Wie beliebt Sachsens Politiker ein Jahr vor der Wahl sind

Die Popularität der Spitzenkandidaten wird für den Ausgang der Landtagswahl 2019 mitentscheidend sein - was vor allem die Opposition leicht beunruhigen könnte.

Dresden.

Wenn 44 Prozent der Unionsanhänger mit der Arbeit des Linken-Spitzenmanns zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind, kann es sich nur um einen Fake handeln - oder nicht um Sachsen. Tatsächlich hat Infratest Dimap im Auftrag des MDR diesen überraschenden Wert zwar ermittelt, aber eben nicht für den Oppositionsführer im Dresdner Landtag, Rico Gebhardt.

Das Kunststück, von fast jedem zweiten CDU-Sympathisanten gute Arbeit bescheinigt zu bekommen, gelang Gebhardts Parteifreund Bodo Ramelow. Unter allen Thüringern sind laut der Umfrage nach knapp vier Jahren an der Spitze von Rot-Rot-Grün mittlerweile sogar 55 Prozent mit der Arbeit des einzigen Ministerpräsidenten der Linken zufrieden - das sind vier Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.

Auch Erzgebirger Gebhardt, der inzwischen seit sechs Jahren an der Spitze der sächsischen Linksfraktion steht, hat leicht zugelegt - allerdings in ganz anderen Sphären: Konnten bei der MDR-Umfrage 2017 noch 73 Prozent nichts mit seinem Namen anfangen, sind das jetzt nur noch 68 Prozent. Ein Jahr vor der Landtagswahl 2019, für die das Landtagspräsidium den 1. September als Termin inzwischen auch offiziell bestätigt hat, kennen nun wenigstens 31 Prozent der Sachsen ihren Oppositionsführer - von denen allerdings fast die Hälfte mit seiner Arbeit nicht zufrieden ist.

Auch die beiden anderen Oppositionsfraktionschefs haben mit ihrer geringen Bekanntheit zu kämpfen: Jörg Urban (AfD), den laut Infratest Dimap 69 Prozent der Befragten nicht kennen, wurde freilich erst vor knapp sieben Monaten in dieses Amt gewählt, der für 80 Prozent unbekannte Wolfram Günther (Grüne) sogar erst vor einem Vierteljahr.

Ganz anders sehen die ermittelten Werte für die Regierungsspitze aus. Zu dem erst im Dezember 2017 als Doppel-Nachfolger von Stanislaw Tillich zum CDU-Chef und Ministerpräsidenten gewählten Michael Kretschmer haben bereits 84 Prozent der Befragten eine Meinung, nur 16 Prozent ist sein Name immer noch nicht geläufig. Damit behauptet er sich knapp vor der einstigen AfD-Chefin Frauke Petry, die inzwischen die Blaue Partei anführt und sowohl dem Landtag als auch dem Bundestag als einfache Abgeordnete angehört. 20 Prozent gaben laut Infratest an, sie nicht zu kennen. 27 Prozent waren das bei Vize-Regierungschef Martin Dulig.

Anders verhält sich die Reihenfolge dieses Spitzentrios, was die Beliebtheit angeht: 64 Prozent der Befragten waren laut Infratest Dimap mit Petrys Arbeit weniger oder gar nicht zufrieden - das ist im Vergleich zu den 63 Prozent, die sie noch als AfD-Chefin vor einem Jahr einheimste, kein wirklicher Unterschied. Aber damals waren noch 19 Prozent mit ihrer Arbeit zufrieden, nun sind es nur noch 14 Prozent - möglicherweise ein Indiz, dass ihr AfD-Austritt nicht goutiert wird.

Auf Anhieb zum beliebtesten Spitzenpolitiker Sachsens avancierte Infratest Dimap zufolge Regierungschef Kretschmer: 59 Prozent gaben an, mit seiner Arbeit zufrieden oder sogar sehr zufrieden zu sein. Das sind nur achteinhalb Monate nach seiner Wahl immerhin schon vier Prozentpunkte mehr als sein Thüringer Kollege Ramelow nach knapp vier Jahren im Spitzenamt erreicht hat.

Ein Vergleichswert von Kretschmer aus dem Vorjahr existiert nicht, weil sich die Meinungsforscher damals nur für seinen Vorgänger Tillich interessiert hatten. Über dessen Arbeit hatten sich im Juni 2017 noch 66 Prozent zufrieden gezeigt.

Vize-Regierungschef Dulig war von 46 Prozent der Befragten gute Arbeit bescheinigt worden, nun sind es mit 47 Prozent geringfügig mehr. Auch hier bietet sich ein Vergleich zum Nachbarland an, wo der einstige Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee wie Dulig Wirtschaftsminister und SPD-Chef ist sowie als Spitzenkandidat 2019 gilt: Er stimmt mit seiner Arbeit sogar 58 Prozent der Befragten zufrieden - deutlich mehr als Dulig.

Dem Moritzburger dürfte es auch zu denken geben, dass seine Popularitätswerte der SPD weiterhin nicht zugutekommen. Die Partei steht derzeit bei elf Prozent. 2019 wäre das deutlich zu wenig für eine Neuauflage von Schwarz-Rot bis 2024, was auch daran liegt, dass die Union schwächelt: Für sie hat Infratest Dimap mit 30 Prozent den bisher niedrigsten Wert bei einer Landtagswahlumfrage in Sachsen überhaupt ausgewiesen. Dass darüber auch das Ergebnis zu der - in der Verfassung nicht vorgesehenen - Direktwahl des Ministerpräsidenten nicht hinwegtäuschen kann, zeigt ein Blick zurück: Gemäß "Sachsentrend" vom April 2014 hätten 59 Prozent der Befragten Tillich direkt gewählt. Zur Wahl vier Monate später verfehlte die CDU dennoch erstmals im Freistaat sogar die 40-Prozent-Marke.

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