Wenn der Krippenplatz pro Monat 1000 Euro kostet

Mehr und besser bezahlte Erzieher führen zu immer höheren Ausgaben für die Kommunen. Reicht der neue Landeszuschuss - oder trifft es die Eltern?

Dresden.

Wenn Sachsens Landespolitik vom Bürger etwas Bestimmtes wissen will, tut sie das mit Bedacht. Insofern war es sicher kein Zufall, dass die Eltern kürzlich in der Kita-Umfrage des Kultusministeriums kundtun sollten, ob sie "prinzipiell bereit" wären, für eine bessere Qualität der Kinderbetreuung höhere Beiträge zu zahlen - was 57 Prozent bejahten und 43 verneinten.

Auch ohne neue Qualitätsverbesserung wächst freilich der Druck auf Sachsens Kommunen, die Elternbeiträge zu erhöhen. Wie Kultusminister Christian Piwarz (CDU) jetzt dem Landtag mitteilte, stiegen die Gesamtkosten für einen Krippenplatz (Neun-Stunden-Betreuung) 2016 im Landesdurchschnitt auf den Rekordwert von 928 Euro. 2008 waren es mit 784 Euro noch 144 Euro weniger gewesen. Ein Kindergartenplatz kostet demnach monatlich 464 (2008: 376) Euro. Auch beim Hort wurde mit 259 (2008: 219) Euro ein neuer Höchstwert verzeichnet.

Auffällig hoch waren die regionalen Differenzen bei der Höhe der Betriebskosten, obwohl die Tarifsteigerungen für Erzieher oder neue Vorgaben zum Personalschlüssel landesweit überall dieselben Auswirkungen haben müssten. Den Angaben zufolge war der "billigste" Krippenplatz im Freistaat 2016 monatlich 670 Euro teuer, während der "teuerste" 1207 Euro verschlang. Als Erklärung gilt das Problem für sehr kleine Kitas, ohne Übererfüllung der Erzieher/Kind-Quote eine Betreuung gar nicht absichern zu können, genauso wie der bauliche Zustand der Kitas - der etwa die Kosten für Wärmedämmung beeinflusst.

Fragestellerin Andrea Kersten (Blaue Partei) geht davon aus, dass die enorme Differenz "nicht nur an der Lage oder an der Art des Trägers liegen" könne. Die Abgeordnete aus Mittweida hält es für nötig, dass das Land die Kommunen bei der Kita-Finanzierung stärker entlastet.

Immerhin erhalten die Kommunen ab 1. September eine um 160 auf 2455 Euro pro Kind und Jahr erhöhte Landespauschale. Parallel wird indes der Erzieher-Kind-Betreuungsschlüssel in Krippen von 1:5,5 auf 1:5 verbessert, womit der finanzielle Aufwand für einen Platz bald auch im Landesdurchschnitt die 1000-Euro-Marke knacken dürfte - pro Monat. Zuletzt hatte sich der Freistaat mit den kommunalen Spitzenverbänden auf eine Anhebung der Pauschale ab Juli 2019 um 300 Euro verständigt. Das Geld soll allein die bisherigen Mehrkosten ausgleichen.

Weitere 270 Euro sollen ab Juni 2019 fließen, um die nach der Kita-Umfrage von der Regierung geplante Finanzierung von zwei Wochenstunden an Vor- und Nachbereitungszeit der Erzieher zu finanzieren. Dazu kann Sachsen auch auf Millionen vom Bund zurückgreifen.

Ob die erhöhte Pauschale den Kommunen ausreicht, ist unklar. In den Gemeinden, die sich bei der Höhe der Elternbeiträge bisher an festen Prozentsätzen der entstehenden Betriebskosten orientieren, könnten die zusätzlichen Kosten für Vor- und Nachbereitung "frühestens ab Herbst 2020 zu erhöhten Elternbeiträgen führen", sagt der Vize-Geschäftsführer des Gemeindetages, Ralf Leimkühler der "Freien Presse".

Im Juni fragte das Institut Insa 1009 Sachsen im Auftrag der CDU-Landtagsfraktion nach den wichtigsten Aufgaben für Sachsens Bildungspolitik. Den Punkt "Abschaffung der Kita-Gebühren" hielten dabei 23 Prozent für "eher" und weitere 44 Prozent für "sehr wichtig".

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