Welterbetitel für das Erzgebirge schiebt die nächsten Projekte an

Mit seinem Auftritt bei der Unesco-Tagung in Baku hat das Erzgebirge nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht. Der Schwung soll noch lange anhalten. Die nächsten Schritte sind schon angelaufen.

Baku/Annaberg-Buchholz.

Nicht nur mit der Einschreibung der Stätten der Montanregion Erzgebirge/ Krušnohorí in die Liste des Welterbes der Menschheit selbst hat der Freistaat Sachsen in Baku Eindruck hinterlassen. Auch die Aktivitäten, mit denen die Delegation aus Dresden, Freiberg und Annaberg-Buchholz das Erzgebirge bei der 43. Sitzung des Welterbekomitees in der aserbaidschanischen Hauptstadt präsentierte, werden vielen Teilnehmern der Sitzung noch lange in Erinnerung bleiben - und entsprechend nachwirken. Davon zeigten sich Beobachter überzeugt.

Für Stefan Krawielicki, den Deutschen Botschafter bei der Unesco in Paris, erfüllt die Montanregion in vielerlei Hinsicht Grundgedanken der Welterbe-Konvention. So das grenzüberschreitende Projekt von Sachsen und Tschechien. So etwas zu erreichen, sei keine Selbstverständlichkeit, auch wenn der gemeinsame Schutz des Erbes der Menschheit über Grenzen hinweg eine der Grundlagen der Konvention sei. "Friede fängt immer in den Köpfen der Menschen an", verdeutlichte Krawielicki. Aber auch die Bilder und die Klänge des Auftritts des Bläserquintetts des Musikkorps der Bergstadt Schneeberg vor der Sitzung am Sonntagmorgen trugen seiner Meinung nach zum gelungenen Auftritt der Sachsen in Baku bei.

Birgitta Ringbeck, die im Außenministerium die Zusammenarbeit mit der Unesco koordiniert, bestätigte das. Auch der gemeinsame Empfang, zu dem Sachsen und Tschechien am Sonntagabend geladen hatten und bei dem die Schneeberger Bläser ebenfalls noch einmal aufspielten, sei ein voller Erfolg geworden. "Normalerweise kommen die Leute zu so einem Empfang mal auf eine halbe Stunde vorbei", sagte sie am Rand der Veranstaltung zu fortgeschrittener Stunde. "Heute wollen sie ja gar nicht mehr gehen." So etwas bleibe in den Köpfen hängen. "Der Glanz strahlt nicht nur auf das Erzgebirge ab", schloss Birgitta Ringbeck, "sondern auf ganz Deutschland."

Und so bezeichnete Miles Oglethorpe, Präsident der Gutachterorganisation TICCIH, die die Unesco im Bereich der Industriedenkmäler berät, den erzgebirgischen Auftritt in Baku schlicht als "perfekt". Die Montanregion rage für ihn unter allen in Baku neu aufgenommenen Welterbestätten heraus, versicherte der Schotte - auch deshalb, weil viel Initiative von der Basis ausging, also den Menschen selbst.

Den Schwung wollen die Erzgebirger weiternutzen. So hat die Wirtschaftsförderung Erzgebirge, die im Auftrag des Welterbe-Vereins sich bislang um die Organisation der Bewerbung kümmerte, quasi bereits mit dem Votum entsprechende Marketing-Aktionen gestartet. Geschäftsführer Matthias Lißke berichtete, erste Anfragen etwa aus Japan seien schon eingetroffen. In dem Land in Fernost gebe es eine relevante Zielgruppe, die sich bei Fernreisen an der Welterbeliste orientiere. Mittelfristiges Ziel für die Touristiker: dafür sorgen, dass Gäste touristische Angebote in der erwarteten Qualität vorfinden. Da gebe es noch Nachholbedarf.

Ebenfalls nicht von heute auf morgen umzusetzen: die Einrichtung von Besucherzentren. Über einzelne Standorte solle laut Vorstandsbeschluss erst jetzt, da die Einschreibung erfolgreich war, entschieden werden, so der Montanregion-Verein. Die Kommunen im Verein seien aber aufgefordert, über mögliche Objekte und Standorte nachzudenken und die zukünftige Betreibung zu sichern. "Deshalb gibt es zurzeit keine Festlegungen, aber in den einzelnen Städten und Gemeinden durchaus Überlegungen für weitere Planungen."

Zunächst aber sollen die Objekte ausgeschildert und in eine Welterbe-App eingebunden werden. Die offizielle Übergabe der Urkunde zum Welterbe durch das Auswärtige Amt ist für den 14. September mit einem Großen Zapfenstreich in Freiberg vorgesehen. Es ist der 250. Geburtstag Alexander von Humboldts, der einst in Freiberg studierte, bevor er als Naturforscher Weltruhm erlangte, und der an diesem Tag in Freiberg ebenfalls geehrt wird. Doch auch anderswo im Erzgebirge stehen Veranstaltungen noch in diesem Jahr im Zeichen des neuen Welterbes. "Dies beginnt zum Beispiel mit 500 Jahre St.-Annen-Kirche Annaberg-Buchholz, dem Jubiläum des Bergwerks St. Anna am Freudenstein in Zschorlau oder dem 25. Jubiläum des Besucherbergwerkes Markus Röhling in Frohnau", teilt die Wirtschaftsförderung Erzgebirge mit. "Weitere Veranstaltungen kommen dazu, um in der gesamten Fläche wirksam werden zu können."

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