«Freiräume»: Minister «entsetzt» über Inzidenzwert

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Dresden (dpa/sn) - Das Kultusministerium will coronabedingte Lerndefizite ausgleichen und unter anderem mehr Freiräume in den Lehrplänen schaffen. «Schulschließungen belasten die Schülerinnen und Schüler nicht nur psychisch, sondern haben auch zu Wissens- und Kompetenzdefiziten geführt», sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) am Montag. Gleichzeitig lehnte er den Kompromiss von Union und SPD im Bundestag ab, den Grenzwert für Schulschließungen von einer Inzidenz von 200 auf 165 abzusenken.

«Es entsetzt, dass das Recht der Kinder auf Bildung und Teilhabe keine Gültigkeit mehr haben soll», sagte Piwarz der «Welt». Wenn die 165er-Inzidenz der Maßstab werde, drohten Schulschließungen bis zum Sommer. «Ein so fatales Signal an Kinder und Eltern können die Abgeordneten nicht ernsthaft senden wollen», sagte Piwarz.

Um die Lücken zu schließen, soll es einen «Dreiklang an Maßnahmen» geben. Laut Ministerium sollen zunächst Lerndefizite ausgemacht und Schwerpunkte gesetzt werden. Freiräume in den Lehrplänen sollen es ermöglichen, Versäumtes nachzuholen. Der Plan wurde den Angaben zufolge mit Schulleitern, Lehrerverbänden, dem Landeselternrat und dem Landesschülerrat diskutiert.

Laut Ministerium geben die Lehrpläne verpflichtenden Stoff für rund zwei Drittel der Unterrichtszeit in einem Schuljahr vor. Um Lehrern und Schülern in der Corona-Krise mehr Flexibilität zu ermöglichen, sollen aus den Lehrplänen bis zum Sommer bestimmte Inhalte gestrichen oder anders gewichtet werden.

Nach Einschätzung der Bildungsgewerkschaft GEW greifen die Maßnahmen allerdings zu kurz. Um langfristige negative Auswirkungen der Krise zu vermeiden, forderte die GEW mehr Stellen für Lehrer, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter. Die Lehrkräfte benötigten mehr denn je Unterstützung, um die aktuellen Herausforderungen zu stemmen, hieß es.

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33 Kommentare
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  • 7
    0
    KTreppil
    20.04.2021

    Ich bin auch 'entsetzt', dass nun wieder perspektivlos, mit allen Konsequenzen,Homeschooling angesagt sein wird. Aber Herr Piewarz sollte sich zurück halten, in meinem Landkreis wären nach Richtwert dieser unsäglichen Notbremse Schulöffnungen bereits ab 25.1. möglich gewesen, erst Ende März stieg die Inzidenz wieder über 165. Warum zögerte man solange, verlor wertvolle Zeit mit unnötiger Ferienverlegung, ein Monat Schule wäre viel wert gewesen? Nun plötzlich 'entsetzt' zeigen wirkt auch nicht wirklich ehrlich. Genauso war es auch 2020, als die Schule wieder begann waren die Cor.Zahlen im Bereich nahe Null, trotzdem wurde Zeit mit Wechselunterricht bis Ende Schuljahr vergeudet, meine Kinder hatten insgesamt keine 20 Tage, die sie in ihren Schulen waren. Da hätte man auch aufholen können... Es ist nicht erst diese Notbremse, die unseren Kindern ihr Recht auf Bildung verwehrt! Ob alle,die über diese Notbremse zu entscheiden haben, wissen, was 'Distanzunterricht' wirklich bedeutet??!!

  • 15
    4
    ASZ
    19.04.2021

    Danke Kiki, sehr gute Zusammenfassung! Das vesteht keiner mehr und bringt noch mehr Politikverdruss. Wie wär's mit logischen Massnahmen die nicht nur auf den Schultern der Schwächsten ausgetragen werden. Es wird immer davon gesprochen dass es bei Schulschliessund Distanzunterricvt gäbe, aber das ist ja noch nicht mal überall der Fall, es werden zum Teil auch nur einfach Aufgaben "hingeklatscht. Traurig auch dass de Abgeord ehe des ERZ das auch scheinbar mitträgt wie am Sa in der FP zu lesen war.

  • 21
    10
    Kiki
    19.04.2021

    Dafür kann man doch dann bis 24h im Jogginganzug saufen gehen. Das ist schon viel wichtiger als die Bildung unserer Kinder. Man könnte nur noch k*****