Winter in Sachsen: Hunderte Unfälle, Bikertreffen abgesagt

Die Unwetterwarnung vor starkem Schneefall ist zwar aufgehoben. Dennoch macht die Wetterlage der Region zu schaffen. Ein Überblick.

Chemnitz/Zwickau. Das Wetter fordert seinen Tribut: Das Wintertreffen der Motorradfahrer im Schloss Augustusburg ist abgesagt worden. Das hat Patrizia Meyn, Geschäftsführerin der Schlossbetriebe, am Donnerstagmittag bestätigt. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leichtgemacht. Aber die Sicherheit unserer Besucher geht vor", erklärte sie. Gefahr bestünde besonders wegen Dachlawinen.

Die Absage war nur eine der Auswirkungen der heftigen Schneefälle seit Mittwoch in der Region. Zwar hatte der Deutsche Wetterdienst am Donnerstagmittag seine zunächst bis 20 Uhr geltende Unwetterwarnung aufgehoben, dennoch hatte der viele Schnee Folgen für Verkehr und Schulbetrieb in der Region. Die Polizeidirektion Chemnitz registrierte zwischen Mittwoch und Donnerstagvormittag mehr als 275 Verkehrsunfälle. Bei 13 Unfällen wurden 22 Menschen verletzt. Auf den Autobahnen war neben Polizei und Autobahnmeistereien das Technische Hilfswerk im Einsatz. Es galt, liegengebliebene Sattelzüge anzuschleppen und aus Straßengräben zu bergen. Das war vor allem an den Anschlussstellen Chemnitz-Ost, Chemnitz-Glösa, Chemnitz-Mitte, Hohenstein-Ernstthal sowie Chemnitz-Süd notwendig. Die Polizeidirektion Zwickau zählte bis 12.30 Uhr 46 Unfälle. Vier Menschen wurden verletzt. Einer der schwereren Unfälle ereignete sich in St. Micheln. Dort geriet ein 60-Jähriger mit einem Bus auf schneebedeckter Fahrbahn auf die Gegenfahrbahn und kollidierte dort mit dem Lkw eines 41-Jährigen. Der Busfahrer und ein 47-jähriger Insasse wurden schwer und der Fahrer des Lkw leicht verletzt. Der Sachschaden beträgt rund 40.000 Euro. Zur Bergung musste die Fahrbahn bis etwa 14 Uhr gesperrt werden.

Zahlreiche Straßen blieben gesperrt. Grund dafür waren meist umgestürzte Bäume. Teilweise kam laut Polizei auch der Winterdienst nicht mehr durch. Im Erzgebirge ließ der Schneefall vielerorts in den vergangenen Stunden zwar nach, dennoch sorgte das Wetter weiter für Behinderungen. Wie die Stadt Jöhstadt auf ihrer Facebookseite informierte, sollte am Donnerstag ab 16 Uhr der Stadtberg Jöhstadt bei der Kirchstraße vom abgelagerten Schnee beräumt werden. Dabei werde es gerade im oberen Abschnitt zu Behinderung kommen, heißt es in der Mitteilung. Zudem müssen einige Straßen gesperrt werden. Des Weiteren kündigten mittlerweile mehrere Schulen an, auch am Freitag keinen regulären Unterricht stattfinden zu lassen. Das gilt unter anderem für die Oberschule Ehrenfriedersdorf, das Landkreis-Gymnasium in Annaberg, die Ober- und Grundschule in Crottendorf, die Grundschule in Grumbach und die Oberschule in Jöhstadt, die Ober- und Grundschule in Sehmatal. Die Gemeinde Sehmatal kündigte zudem an, aufgrund der ergiebigen Schneefälle einige kommunale Nebenstraße zeitweise als Einbahnstraßen zu beschildern.  

