Züge nach Leipzig bleiben unklimatisiert

Zu Jahresbeginn sollten zwischen Chemnitz und Leipzig neuere Wagen zum Einsatz kommen. Doch der Zeitplan kann nicht gehalten werden. Die Züge werden auch nicht so aussehen wie angekündigt.

Chemnitz.

Reisende auf der Strecke Chemnitz-Leipzig müssen länger als bisher angekündigt mit den alten Wagen aus DDR-Zeiten vorlieb nehmen. Was aber noch schlimmer sein dürfte: Den in Aussicht gestellten Komfort werden die Züge nicht in Gänze aufweisen. Wie am Freitag in der Zweckverbandsversammlung des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) bekannt wurde, werden die Wagen, die künftig hier rollen sollen, weder mit einer Klimaanlage noch mit W-Lan ausgestattet sein.

Im Übergangskonzept, das der VMS im Juli vorgestellt hatte, stand noch, dass zumindest die Doppelstockwagen neben einer automatischen Türöffnung und einem breiten Ein- und Ausstieg W-Lan und Klimatisierung bieten. Doch wie Friedbert Straube, Leiter Verkehr beim VMS, erklärte, sei der Einbau einer Klimaanlage technisch unmöglich bzw. gehe das nur zu nicht akzeptablen Kosten. Auf das W-Lan werde wegen der schlechten Mobilfunkversorgung an der Strecke verzichtet. Im Innenraum würden die Wagen aber modernisiert - so sollen Fußböden, Sitze, Wände und Haltestangen erneuert werden. Zudem sollen die Fahrzeuge einen neuen Anstrich erhalten, hieß es. Ursprünglich sollten die "neuen" alten Wagen ab dem ersten Quartal 2019 zum Einsatz kommen. Doch der Zeitplan ist nicht zu halten. Am Freitag wurde von einem Lieferzeitraum Mai bis Juli 2019 gesprochen.

Nach viel Kritik an den Zügen, die seit Ende 2015 auf der Strecke fahren, hatten sich die zuständigen Verkehrsverbünde VMS und ZVNL aus Leipzig und der Betreiber der Regionalexpresslinie, die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) darauf verständigt, die noch zu DDR-Zeiten gebauten Wagen durch neueres Gebrauchtmaterial zu ersetzen. Die Züge sollen sich dabei aus jeweils zwei Reisezugwagen (Baujahr 1992) und zwei Doppelstockwagen (1995) zusammensetzen. Im Gegensatz zu den jetzigen Wagen werden alle mit Scheibenbremsen ausgestattet und damit leiser unterwegs sein.

Im Juli hieß es, Anschaffung und Sanierung der Wagen wird elf Millionen Euro kosten. Das Land übernimmt rund die Hälfte der Kosten. Das Wirtschaftsministerium stützt sich dabei auf eine Ausnahmeregelung, denn laut Förderrichtlinie darf eigentlich nur die Anschaffung neuer Fahrzeuge gefördert werden. Die Realisierung des Wagenwechsels wurde in der Verbandsversammlung als schwierig beschrieben. Es habe mehrere Sitzungen ohne beschlussreife Vorlagen gegeben. Ein entsprechender Verkehrsvertrag mit der MRB-Mutter Transdev ist demnach bis heute nicht abgeschlossen. Verschiedene Sachzwänge wie etwa das Beihilfe- und Vergaberecht ließen sehr wenig Handlungsspielraum, so Straube.

Der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Detlef Müller (SPD) zeigte sich derweil entsetzt über das zusammengestrichene Konzept. "Das ist erschreckend und ein Armutszeugnis. Dann kann man es auch lassen", sagte er. "Für einen zeitgemäßen Nahverkehr auf der Strecke hätten wir Verbesserungen wie W-Lan und Klimaanlage dringend gebraucht", betonte Müller.

Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn hält zwar den W-Lan-Zugang gegebenenfalls für verzichtbar, alles andere aber müsse gemacht werden. Die Ausstattung mit einer Klimaanlage müsse Priorität haben. In den Doppelstockwagen sei es oben im Sommer "unerträglich". Gebrauchte Doppelstockwagen mit Klimaanlage sollten aufzutreiben sein, meinte er. Naumann forderte Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) auf, sich einzuschalten, um zu "einem vernünftigen Kompromiss" zu kommen.

Bewertung des Artikels: Ø 4.5 Sterne bei 2 Bewertungen
12Kommentare
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  • 3
    0
    Klemmi
    02.12.2018

    @AchimAdams: Vielen Dank für Ihre Korrektur, jedoch ging es mir mehr um das Prinzipielle. Ob nun Transdev oder die SNCF-Tochter Keolis, es sollte das Prinzip "Bahnreform" kritisiert werden. Zu den Löhnen: Eine gewerkschaftliche Nachjustierung war dennoch erforderlich.

