Weniger Lehrer-Seiteneinsteiger

Von 300 möglichen Plätzen für den Einstiegskurs ab November kann Sachsen nur 227 besetzen. Wo sind die Lücken am größten?

Dresden.

Um den Mangel an ausgebildeten Lehrern zu kompensieren, greift Sachsen bereits seit einigen Schuljahren auf Seiteneinsteiger zurück - also Hochschulabsolventen, deren Abschluss zwar kein Lehramt, aber einem Unterrichtsfach zuordenbar ist. Doch auch diese Maßnahme stößt an ihre Grenzen.

Wie das Kultusministerium auf Anfrage der "Freien Presse" mitteilte, fanden sich für die dreimonatige Einstiegsqualifizierung, die heute für die neuen Seiteneinsteiger ab dem zweiten Schulhalbjahr beginnt, lediglich 227 Teilnehmer. Das sind 73 weniger als ursprünglich vorgesehen waren. Zumindest sieben der frei gebliebenen Plätze werden nun von Seiteneinsteigern belegt, die sich eigentlich schon ab Mai qualifizieren sollten, dies aber aus persönlichen Gründen verschoben hatten.

Besonders groß sind die Lücken für die Regionen Bautzen und Chemnitz. Dass es dort immer schwerer wird, ausreichend Bewerber zu finden, hatte das Ministerium schon bei den vorangegangenen Einstellungsrunden feststellen müssen. Für die Chemnitzer Region - gemeint ist der Bezirk des Landesamts für Schule und Bildung (LaSuB) - konnten mit 52 von 115 Stellen nur weniger als die Hälfte besetzt werden. Leer blieben dort 18 Plätze für Lehrer an Grundschulen, 13 für Oberschulen und 5 für Gymnasien. Ähnlich sieht es mit 33 von 75 möglichen Teilnehmern in Bautzen aus. In der Region Zwickau konnten nur 15 von 23 Plätzen besetzt werden. Für Dresden und Leipzig wurden hingegen zusammen 40 Seiteneinsteiger mehr eingestellt als geplant.

Bereits seit dem Schuljahr 2015/16 stellt Sachsen an den allgemeinbildenden Schulen in verstärktem Maß Seiteneinsteiger ein. Mitte September befanden sich laut Kultusministerium mehr als 2300 im Schuldienst. Aus der Antwort auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Andrea Kersten (Blaue Partei) geht auch hervor, dass an fast 100 Schulen mindestens jeder vierte Lehrer ein Seiteneinsteiger ist. Dass sich darunter 28 Förderschulen befinden, sieht Kersten besonders kritisch. Sie hält es für überfällig, die an LaSuB oder Ministerium abgeordneten Fachlehrer zurück zur Schule zu schicken. Dort wären sie "jetzt wichtiger als in der Verwaltung".

"Ein Seiteneinsteiger, der bei 20, 30 Lehrern mit dabei ist, kann eine Bereicherung sein. Aber wenn das Verhältnis irgendwann mal kippt, werden Sie dieses Bildungsniveau nicht halten können, wie es jetzt ist", sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bei einer Parteiveranstaltung am Montag in Chemnitz. Seine CDU/SPD-Regierung will etwa durch die ab 2019 geplante Verbeamtung von Lehrern, die jünger als 42 Jahre sind, wieder genügend ausgebildete Pädagogen finden. Seit Schuljahresbeginn stehen mehr als 1200 neue Lehrer vor Schulklassen, darunter auch etwa 420 Seiteneinsteiger. Wie viele regulär ausgebildete Lehrer ab Februar zu den neuen 234 Seiteneinsteigern dazu kommen, steht noch nicht fest.

 

(In einer früheren Version dieses Artikels gab es in der Tabelle einen Fehler bei der Anzahl der Seiteneinsteiger in Gymnasien und Förderschulen. Wir haben ihn korrigiert.)

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2Kommentare
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    1
    saxon1965
    01.11.2018

    Treffender wäre wohl die Überschrift: "Zu wenig Lehrer-Seiteneinsteiger"

  • 9
    0
    tbaukhage
    01.11.2018

    @FP: Tolle Überschrift! Suggeriert sie doch allein durch die Wortwahl, dass es weniger Seiteneinsteiger und damit mehr "richtige" Lehrer gibt...
    Das Gegenteil ist der Fall!!! Es gibt nicht genug Seiteneinsteiger, um die nicht besetzten Lehrerstellen besetzen zu können (ja, wird weiter unten so dargestellt). Warum diese Wortwahl in der Überschrift?



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