Weniger Wohnungseinbrüche, mehr Fahrraddiebstähle

Die Kriminalstatistik weist für Sachsen ein neues Rekordtief seit Beginn der Erfassung aus. Dabei gibt es längst nicht bei allen Delikten Rückgänge.

Dresden.

Als eine von der Landesregierung 2015 eingesetzte Expertenkommission dem Freistaat die Schaffung von 1000 zusätzlichen Polizeistellen empfahl, begründete sie das mit der seit Jahren ansteigenden "Kriminalitätsbelastung". Inzwischen steigt die Anzahl der Polizisten im Dienst - nach entsprechender Erhöhung der Ausbildungsplätze - allmählich tatsächlich an. Nur die Statistik, die fällt inzwischen ganz anders aus.

Nicht nur, dass mit 271.796 Straftaten im Jahr 2019 so wenige wie noch nie zuvor in einem Jahr in Sachsen registriert worden sind. Dieses Mal wird zugleich der bisherige Tiefstand bei der Anzahl der Straftaten auf 100.000 Einwohner - womit die "Kriminalitätsbelastung" definiert wird - aus dem Jahr 2009 eingestellt: genau 6665 waren es nun auch 2019, wie das Innenministerium auf Nachfrage bestätigt.

Für Ressortchef Roland Wöller (CDU) ist der positive Trend Anlass, Sachsen als "sicheres Land" zu bezeichnen - aber auch "kein Grund, sich auszuruhen". Dazu verwies er auf die erhöhte Anzahl politisch motivierter Straftaten genauso wie auf den Zuwachs der Fallzahl (um knapp 300 Fälle) bei der Verbreitung von Kinderpornografie. Allein über das Internet wurden dabei 416 und damit gut 70 Fälle mehr als 2018 erfasst - während die "Cybercrime"-Statistik insgesamt um 1800 auf 8212 Fälle recht deutlich abnahm.

Bereits das fünfte Jahr in Folge ging die Anzahl der Autodiebstähle zurück - auf jetzt rund 1700, von denen es in 537 Fällen beim Versuch blieb. 2018 hatte es noch mehr als 2300 Autodiebstähle - darunter 300 versuchte - gegeben. Im Vergleich zu 2009 habe sich die Anzahl der Autodiebstähle damit sogar halbiert.

Warum es derweil bei den Fahrraddiebstählen "unter erschwerenden Umständen" - worunter in der Regel das Aufknacken eines Schlosses fällt - im Vergleich zu 2018 zu einer Zunahme um knapp 2100 Fälle kam, blieb am Donnerstag offen. Angesichts der Coronakrise war die Kriminalstatistik in diesem Jahr ausnahmsweise nicht in einer Pressekonferenz, sondern nur per Pressemitteilung und mit Schwerpunktgrafiken veröffentlicht worden.

Demnach kam es auch bei Wohnungseinbrüchen zu einem deutlichen Rückgang von 4001 (2018) auf 3040. Dass der Anteil der versuchten, aber erfolglos gebliebenen Wohnungseinbrüche dabei inzwischen bei 44 Prozent liegt, werten die Sicherheitsbehörden als Erfolg präventiver Maßnahmen. Dazu komme eine "steigende Aufklärungsquote", hieß es weiter: Für jeden vierten Wohnungseinbruch seien Tatverdächtige ermittelt worden.

Die Zunahme politisch motivierter Straftaten (von 3461 im Jahr 2018 auf 4350 Fälle) erklären sich die Statistiker aus Innenministerium und Landeskriminalamt mit dem Wahljahr 2019. Bei fast jedem vierten Fall (1083) habe es sich um die Beschädigung von Wahlplakaten gehandelt. "Hasskriminalität" blieb mit 608 Fällen (645) unverändert hoch, hieß es.

Seit drei Jahren erstmals zurückgegangen ist der Statistik zufolge die Anzahl der Drogendelikte, wenngleich 13.012 statt 13.214 Fälle immer noch ein hohes Niveau darstellten, wie es hieß. Einem leichten Rückgang bei Crystal steht demnach ein Anstieg der Delikte mit Cannabisprodukten gegenüber - die schon 2018 fast zwei Drittel aller ermittelten Rauschgiftdelikte ausgemacht hatten.

Für die ermittelten Straftaten - deren Aufklärungsquote bei 56,2 Prozent (2018: 56,6 Prozent)lag - wurden insgesamt 87.150 Tatverdächtige ermittelt: 68.330 Deutsche und 18.820 Ausländer.

Dazu zählten knapp 8400 Zuwanderer (2018: 9200), die zusammen für rund 16.400 Straftaten (2018: 18.700) verantwortlich gewesen sein sollen. Dabei sind ausländerrechtliche Delikte - die nur von Ausländern begangen werden können - nicht erfasst. Meist ging es bei ihnen um Ladendiebstähle (rund 3000), Körperverletzungen (knapp 2800) und Schwarzfahren (1900). Wie bereits in den Jahren zuvor konstatieren die Sicherheitsbehörden dabei, dass ein kleiner Teil von Zuwanderern für eine große Zahl von Straftaten verantwortlich ist. Fast 40 Prozent der entsprechenden Taten werden Personen zugeschrieben, die mehrfach straffällig wurden. Demnach gingen fast 6200 Straftaten auf das Konto von rund 1300 zugewanderten Mehrfachtätern, die vor allem aus Tunesien, Libyen und Syrien kämen. 104 hätten 2019 abgeschoben werden können - fünf mehr als 2018.


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