Wettbewerb "Tradition und Form": Jetzt sind die "Freie Presse"-Leser am Zug

Das 25. Jahr in Folge waren Holzkunsthandwerker und Spielzeughersteller jüngst aufgerufen, sich am Wettbewerb "Tradition und Form" mit neuen Produkten zu beteiligen. Über zwei Hauptpreise hat die Jury bereits entschieden. Nun können Sie bestimmen, wer den Publikumspreis der Zeitung erhält. Mitmachen lohnt sich. Hier die nominierten Arbeiten.

Holzspielzeug hat es schwer. Weil es im Erzgebirge nur noch wenige Produzenten gibt, werden auch kaum Neuentwicklungen für den Wettbewerb "Tradition und Form" eingereicht. Dabei wendet sich der vom Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller seit nunmehr 25 Jahren ausgerichtete Wettstreit ausdrücklich auch an Spielzeugproduzenten. Allerdings gilt auch für deren Erzeugnisse, was für alle Wettbewerbsbeiträge gilt: Sie müssen in den vergangenen zwei Jahren neu entwickelt worden sein.

Die Firma Erzgebirgische Holzspielwaren Ebert im Olbernhauer Ortsteil Blumenau gehört seit Jahren zu den Betrieben, die den Wettbewerb mit neuen kreativen Spielzeugideen bereichern. Mehrfach wurde sie auch mit Preisen bedacht, zuletzt vor einem Jahr. Diesmal schaffte es ihr "neuer" Holzbaukasten "Tsumiki" allerdings nicht einmal unter die nominierten Objekte. Deshalb findet er sich auch nicht auf dieser Seite wieder. Schade, denn "Tsumiki" ist ein geniales Spielzeug. Es fördert neben der Kreativität auch die Feinmotorik und den Wettbewerbsgeist kleiner Baumeister.

Doch weil der Baukasten bereits 2008 von einer japanischen Gestalterin entwickelt wurde und Ebert ihn zunächst als Exklusivmodell in Kleinserien für den japanischen Markt fertigte, erfüllt er eben ein entscheidendes Wettbewerbskriterium nicht: das einer Neuentwicklung. Da reicht es auch nicht, dass die Olbernhauer Firma nun die Rechte für die Fertigung in größerem Umfang besitzt und seit März dieses Jahres das Erzeugnis im eigenen Sortiment mit einem Erweiterungsset anbietet.

Doch das war nicht das einzige Problem, das sich in diesem Jahr auftat. Ausgerechnet im 25. Jahr des Wettbewerbs wurden nur zwölf Neuentwicklungen von neun Herstellern eingereicht. Dabei steht der Wettbewerb allen 250 Handwerksbetrieben und Manufakturen der Branche offen - auch jenen, die nicht Mitglied im Kunsthandwerkerverband sind. Vergangenes Jahr waren zum Vergleich 20 Arbeiten eingereicht worden, von denen letztlich 13 als preiswürdig für den Wettbewerb nominiert wurden. Im Jahr davor waren es 19, von denen 14 eine Nominierung erhielten.

Die Würfel, welche Arbeiten in die Endrunde 2019 gekommen sind und welche letztlich mit einem Hauptpreis des Verbandes in Höhe von je 1000 Euro sowie mit Sonderpreisen bedacht werden, sind in diesem Monat gefallen. Die Preisträger kennen die Entscheidung allerdings noch nicht. Und auch Sie, liebe Leser, sollen ganz unbefangen und unbeeinflusst von der Meinung der Juryexperten nun darüber entscheiden, welche Arbeit den Sonderpreis der "Freien Presse" erhält. Welche Maßstäbe Sie dabei anlegen, entscheiden Sie allein.

Die "Freie Presse" engagiert sich seit 2009 auf diese Weise für den Wettbewerb und damit gewissermaßen für die Zukunft einer der traditionsreichsten Branchen in der Region. Um die 2000 Leser stimmten jedes Jahr mit darüber ab, welche Neuentwicklung aus ihrer Sicht die gelungenste war. In den vergangenen Jahren war kein einziges Produkt dabei, das keine Leserstimmen erhielt. Sonderpreise loben seit vielen Jahren auch die Erzgebirgssparkasse und der Landrat des Erzgebirgskreises aus.

Auch beim diesjährigen Wettbewerb gab es wieder eine zweistufige Bewertung durch die achtköpfige Jury. Sie nimmt sich zunächst alle Arbeiten vor und entscheidet - ähnlich wie beim Oscar-Filmpreis in den USA - , welche Produkte überhaupt in die Endwertung kommen. Die Wettbewerbssatzung schreibt dazu klare Kriterien vor. Danach muss es sich, wie erwähnt, um eine echte Neuentwicklung handeln. Es reicht auch nicht, erfolgreiche Produkte aus dem eigenen Sortiment nur zu variieren oder um neues Zubehör zu ergänzen. Genau deshalb sind auch in diesem Jahr wieder einige der eingereichten Neuentwicklungen "durchgefallen". Belohnt wird fast immer der Mut zu Neuem, sofern im Neuen auch Tradition erkennbar wird.