  • 3
    0
    Zeitungss
    02.12.2018

    @AA : Transdev ist ein Tochterunternehmen der SNCF und agiert europaweit im Auftrag der Staatsbahn. Gleiches gilt für Netinera, ein Tochterunternehmen der italienischen Staatsbahn FS. Dumpinglöhne zahlen beide nicht, was ihnen aber erst "beigebracht" werden musste. Die DB hat sich Ariva ausgesucht und mährt im Ausland umher, etwa mit dem Erfolg der DB im Inland vergleichbar und deshalb zum Verkauf steht.
    Wer noch mehr solche "Kleingärten" braucht, sollte zumindest nicht jammern und den derzeitigen Zustand als Erfolgsmodell betrachten, problemlos von A nach B kommt man damit allerdings auch nicht.
    Allzeit eine gute und angenehme Reise auf den Flickenteppich Deutschland, mit dieser Verkehrspolitik hat das Auto Zukunft und die Umwelt dadurch erst recht.
    Noch eine kleine Zugabe, versuchen Sie z.B. im Vogtland eine durchgehende Fahrkarte nach Hamburg auf einen Bahnhof zu erhalten, die DB ist in diesem Landstrich schon nicht mehr präsent, müssen allerdings einen Großteil der Leistung von diesem Unternehmen in Anspruch nehmen, es kommt wirklich Freude auf. Auto geht da wirklich einfacher, den "Fahrpreis" nimmt jede Tankstelle entgegen.

  • 2
    2
    AchimAdams
    02.12.2018

    @Klemmi: zwei Fehler möchte ich korrigieren:
    erstens hat Transdev nichts mit der SNCF zu tun,
    zweitens zahlt Transdev keine Dumpinglöhne.

  • 0
    4
    Interessierte
    02.12.2018

    Muß denn die Frau Mössinger auch noch mit dem Zug nach Leipzig fahren und muß nun auch noch das Klima ertragen ; oder wohnt die gar nicht mehr in Chemnitz ?

  • 1
    0
    Steuerzahler
    02.12.2018

    @Zeitungss: Ich unterschreibe sofort mit! Treffend geschrieben von Ihnen und „Klemmi“.

  • 2
    2
    Zeitungss
    02.12.2018

    @Klemmi: Ihren Beitrag unterschreibe ich sofort, er könnte nicht besser sein. Ich habe die Abschaffung des Bahnverkehrs (man ist noch nicht fertig), live und in Farbe miterleben müssen und könnte Bücher damit füllen, lesen möchte diese allerdings niemand. In einem Beitrag hatte ich die Einführung von Pass- und Zollkontrollen an den Verbundgrenzen ins Spiel gebracht, wir sind nicht weit davon entfernt. Ich habe große Hoffnung, dass diese Vereine bald der Vergangenheit angehören und sich Vernunft breit macht. Leute, welche durch diese Vereine großzügig alimentiert werden, sehen ihre Felle davonschwimmen und werden hier am roten Rand sichtbar.
    Wenn Bürgermeister und Landräte sich um Fahrzeugbeschaffung kümmern, sieht das Ergebnis so aus wie es jetzt ist, sie müssten eigentlich mit ihren eigenen Aufgaben ausgelastet sein und diese Sparte Fachleuten überlassen, was allerdings zu Lasten der 2. Lohntüte gänge und da sind wir genau am Grundübel. Um Verbesserung für die Kundschaft geht es seit dem 01.01.1994 schon lange nicht mehr, öffentliche Gelder privatisieren und möglichst viel davon abfassen, ist heute die Arbeitsgrundlage dieser Vereine, so muss man sie leider bezeichnen. Ich bedaure die Leute, welche sich täglich diesen Schwachsinn unterwerfen müssen, zumal wenn sie dieses Geschäft noch funktionierend in Erinnerung haben.
    Herr Dulig, schreiten Sie zur Tat!!!!

  • 3
    1
    Steuerzahler
    01.12.2018

    Das außerordentlich Bemerkenswerte ist, dass genau die Leute, die absolut nichts Vernünftiges zu Stande bringen in Punkto Bahnverbindung, gegen die Genehmigung der Flexbusverbindung Widerspruch eingelegt haben. Unglaublich!

