Wieder mehr tote Fußgänger in Sachsen

Fast jedes vierte Unfallopfer wurde nach einer bundesweiten Studie beim Rückwärtsfahren erfasst. Eine Altersgruppe ist besonders gefährdet.

Zu Fuß gehen ist in Deutschland gefährlich. Laut Statistischem Bundesamt war im vergangenen Jahr etwa jeder siebente Unfalltote ein Fußgänger. Ältere Menschen seien überdurchschnittlich stark betroffen, warnt die Allianz-Versicherung. Deren Unfallforscher haben am Donnerstag eine Studie zum Thema Fußgängersicherheit vorgestellt. "Mehr als die Hälfte der 2018 getöteten Passanten war älter als 64 Jahre", berichtet Spartenvorstand Jochen Haug. Das ist ein Plus von fünf Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Über alle Altersgruppen hinweg sind die bundesweiten Opferzahlen dagegen leicht rückläufig - in Sachsen geht der Trend in die andere Richtung. So ist die Zahl der tödlich verunglückten Fußgänger zwischen Zwickau und Zittau von 15 im Jahr 2017 auf 34 im Jahr 2018 gestiegen. Mehr Todesopfer waren in den vergangenen zehn Jahren nur zweimal zu beklagen: 2013 (46) und 2015 (41). Für den starken Anstieg habe man keine Erklärung, heißt es im Statistischen Landesamt in Kamenz.

Die Allianz-Studie zeigt, dass Fußgänger vor allem von Oktober bis Februar, innerorts und in der Dämmerung oder bei Dunkelheit gefährdet sind. Auch Ablenkung durch elektronische Geräte erhöht das Unfallrisiko - vor allem das Hören von Musik und das Tippen von Kurznachrichten auf dem Handy. Während des Laufens zu telefonieren, ist weniger folgenreich.

Eine Analyse der bundesweit registrierten Unfälle mit Fußgängerbeteiligung zeigt, dass die Betroffenen in fast jedem zweiten Fall frontal von einem Fahrzeug erfasst worden sind. Überraschender ist jedoch ein anderer Fakt: 23 Prozent der Zusammenstöße ereigneten sich beim Rückwärtsfahren. Die Unfallforscher haben solche Situationen mit Dummys im konzerneigenen Technikzentrum simuliert - mit alarmierendem Ergebnis: Schon Stürze nach einem Anprall mit drei Stundenkilometern können Kopfverletzungen verursachen.

Die Experten schlagen daher vor, Notbremsassistenten in Autos so weiterzuentwickeln, dass sie auch beim langsamen Rückwärtsfahren rechtzeitig und automatisch eingreifen. Bisher funktionieren solche Systeme nur beim Vorwärtsfahren.

Gefahr droht Fußgängern aber nicht nur auf Parkplätzen oder beim Überqueren von Straßen, sondern künftig auch verstärkt auf Bürgersteigen. Das liegt an den Plänen der Bundesregierung, elektrisch angetriebene Tretroller im Straßenverkehr zu legalisieren. Einige dieser E-Scooter sollen schon von Zwölfjährigen auf Gehwegen bewegt werden dürfen. Interessengruppen wie der Fußgängerverband Fuss e.V. mobilisieren seit Monaten gegen das Vorhaben. "Da fahren junge, risikobereite Leute Slalom um die Fußgänger - und ab und zu reißen sie jemanden um", fürchtet Vereinsvorstand Roland Stimpel. Er appelliere daher an den sächsischen Verkehrsminister Martin Dulig (SPD), sich im Bundesrat für ein Verbot von E-Scootern auf Gehwegen einzusetzen.

Auf Nachfrage der "Freien Presse" sagt Dulig, generell begrüße er die geplante Verordnung. Der Freistaat sehe jedoch bei manchen Einzelheiten noch Änderungsbedarf. Auch die fachliche Abstimmung innerhalb der Staatsregierung laufe noch. Eine Aussage dazu, wie Sachsen am 17. Mai in der Länderkammer abstimmen werde, sei "zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich", so Dulig.

Die Autoren der Studie mahnen indes, die Belange der Fußgänger stärker zu berücksichtigen, wenn es künftig weniger oder überhaupt keine tödlichen Unfälle geben soll. Elektrische Tretroller auf die Gehwege zu verbannen, weil zeitgleich auch der Autoverkehr zunimmt, bedeute "ein Verlagern des Problems zulasten der schwächsten Verkehrsteilnehmer", resümieren sie.

Die Studie ist im Internet zu finden:

www.freiepresse.de/fussgaenger

Hier dürfen Fußgänger laufen 

Um Unfällen vorzubeugen, dürfen Fußgänger außerhalb geschlossener Ortschaften nur auf dem linken Straßenrand laufen. So werden sie von herannahenden Autofahrern im Dunklen besser erkannt, so der ADAC. Und sie selbst registrieren Fahrzeuge leichter. Wer nicht links geht, muss mit fünf Euro Bußgeld rechnen. Das gilt generell für Fußgänger, die auf der Straße laufen, obwohl es einen Fußweg oder Seitenstreifen gibt.

Grundsätzlich müssen Fußgänger auf Gehwegen laufen. Fehlen diese aber, müssen sie laut ADAC die Straße, genauer den Fahrbahnrand, nutzen. Innerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Fußgänger am rechten oder linken Rand gehen.

Wollen Fußgänger die Straße queren, müssen sie das zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrbahn tun und dabei den vorrangigen Verkehr beachten. Das tun sie allerdings möglichst an Fußgängerampeln oder -überwegen.

Ihrerseits haben sie Vorrang an Zebrastreifen und vor einem abbiegenden Auto, wenn sie eine Straße überqueren. Autofahrer müssen dann laut Straßenverkehrsordnung besondere Rücksicht nehmen und notfalls anhalten, erläutert der ADAC. dpa

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