Wolf Pumpak ist verschwunden

Wurde das Problemtier heimlich erschossen und vergraben oder ist es abgewandert? Fakt ist: Das Landratsamt Görlitz muss nun das Todesurteil auf- heben oder die Abschusserlaubnis verlängern.

Rietschen/Görlitz/Dresden.

In dieser Woche läuft die vierwöchige Genehmigungsfrist für den Abschuss von Sachsens Problemwolf Pumpak ab. Der knapp zweijährige Rüde wurde bisher weder offiziell abgeschossen, noch kennt jemand seinen Aufenthaltsort. Seit am 19. Januar bekannt wurde, dass der Einzelgänger "entnommen" werden darf, ist das Raubtier wie vom Erdboden verschluckt - als wüsste es, sich besser nicht mehr blicken zu lassen. In Teicha bei Rietschen im Landkreis Görlitz, wo der aus einem polnischen Rudel stammende "Fette" seit November ständig auf Nahrungssuche war und dabei sogar Komposthaufen plünderte, wurde er nicht mehr gesichtet. Die letzte Meldung zu Pumpak gab es am 27. Januar aus Quolsdorf (Landkreis Görlitz) von einer Frau, die einen Kuchen zum Abkühlen ins Freie gestellt hatte und danach ein Tier vorbei huschen sah. Als sie die Tür öffnete, habe ein Wolf vor ihr gestanden. Nicht sie, sondern der Wolf habe sich erschrocken zurückgezogen. Die Frau filmte das mit dem Handy und stellte das Video für die Webseite des Naturschutzbundes (Nabu) zur Verfügung. Einen Abschuss des Wolfs fordert sie nicht.

Seit dieser tierischen Begegnung gibt es keine Hinweise mehr von Bürgern oder Jägern. Es fanden sich keine Kotspuren und keine Spuren im Schnee. Es gibt auch keine Anhaltspunkte, dass der Rüde abgewandert sein könnte, denn im Februar beginnt die Paarungszeit. Mancher spekuliert, dass Pumpak vielleicht von einer nicht dazu berechtigten Person erschossen und vergraben worden sein könnte.

Ob das Landratsamt Görlitz die Abschussgenehmigung verlängern wird, ist unklar. Von der zuständigen Dezernentin Heike Zettnitz hieß es, dass dies geprüft werde. Das sagte sie auch bei einer Diskussionsrunde, zu der die Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen vergangene Woche eingeladen hatte. Dort ging es zugleich um die Frage, ob der Abschuss wirklich notwendig sei, wenn Pumpak doch gar nicht mehr verhaltensauffällig ist. Markus Bathen vom Nabu stellte das auch deshalb in Frage, weil der Wolf bislang immer Scheu vor Menschen bewiesen hätte. Daher hatte das Lupus-Institut empfohlen, den Rüden mit einem Sender auszustatten und zu vergrämen. Stattdessen erteilte das Landratsamt die Abschusserlaubnis. Das sächsische Umweltministerium stimmte zu, weil nicht auszuschließen sei, dass Pumpak dem Menschen gefährlich werden könnte.

Seither hagelt es Proteste. 93.000 Bürger sprachen sich bisher über eine Online-Petition gegen den Abschuss aus. Dass die Petition ausgerechnet von einer Frau aus Hanau in Hessen, die rund 560 Kilometer von Görlitz entfernt lebt, initiiert wurde, verwundert im Wolfsgebiet manchen. Der Sprecher des Umweltministeriums Frank Meyer verteidigt die Abschuss-Entscheidung. Sie sei von Fachleuten mit Sachverstand in rechtlichen und Naturschutzbelangen getroffen worden. Dass das Thema nicht für eine Volksabstimmung geeignet sei, würden auch Briefe belegen. In einem heißt es mit Bezug auf die polnische Herkunft des Rüden: "Die Tötung eines polnischen Sympathieträgers würde antideutsche Stimmung in Polen aufheizen ..." An anderer Stelle behauptet derselbe Verfasser: "Wir können es beweisen, dass die Tötung des Bären Bruno 2006 eine allgemeine depressive Stimmung im Volk verursachte, was zur Niederlage der deutschen Fußballmannschaft gegen Italien 0:2 beigetragen hat."

Der umweltpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Wolfram Günther, bringt seine Kritik sachlicher vor. Er spricht von "massiven Versäumnissen" bei der Erteilung der Abschusserlaubnis. Wichtige Schritte, die der Wolfsmanagementplan vorsieht, seien nicht eingehalten worden. Ministeriumssprecher Meyer widerspricht: Der Wolfsmanagementplan biete ein "Handlungsraster". Er beinhalte nicht alle denkbaren Fälle. Das Vergrämen des Wolfes sei eine Möglichkeit. "Aber wo soll man dem Wolf auflauern, und wer sollte das über Tage oder gar Wochen machen?" Eine andere Variante sei, den Wolf mit einem Narkosegewehr zu betäuben, um ihn zu fangen und mit einem Sender auszustatten, um ihn dann weiter beobachten zu können. "Dazu müsste man aber mindestens bis auf 50 Meter an ihn ran. Und ob er dann nicht doch wieder in Siedlungen kommt angesichts seiner vielen positiven Erlebnisse dort, ist fraglich."

Die Abschusserlaubnis sei keinesfalls eine politische Entscheidung gewesen, etwa um die Leute in der betroffenen Region zu beruhigen, versichert Meyer. "Auch der grundsätzliche Schutz des Wolfes steht nicht zur Disposition."

Ob man den Isegrim angesichts der Vielzahl von Wölfen in der Lausitz überhaupt identifizieren kann, bejaht das Landratsamt: "Er ist fett, und er hinkt." Ob das Todesurteil möglicherweise aufgehoben wird, steht noch nicht fest. "In jedem Fall muss sein Verhalten neu bewertet werden. Die Prüfung läuft", hieß es.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...