Katharina Scheithauer, Diplom-Designerin und seit drei Jahren Jurymitglied, spricht von etlichen interessanten Ansätzen bei den diesjährigen Arbeiten. Sie freue sich immer über mutige Vorstöße, wohl wissend, dass denen technologisch und auch von der Tradition her Grenzen gesetzt seien. Auch der gekonnte Einsatz von Materialien wie Glas und Edelstahl werte viele Holzarbeiten auf, sagt Scheithauer. Andreas Bilz, der seit zehn Jahren in der Jury sitzt und als einer der beiden Geschäftsführer der Genossenschaft Seiffener Volkskunst die Branche besonders gut kennt, ist zwar enttäuscht von der geringen Beteiligung, "aber erstaunlich ist dafür die Vielfalt, die wir hier dennoch vor uns haben. Was nützt uns Masse, wenn die Klasse fehlt?" Man sehe aber auch in diesem Jahr wieder, dass es sich für Hersteller lohnt, gute Designer ins Boot zu holen: "Dazu kann ich jede Firma nur ermutigen."

Wir können Sie, liebe Leser, an dieser Stelle nur ermuntern, in die letzte Runde des Wettstreits mit einzusteigen. Sie haben nicht nur als Leser, sondern quasi auch als potenzielle Kunden das letzte Wort. Der Link am Ende der Seite führt Sie zur Abstimmung. Mitmachen lohnt sich auch in diesem Jahr. Denn unter allen Lesern, die sich an der Abstimmung beteiligen, werden ein Hauptpreis und vier weitere Preise aus dem Bereich der erzgebirgischen Volkskunst verlost. Bei dem Hauptpreis handelt es sich um die Hängepyramide "Lignulum Candala" aus der Volkskunstwerkstatt Torsten Unger in Seiffen. Er reichte diese scheinbar schwebende Konstruktion 2016 für den Designwettbewerb ein und gewann damit den von der Erzgebirgssparkasse ausgelobten Sonderpreis. Bei den vier weiteren Preisen handelt es sich um lustige Picus-Räuchermänner - das Maskottchen des Kunsthandwerkerverbandes.

Alle nominierten und letztlich auch prämierten Arbeiten werden nach der Preisverleihung Mitte Oktober auf Schloss Schwarzenberg im dortigen Museum "perla castrum" in einer Sonderausstellung zu sehen sein. Sie werden anlässlich des Wettbewerbs-Jubiläumsjahres um eine repräsentative Auswahl von preisgekrönten Arbeiten der vergangenen 25 Jahre ergänzt. Zu sehen sind diese übrigens auch auf der Internetseite des Spielzeugmuseums Seiffen unter der Rubrik Archiv.

Abgestimmt werden kann auch online. In das vorgesehene Feld ist lediglich die Nummer Ihres Favoriten einzutragen. Den Publikumspreis erhält die Arbeit, die die meisten Stimmen auf sich vereint. Abstimmungsschluss ist der 16. Juli.


1 Figurenserie "Hühnerei & Hahn"

Einreicher: Miniaturendrechslerei Uwe Uhlig, Pockau-Lengefeld, 5 bis 16 Zentimeter hoch

Andreas Fleischer, Gestalter: "Die Figurenserie bildet menschliche Eigenschaften und Vorlieben als Karikatur in Form von Hühnerfiguren ab. Sie ist durch verschiedene Themen wie Küche, Garten und Lifestyle für die ganzjährige
Dekoration geeignet."


2 Erzgebirgische Spielerei zum Jubiläum "100 Jahre Bauhaus" Engel & Bergmann, Lichterbogen, Reiter

Einreicher: Erzgebirgische Volkskunst Wolfgang Braun,Deutschneudorf, 21 bis zu 28 Zentimeter hoch

Wolfgang Braun, Gestalter und Firmenchef: "Erzgebirgische Figuren mit anderen Augen gesehen: Lichterbogen, Reiterlein sowie Engel und Bergmann wurden im Sinne des Bauhauses ganz stark auf ihre Grundformen reduziert."


3 Lichterengel "modern-line"

Einreicher: ULMIK - Erzgebirgische Volkskunst aus Seiffen,ca. 25 Zentimeter hoch

Mike Glöckner und Ronny Zeidler, Gestalter: "Eine Kombination aus Dreh- und Flachteilen unterstreicht die neue moderne Form dieses Lichterengels, der das Sortiment modern-line der Firma erweitert."


4 RauchKnacker® - das erste hybride Produkt erzgebirgischer Holzkunst

Einreicher: Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH, Seiffen, 27 Zentimeter hoch

Ringo Müller und Hendrik Neubert, Gestalter: "Das gab es noch nie: Räuchermann und Nussknacker in einer Figur. Sie funktionieren unabhängig voneinander, man kann aber auch gleichzeitig räuchern und Nüsse knacken."


5 Lichterbogen "HALO"

Einreicher: Drechslerei Volkmar Wagner Riechberg, 70 mal 38 Zentimeter

Peter und Tony Wagner Gestalter: "Durch Lichtsäulen erhält der Lichterbogen ein völlig neues Erscheinungsbild. Modernes Design wird hier mit der Optik eines traditionellen Lichterbogens vereint."


6 Schwibbogen "Weihnachten auf der Festung Königstein"

Einreicher: Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz GmbH, 50 mal 41 Zentimeter

Gundolf Berger Geschäftsführer: "Der aus Massivholz gefertigte Schwibbogen hat gedrechselte Kerzen. Zweite Besonderheit: Indirekte Beleuchtung betont das auf Glas gedruckte Motiv."

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