Wie Sachsens Rehakliniken mit der Pandemie zurechtkommen

Die Belegungszahlen der Kureinrichtungen sind eingebrochen. Trotzdem halten die Häuser den Betrieb aufrecht.

Bad Elster/Pulsnitz.

Weniger Patienten, doch mehr Belastung fürs Personal: In den sächsischen Rehakliniken hat die Coronakrise zu einem deutlichen Rückgang der Behandlungen geführt. Nachdem in den ersten zweieinhalb Monaten dieses Jahres ein Plus von 2,8 Prozent registriert wurde, sei danach ein deutlicher Einschnitt durch die Pandemie sichtbar, teilte das Sozialministerium auf Anfrage mit. Die Belegung sei um 27,6 Prozent eingebrochen. Für die Datenerhebung stehen dem Ministerium nach eigenen Angaben aber nur Leistungen der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland zur Verfügung.

Doch den Trend bestätigen auch die Kliniken selbst. Von keiner katastrophalen, aber sehr angespannten Stimmung an vielen Rehakliniken spricht Ingo Dörr vom Verband der Privatkliniken in Sachsen und Sachsen-Anhalt, dem rund 20 sächsische Rehakliniken angehören. Während die erste Coronawelle im Frühjahr für die Einrichtungen noch gut handhabbar gewesen sei, sehe es nun durch die hohen Infektionszahlen anders aus.

Dörr schätzt den aktuellen Rückgang der Belegung auf rund 20 Prozent. "Sachsen hat sich leider zu einem Hotspot entwickelt. Die Rehakliniken berichten, dass die wirtschaftliche Situation zunehmend schwieriger wird. Sie haben einen hohen Personalaufwand und steigende Kosten für Material, das auch zunimmt." So seien die Kosten für Einweghandschuhe seit dem Frühjahr um das Dreifache gestiegen.

Wegen der Regeln zum Schutz vor Corona-Infektionen müssen die rund 30 Rehakliniken Sachsens kleinere Behandlungsgruppen, regelmäßige Tests und einen neuen Ablauf im Alltag organisieren. "Dieser Mehraufwand wird nicht im Ansatz bezahlt", beklagte Dörr. Der Corona-Aufschlag von acht Euro pro Tag und Patient reiche nicht aus. Trotz allem appellierte er an Patienten, sich behandeln zu lassen. "Die Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ging in diesem Jahr signifikant nach oben. Trotz Corona sind die Patienten in den Kliniken sicherer als zu Hause."

"Die Situation ist in jeder Region, jedem Landkreis, sogar in jeder Klinik unterschiedlich", stellte der Vorstandsvorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Reha Sachsen, Carsten Tietze, zur aktuellen Lage fest. "Allgemein kann ich sagen, dass es grundsätzlich einen Personalmangel im Gesundheitswesen, vor allem bei Ärzten und Pflegekräften, gibt." Der werde nun durch einen erhöhten Krankenstand sowie die Quarantäne vieler Mitarbeiter verschärft. Parallel dazu steige der Aufwand für die Betreuung der Patienten durch die Umsetzung der Corona-Hygienemaßnahmen.

Die beiden Reha-Einrichtungen in Pulsnitz (Landkreis Bautzen), denen er als Geschäftsführer vorsteht, seien von der Pandemie unterschiedlich betroffen. In der neurologischen Rehaklinik habe es bei Patienten und Mitarbeitern einige Corona-Infektionen gegeben, in der Einrichtung für psychosomatische Krankheiten bisher keine einzige. Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen würden zurzeit eher eine Rehabilitation absagen, sagte Tietze. "Vor allem, wenn sie hören, dass es sich um eine Einrichtung handelt, die in einem der Corona-Hotspots Deutschlands liegt." Seit der zweiten Pandemiewelle gebe es in Pulsnitz einen Nachfragerückgang von bis zu 15 Prozent.

Die Mediclin-Klinik am Brunnenberg in Bad Elster gibt ihre Auslastung derzeit mit rund 65 Prozent an. "Inzwischen haben sich unsere Belegzahlen auf diesem Niveau stabilisiert. Doch bei den Patienten herrscht vor dem Antritt ihrer Reha oft Unsicherheit", sagte die kaufmännische Direktorin der Klinik im Vogtland, Heidi Hins. Wöchentliche Tests von Personal und Patienten sowie ein Screening zu Beginn der Kur böten eine relative Sicherheit. Dieses Jahr sei die Klinik mit 233 Betten und 160 Mitarbeitern durch Corona in einigen Wochen nur zu 40 Prozent ausgelastet gewesen. "Hauptsächlich gingen die Anmeldungen zurück, weil Operationen aufgeschoben wurden und damit die Nachbehandlung bei uns entfiel", berichtete Hins. "Und verunsicherte Patienten wollten ihre Reha nicht antreten, obwohl der Kostenträger diese schon genehmigt hatte."

Sollten die Infektionszahlen in Sachsen so hoch bleiben, ist laut Dörr absehbar, dass Rehakliniken in die Akutversorgung von Covid-Patienten eingebunden werden. "Das wird passieren, wenn die Plätze in den Krankenhäusern nicht mehr ausreichen." In vielen Rehakliniken stünden auch invasive Beatmungsgeräte bereit. Dörr: "Das Problem wird weniger die technische Ausrüstung sein, sondern das fehlende Personal." Auch das Sozialministerium hatte jüngst erklärt, dass Rehakliniken helfen sollen, die medizinische Versorgung zu sichern. Die Rede war von einigen hundert Plätzen. (dpa)

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