Wo es künftig W-Lan im Zug gibt

Warum es bei der S-Bahn Dresden noch bis 2027 dauert und der Verkehrsverbund Mittelsachsen bei neuen Verkehrsverträgen keine W-Lan-Technik vorschreiben will.

Chemnitz.

So weit, wie der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV) ist im Freistaat kein anderer der insgesamt fünf Verkehrsverbünde beim Thema Internetzugang. 80 Züge des Mitteldeutschen S-Bahn-Netzes wurden bisher mit W-Lan ausgerüstet. Das S-Bahn-Netz schließt auch Regionen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalts ein - es ist das größte S-Bahn-Netz bundesweit. 8,1 Millionen Euro fielen an Investitions- und Betriebskosten an. Der MDV ist zwar für das S-Bahn-Netz maßgeblich verantwortlich. Die Kosten teilen sich jedoch die Zweckverbände, durch deren Gebiete die Züge rollen. So hat auch der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) seinen Teil beigesteuert, damit die Reisenden in der S5 aus Richtung Leipzig nach Zwickau W-Lan nutzen können.

Doch auf den Strecken, für die der VMS selbst verantwortlich ist, sieht das Management derzeit keinen Anlass, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Der VMS ist etwa zuständig für die Strecken Dresden-Hof, Chemnitz-Riesa, Chemnitz-Leipzig sowie das Erzgebirgsbahn-Netz. Es gebe keine Überlegungen, W-Lan in den Zügen einzuführen, teilt der VMS mit. Es sei auch nicht vorgesehen, bei der Neuvergabe von Verkehrsverträgen eine Ausstattung mit der W-Lan-Technik vorzuschreiben. "Wir investieren die uns zugewiesenen Mittel in Zug- und Plus-Bus-Leistungen, die Verbesserung der Bahninfrastruktur (Chemnitzer Modell) und die Verbesserung der Fahrzeugqualität", begründet der VMS seine Haltung. Ohnehin sei die Mobilfunkversorgung "weitgehend nicht ausreichend", um eine "stabile Internetverbindung zu erreichen". Das hätten Messfahrten ergeben (siehe Grafik).

Wie groß die Lücken sind, ist schwer nachzuvollziehen. Die Deutsche Telekom teilte mit, man habe auf allen Strecken in Sachsen eine "sehr gute Versorgung" für mobile Telefonie. Eine breitbandige Versorgung werde sukzessive nachgebessert, wo nötig. Vodafone-Sprecher Volker Petendorf, erklärte, man biete "entlang des gesamten Schienennetzes in Sachsen" eine Netzabdeckung von 99,1 Prozent für mobile Telefonie sowie 88,9 Prozent für mobile Datenverbindungen (LTE) an. Doch Bahnexperten verweisen darauf: Im Erzgebirge, insbesondere in den Tälern von Zschopau und Flöha gibt es Ecken, an denen der Empfang nicht einmal zum Telefonieren reicht.

Auch in anderen Teilen Sachsens gibt es hier und da noch Lücken. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat die Mobilfunkversorgung an seinen Strecken prüfen lassen - und ein Problem zwischen Pirna und Schöna festgestellt. Dort sei die Netzabdeckung gering bis nicht existent. Beim Zweckverband ZVON in der Lausitz ist die Abdeckung auf der Linie Zittau-Cottbus "recht schwach, sodass das W-Lan an Bord noch nicht immer und überall funktioniert", sagt ZVON-Sprecherin Sandra Trebesius. Man sei aber mit dem Betreiber der Züge dabei, Verbesserungen zu erreichen.

Im Vogtland hingegen ergaben Messfahrten: Die Netzabdeckung ist positiver als erwartet. Das Thema "Funklöcher" soll durch die Nutzung von zwei Mobilfunknetzen "deutlich reduziert werden", heißt es beim Verkehrsverbund Vogtland. Dieser hat beschlossen, auf den vier Linien der Vogtlandbahn W-Lan einzuführen. Derzeit rolle bereits ein Fahrzeug zur Erprobung. Bis Anfang 2020 sollen alle Züge ausgerüstet werden. Rund eine halbe Million Euro investiert der Verbund in diesem Jahr, 188.000 Euro sind für den Betrieb im nächsten Jahr eingeplant.

Wie teuer Ausrüstung und Betrieb sind, lässt sich laut VVO nicht pauschal sagen. Die Ausstattung der acht Züge auf der RE-Linie Dresden-Leipzig kostete 423.000 Euro. Die Betriebskosten bis Ende 2025 hinzugerechnet, erhöht sich die Summe auf 830.000 Euro. Dass auch auf allen anderen Linien W-Lan eingeführt wird, steht beim VVO fest - es wurde 2018 beschlossen. Dass es bei der S-Bahn erst 2027 passiert, liegt am bis dahin laufenden Verkehrsvertrag. Da hier keine Triebzüge, sondern Doppelstockwagen verkehren, wären die Investitionskosten bei einer vorzeitigen Umrüstung sehr hoch. Jeder der 66 Wagen müsste ausgerüstet werden, heißt es.

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