Im Landkreis Mittelsachsen waren unter anderem die B 107 zwischen Markersdorf und dem Abzweig Köthensdorf,  die S 209 zwischen Lichtenberg und Weißenborn, die S 240 zwischen Taura und dem Abzweig Mohsdorf, die S 237 zwischen Eppendorf und Hammerleubsdorf und die S 197 zwischen Halsbrücke und Rothenfurth betroffen. Auch die B 180. Laut Evelyn Zaruba von Mitnetz Strom war in Kunnersdorf ein Baum in eine Niederspannungsfreileitung gefallen. "Es sind in dem Bereich rund 50 Kunden seit 6.15 Uhr ohne Strom. Die Netzkollegen sind vor Ort und wollen die Störung bis Nachmittag beheben." Der Winterdienst im Landkreis brachte schon am Mittwoch mit 58 Fahrzeugen 806 Tonnen Streusalz auf die Straßen.

Der Busverkehr im Göltzschtal war stark eingeschränkt. "Auf Grund des andauernden Schneefalls kann zur Zeit keine sichere Aussage über Ausfälle und Fahrzeiten getroffen werden. Wo es die Straßenverhältnisse zulassen, versuchen wir den Linienverkehr aufrecht zu halten", informierte das Unternehmen Göltzschtal-Verkehr.

In Reichenbach und den Ortsteilen hatte die Stadtverwaltung alle Parks und Friedhöfe gesperrt - wegen Schneebruchgefahr bei Bäumen. "Es besteht die Gefahr, dass Bäume den Schneemassen nicht stand halten, dass Äste brechen oder die Bäume umfallen. Wer sich dennoch in den Anlagen aufhält, begibt sich in Lebensgefahr", teilte die Stadtverwaltung mit.

In Bad Elster ging der Bürgerbus nicht auf Tour. "Aus Sicherheitsgründen haben sich die Fahrer zu diesem Schritt entschlossen und bitten alle Bürger um Verständnis für diese Entscheidung", teilte die Verwaltung mit.

In Plauen kam es auf allen Linien im Netz der Straßenbahn aufgrund des Neuschnees der vergangenen Nacht zu Verspätungen. Der Verkehrsbetrieb informiert Fahrgäste über die Anzeigetafeln. Der Winterdienst fuhr seit der Nacht auf Mittwoch im Dauereinsatz. "20 Fahrzeuge und alle Mitarbeiter sind im Einsatz", informierte Teamleiter Uwe Hänel vom Plauener Bauhof. "Die Kollegen fahren in zwei Schichten, waren am Mittwoch bis 22 Uhr und Donnerstag ab etwa 2 Uhr wieder im Einsatz. Wir bitten um Verständnis, dass wir die Straßen nach Prioritäten räumen, zuerst sind die Hauptstraßen dran, um den Durchgangsverkehr zu ermöglichen." Eine Bitte hat er außerdem an die Bürger: Um sich nicht gegenseitig zu behindern, sollte der vom Gehweg geräumte Schnee nicht auf die Straßen geschoben werden. Ein 1,50 Meter breiter Laufweg reicht, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung.

Bei zwei Schulen aus dem Göltzschtal steht bereits fest, dass am Freitag der Unterrichts ausfällt: der Schiller-Grundschule Rodewisch sowie dem Pestalozzi-Gymnasium Rodewisch. Als Gründe wurden in den Pressemitteilungen die vorhergesagten starken Schneefälle und der dadurch eingeschränkte Schulbusverkehr genannt. In beiden Schulen wird eine Notbetreuung gewährleistet. Die Eltern der Schüler des Pestalozzi-Gymnasiums werden gebeten, bis Freitag, 7.30 Uhr, in der Schule unter Telefon 03744 189880 oder E-Mail schulleiter@pestarodewisch.de mitzuteilen, ob ihre Kinder das Betreuungsangebot in Anspruch nehmen.

Vor dem Betreten der Wälder im Vogtland von Skiläufern und Spaziergängern warnte am Donnerstagmorgen auf Anfrage von "Freie Presse" eine Sprecherin von Sachsenforst. "Es ist kreuzgefährlich", sagte Ines Bimberg vom Forstbezirk Plauen, der sich auch bis in höhere Lagen im oberen Vogtland erstreckt. Die Tonnenlasten aufgrund des Schnees könnten Bäume umknicken lassen. Der Sachsenforst habe aufgrund der Schneelage im Moment aber selbst Probleme, die Wälder auf Gefahrenlagen zu kontrollieren.

