Wie populär sind Sachsens Politiker?

Der MDR hat neben der Sonntagsfrage kurz vor der Sachsen-Wahl auch andere Antworten ermittelt - von denen einige überraschen.

Dresden.

Oppositionspolitiker haben seit jeher mit einem bescheidenen Bekanntheitsgrad zu kämpfen. Dies belegt auch die Umfrage von Infratest Dimap für den MDR vergangene Woche unter 1000 Sachsen. Im Unterschied zu den Spitzenkandidaten der Koalition, Michael Kretschmer (CDU) und Martin Dulig (SPD), sieht sich die Mehrheit der Sachsen bei den Top-Oppositionspolitikern nicht in der Lage, deren politische Arbeit zu beurteilen.

Linke-Spitzenkandidat Rico Gebhardt ist zwar seit sieben Jahren Oppositionsführer im Landtag. Dennoch geben immer noch 69 Prozent an, ihn nicht zu kennen oder beurteilen zu können. 15 Prozent sind mit Gebhardts Arbeit zufrieden, genauso viele jedoch "weniger" oder "gar nicht zufrieden".

Ähnlich ist es bei Jörg Urban, der seit Anfang 2018 die AfD-Fraktion anführt. 35 Prozent trauen sich bei ihm eine Einschätzung zu: 16 Prozent äußern sich zufrieden, 19 Prozent unzufrieden. Grünen-Nr. 1 Katja Meier erhält nur von 17 Prozent der Befragten eine Beurteilung: Acht Prozent sind zufrieden, neun Prozent unzufrieden. Meier rückte im Herbst 2015 in den Landtag nach.

FDP-Chef Holger Zastrow war dort zehn Jahre FDP-Fraktionschef, bevor seine Partei nach fünf Regierungsjahren 2014 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Dennoch äußerten sich nun 21 Prozent über seine politische Arbeit zufrieden und 27 Prozent unzufrieden. 51 Prozent gaben an, ihn nicht zu kennen oder bewerten zu können. Obwohl zumindest auf Landesebene seit 2014 in die außerparlamentarische Opposition verbannt, ist der Dresdner Stadtrat damit immer noch bekannter als die drei anderen Spitzenkandidaten der Oppositionsparteien, denen am 1. September der Wiedereinzug in den Landtag zugetraut wird.

Weil die Blaue Partei momentan nicht dazu gehört, wurde dieses Mal nicht nach Frauke Petry gefragt. Im August 2018 war die Ex-AfD-Chefin mit gerade mal 20 Prozent, die sie nicht zu kennen vorgaben, noch deutlich bekannter als Vize-Ministerpräsident Dulig mit 27 Prozent.

Nun gaben 29 Prozent an, Dulig nicht zu kennen oder einschätzen zu können. Mit 47 Prozent bescheinigen ihm genauso viele gute Arbeit wie 2018, 22 Prozent äußerten sich "weniger" oder "gar nicht zufrieden".

An Popularität hinzugewonnen hat derweil CDU-Chef und Ministerpräsident Michael Kretschmer, der 2018 auf Anhieb mit 59 Prozent zum beliebtesten Spitzenpolitiker Sachsens avanciert war. Dieses Mal waren es sogar sieben Prozentpunkte mehr. 24 Prozent äußerten sich unzufrieden, womit sich nunmehr 90 Prozent ein Urteil zutrauen. Die CDU frohlockte auf Twitter, mit 66 Prozent sei er nun der "beliebteste Unionsministerpräsident Deutschlands". Nur der grüne Winfried Kretschmann liegt mit im März gemessenen 72 Prozent höher. Jedoch ist der Infratest-Vergleichswert etwa von Kretschmers Parteifreund Daniel Günther (65 Prozent) aus Schleswig-Holstein schon 15 Monate alt.

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2Kommentare
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  • 6
    3
    BlackSheep
    04.07.2019

    @cn3boj00, ich bin nicht so oft einer MEinung mit IHnen, aber hier schon, deshalb ein Grüner, man sollte ja auch mal die grünen Daumen begründen und nicht nur die Roten.

  • 13
    7
    cn3boj00
    04.07.2019

    Wie soll man die Arbeit auch beurteilen? In den Medien wird kaum von diesen Leuten berichtet. Oder machen die tatsächlich vor allem nichts?
    Die Beleibtheit von Kretschmar und Dulig - von denen man wenigstens hört, vor allem von ersterem - ist mir unverständlich. Ich halte beide für völlig ungeeignet, ihre Parteien für die Probleme des Ostens im Allgemeinen und Sachsen im Speziellen zu sensibilisieren. Beispiel Batterieforschung: welche Länder haben am lautesten gegen die Entscheidung Münster protestiert? Bayern, BaWü und Niedersachsen, sogar in einer Note an Merkel. Was hat Kretsche getan? Nichts... Bis zum Kohleausstieg sind ja noch fast 20 Jahre Zeit, wieso müssen wir uns da jetzt schon bemühen, dass hier endlich etwas passiert? Wir wundern uns nur dass die AfD hier so stark ist, in einem Land, das vom Bund regelmäßig vergessen wird, weil sich keiner stark macht.



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