo-Freunde Dresden. Für die noch fehlenden 1,5 Millionen Euro hofft Ukena auf Spenden.

Für die Tiere ist es teilweise ungewohnt, dass kaum Menschen zu sehen sind. «Unseren Raubkatzen fehlen die Besucher, sie beobachten diese sonst ganztägig», hieß es beim Zoo Leipzig. Das falle jetzt weg. Auch den Menschenaffen fehlten die Menschen. Andere Tiere wie die freilebenden Arten im Gondwanaland eroberten sich Bereiche, die sonst Besuchern vorbehalten seien. «Allen Tieren ist gemein, dass sie Mitarbeiter, die am Gehege vorbeigehen, deutlich aufmerksamer registrieren», sagte eine Zoo-Sprecherin.

Der Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec ist bewusst als Begegnungsstätte von Mensch und Tier gedacht. Viele Tiere wie etwa Ziegen, Schafe, Alpakas, Esel oder Kamele erhielten von den Besuchern Streicheleinheiten, den Schweinen kraulen die Besucher mit installierten Bürsten den Rücken, berichtete Tierpark-Sprecherin Isa Plath. Bei anderen Tierarten wieder helfen Tierparkbesucher bei der Fütterung, sie verteilten das Gemüse für die Stachelschweine, Gras für Ziegen, Esel, Meerschweinchen, für die Küken reiben sie frische Karotten. Diese Begegnungen könnten momentan leider nicht stattfinden, sagte sie.

Plath zufolge kamen 2020 etwa 20 Prozent weniger Besucher als in den Vorjahren. Entsprechend seien die Einnahmen weggebrochen. Durch Einsparungen sowie Spenden der Besucher sei es gelungen, die Verluste teilweise aufzufangen. «Vor allem die erste Spendenwelle hat uns überwältigt», sagte Plath. Zudem gab es eine kleine staatliche Hilfe in Form der Corona-Härtefall-Förderung für Kultur. Dennoch bleibe ein Minus von etwa 10 Prozent.

Das neu geborene Leopardenmädchen Nala, die neue Leopardenanlage und eine komplett neu gestaltete Pinguinanlage haben während des Sommers viele Besucher in den Zoo in Hoyerswerda gelockt. Das habe die Ausfälle des Frühjahrs von rund 100 000 Euro teilweise ausgeglichen, sagte die Zoologische Leiterin Eugène Bruins.

Die Einnahmeverluste des Tierparks in Weißwasser in Ostsachsen liegen nach eigenen Angaben bei etwa 45 000 Euro. Das seien rund 10 Prozent des Gesamthaushaltes. Statt der erwarteten 43 000 Besucher seien nur gut 33 000 gekommen. Etwa 35 000 Euro seien durch Spenden und Tierpatenschaften hereingekommen, sagte Gert Emmrich vom Tierpark-Vorstand. «Das vergangene Jahr war wirtschaftlich sehr schwierig.»

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