Die für das Wochenende geplanten beiden Alpencup-Skispringen in der Vogtland-Arena wurden abgesagt. Am Donnerstagvormittag betrug die Höhe des Neuschnees in der Arena 70 Zentimeter. Da es weiter schneien sollte, sei es unmöglich, die Schanze für einen sicheren Wettkampf zu präparieren. Die gesamte Anlage müsse am Donnerstag geschlossen bleiben. Voraussichtich ab Freitag sei sie für Tagesbesucher wieder geöffnet.

Eine Entscheidung über eventuelle offizielle Sperrungen der Loipen im Kammgebiet des Vogtlands soll am Freitag getroffen werden. Die angekündigte Pause der Schneefälle will Sachsenforst mit den Loipenbetreibern für eine Erkundung und Kontrollen auf mögliche Gefahren oder bereits umgestürzte Bäume nutzen. Das kündigte Thomas Irmscher, stellvertretender Forstbezirksleiter im Forstbezirk Adorf auf Anfrage von "Freie Presse" an. Gleichzeitig warnte der Verantwortliche davor, Wälder und Wege zu betreten. "Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand", sagte er. Momentan meldet die Skiwelt Schöneck für die Kammloipe und die Ortsloipen, dass aufgrund des Schneebruchs die Benutzung der Loipen auf eigene Gefahr sei. Gesperrt sind sie aber nicht.

Wegen Dauerschneefalls und Glätte fällt heute an Auer Schulen der Unterricht aus. Betroffen sind nach Angaben der Stadtverwaltung das Clemens-Winkler-Gymnasium sowie die Grund- und Oberschule Aue-Zelle. Am Freitag soll zudem kein Unterricht an der Grundschule Albrecht Dürer und an der Pestalozzi-Schule stattfinden, heißt es. Das Wetter wirkt sich bereits seit Mittwoch auf den Schulbetrieb in der Region aus. Im Schwarzenberger Bertolt-Brecht-Gymnasium konnten am Mittwoch etliche Schüler nicht zum Unterricht erscheinen. Ähnlich die Situation in Zwönitz: Nach Angaben der Stadtverwaltung haben sowohl die Oberschule als auch das Gymnasium den Unterricht gestern eher beendet. Schulfrei hatten auch die Schüler an den Oberschulen in Schönheide und Eibenstock sowie an der Grundschule Stützengrün. Nach Angaben des Landratsamtes hat das Landesamts für Bildung und Schule allen Schulleitern im Erzgebirgskreis empfohlen, den Unterricht am Donnerstag ausfallen zu lassen. Die zentrale Verbindungsstraße zwischen Aue und Bernsbach ist nach Angaben der Polizei derzeit nicht passierbar. Wegen Schneebruchs, mehrerer liegen gebliebener Lastwagen und Glätte wurde die Straße Oberpfannenstiel am Donnerstag voll gesperrt. Wie lange die Verkehrseinschränkung gilt, ist derzeit noch unklar.

Die Stadt Zwönitz erklärte ab Freitag mehrere Straßen vorübergehend zu Einbahnstraßen. Das betrifft unter anderem den Ring der Goethestraße, den Abzweig der Bahnhofsstraße in Richtung Lessingstraße sowie die Neue Straße. Wegen der Schneebruch-Gefahr sperrte das Rathaus zudem bis auf weiteres den Zugang zu allen Waldbereichen. Das gilt auch für den Austelpark. Das Rathaus warnte vor Dachlawinen, die auf Fußwegen abgehen können. In Schneeberg bleiben am Freitag alle Schulen im Stadtgebiet geschlossen. In den Grund- und Mittelschulen sowie im Gymnasium sei jedoch eine Betreuung der Schüler gewährleistet, heißt es.

In Chemnitz wurde am Donnerstag der Städtische Friedhof wegen der hohen Schneebruchgefahr aus Sicherheitsgründen bis 14. Januar geschlossen. Geplante Beisetzungen wurden abgesagt. Geschlossen wurden auch das Wildgatter und der Tierpark. Der Stadtpark musste komplett gesperrt werden. Wegen eines Baumes, der umzustürzen droht, war der Südring zwischen Sagorskistraße und Markersdorfer Straße nur einspurig befahrbar. Die Sporthallen in Kleinolbersdorf und Röhrsdorf wurden aus Sicherheitsgründen vorsorglich bis m 13. Januar gesperrt. Im Sportforum wurden die Spielhalle sowie die Große Kunstturnhalle vom Schnee beräumt und konnten weiter genutzt werden.

In Limbach-Oberfrohna bleibt unterdessen der Tierpark heute geschlossen. Die Gefahr von Schneebruch sei in der Anlage, die von Bäumen umgeben ist, zu groß. Wann der Tierpark wieder öffnet, soll am Nachmittag bekanntgegeben werden. Zudem ruft das Rathaus dazu auf, Wälder und Parks zu meiden.

In Zwickau waren nach Angaben der Stadtverwaltung die Feuerwehren von Mittwochmittag bis Donnerstag um 9 Uhr zu 28 Einsätzen ausgerückt. Der Winterdienst des kommunalen Bauhofs ist seit Mittwoch, 2 Uhr, im Dauereinsatz. Aufgrund der starken Schneefälle lag der Fokus darauf, den öffentlichen Verkehr aufrecht zu erhalten. Das für Samstag geplante Testspiel zwischen dem VfB Auerbach und dem FSV Zwickau fällt unterdessen aus. Die Plätze in Auerbach und Zwickau sind aufgrund der Schneemassen nicht bespielbar.

Der Bahnverkehr zwischen Chemnitz und Leipzig war am Donnerstag gestört. Zwischen Burgstädt und Narsdorf lag ein Baum im Gleis. Die Beseitigung soll mindestens mehrere Stunden dauern, vielleicht auch den ganzen Tag. Züge fuhren nur zwischen Leipzig und Geithain, zwischen Geithain und Chemnitz verkehrten Busse. Die MRB informiert auf ihrer Webseite. Im Vogtland wurde auf der Strecke Falkenstein-Zwickau und Weischlitz-Elsterberg der Verkehr eingestellt, es war kein Busnotverkehr möglich. Auf der Strecke Falkenstein-Kraslice gab es einen ausgedünnten Zugverkehr (etwa alle zwei Stunden). Zwischen Adorf-Bad Brambach wurde der Zugverkehr auch eingestellt, es sollte jedoch ein Großraumtaxi bis abends fahren. Die Erzgebirgsbahn stellte den Betrieb komplett ein. Die Linie C15 zwischen Chemnitz und Hainichen fuhr nur eingeschränkt. Zwischen Niederwiesa und Hainichen war die Strecke gesperrt. Die Bahnen endeten daher in Niederwiesa. Wer nach Frankenberg oder Hainichen wollte, wurde gebeten, ab Chemnitz die Buslinie 640 zu nehmen. Eine entsprechende Info lief an den Haltestellen durch. (nij/nd/juef/fp/jop/ka/lh/dpa)




Rückblick: Der Wintereinbruch in der Region

Chemnitz: Neuschnee macht Autofahrern und Nahverkehr zu schaffen

Annaberg: Schneechaos: Schulen, Straßen, Wald, Lifte, Eisbahn dicht

Aue: Schneechaos: Straßen und Schulen dicht

Marienberg: Benjamin bringt Erzgebirgern kein Glück

Stollberg: Der Winter ist zurück - des einen Freud ist allerdings des anderen Leid

Freiberg: Winter bringt Region ins Schwitzen

Mittweida: Wintereinbruch bringt die Region ins Schwitzen

Rochlitz: Wintereinbruch: Schneefall hält Region auf Trab

Auerbach: Viel Schnee, aber kein Chaos

Oberes Vogtland: Wie das obere Vogtland den Wintereinbruch meistert

Plauen: Wintereinbruch macht's Autofahrern schwer

Reichenbach: Der Winter zeigt die Zähne

Glauchau: Winter-Einbruch sorgt für Probleme

Hohenstein-Ernstthal: Schneefall bringt Helfer auf Trab

Werdau: Schneefall sorgt in der Region für Freude und Frust

Zwickau: Westsachsen kämpft gegen den Schnee

 

 

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