  • 2
    0
    Klemmi
    01.12.2018

    @Zeitungss: Ich gebe Ihnen Recht, mit ihrem Kommentar, aber es zeigt doch die Schizophrenie der Bahnreform auf, welche unlängst medienwirksam gefeiert wurde. Das Ziel mehr Kokurrenz auf die Schiene zu bekommen, wurde lediglich im subventionierten Nahverkehr erreicht, im eigenwirtschaftlichen Fernverkehr nimmt die DBAG weiterhin eine Monopolstellung ein. Der ganz Schwindel für was? Tochterunternehmen des französischen Staatskonzern SNCF, die mit Dumpinglöhnen eine Ausschreibung nach der anderen gewinnen? Für mich ist das eine Bilanzkosmetik der Bundesregierung, die zum Himmel stinkt. Hinzu kommt die Kleinstaaterei im kleinen Freistaat Sachsen. Das ganze Dilemma des RE 6, einschließlich des beschriebenen misserablen Kompromisses, ist nur ein Resultat eines offensichtlich kompetenzlosen Management des VMS. Man rufe sich den in Glauchau eingekürzten RE 1 ins Gedächtnis. Bei allen berechtigten Bedenken, dass Leipzig und Dresden bevorzugt und der ländliche Raum benachteiligt wird, hoffe ich, dass Herr Dulig dieser Kleinstaaterei, gut und gerecht durchgeplant, ein Ende beschert. Im Fall Chemnitz-Leipzig bleibt mir nur zu sagen, mit Mogelpackungen und "Verbesserungen" in dieser Form, gießt man gehörig Wasser auf die Mühlen der demokratieverdrossenen Bürgern.

  • 3
    1
    Einspruch
    01.12.2018

    Neu ausschreiben. Kann doch nicht war sein, das man sich auf diesen Humbug einlässt.

  • 6
    1
    Zeitungss
    01.12.2018

    @Klemmi: Viele Köche verderben den Brei, es ist ein Paradebeispiel und die Krönung deutscher Bahnpolitik. Die MRB, ein Absenker der Transdev und somit der Französischen Staatsbahn (SNCF), hat sicherlich noch einige abgewirtschaftete Fahrzeuge im Bestand, welche zur Aufwertung der Strecke beitragen könnten. Rumänien könnte sicherlich auch weiterhelfen, der Preis machts.
    Wer sich einmal die Mühe macht, den Fuhrparkt der DB ( finanziert durch die Bürger und somit Eigentümer)zu betrachten, und dieser auf seine Verschrottung wartet, sollten eigentlich die Glocken Sturm läuten. Von den 5 Verhinderungsvereinen in Sachsen ist in diese Richtung keine Reaktion zu erwarten. Ich hoffe Dulig setzt sich durch und schickt diese Vereine weit hinter den Mond. Wenn der jetzige Zustand die Zukunft sein soll, kleine Anmerkung, wir waren schon einmal meilenweit besser, kam bei den 5 Vereinen nur noch nicht an.

  • 23
    1
    Klemmi
    01.12.2018

    Chemnitz-Leipzig eine Farce die Seinesgleichen sucht! Nachdem der Bund so billig wie möglich den Fahrdraht nach Chemnitz verlängern möchte und gewillt ist, IC(E)-Züge über eine Strecke zu schicken mit Qualitätsmerkmalen einer Nebenbahn, mit Halt im völlig überlasteten „Citytunnel“, hat man den „Deutschland-Takt“ über Bad Lausick geplant. Jetzt kommt der VMS mit einem zusammengekürzten Übergangskonzept. Nachdem großspurig von WLAN und Klimatisierung gesprochen wurde. Wo ist das Doppelstock-Wagenmaterial welches einst auf der RB 30/RE3 unterwegs war und mit sächsischen Fördermitteln beschaffen wurde, welches im Übrigen klimatisiert war? Auf WLAN kann man verzichten. Wenn Bund, Land und Verkehrsverbund nicht in der Lage sind, eine Strecke zwischen zwei Großstädten zukunftsfähig zu planen, geschweige denn zu betreiben, dann sind „Unfähigkeit“ und „Planlosigkeit“ passende Beschreibungen für ihr Handeln. Was für Chemnitz bleibt: IC-Strecken die aus den einstigen IR-Linien hervorgehen werden, zudem eine zweigleisige, elektrifizierte KBS 520 mir viel Potential. Im Prinzip nichts Neues aber Bewährtes.

  • 19
    1
    hkremss
    01.12.2018

    Dass WLAN nicht kommt, ist verschmerzbar. 1-2 zusätzliche Mobilfunkmasten in den Funklöchern an der Strecke (z.B. zwischen Narsdorf und Burgstädt) wären schon ausreichend. Andere Wagons ohne Klima kann man sich eigentlich auch schenken. Alles bleibt wie es ist. Und es steht zu befürchten, dass auch die geplante Elektrifizierung über Borna keinerlei Verbesserung für Pendler bringen wird. Ok, vielleicht halten dann 2 IC am Tag in Chemnitz, irgendwann in 10-15 Jahren. Dafür werden zu den Zeiten die RE-Verbindungen gestrichen. Damit wäre dann Chemnitz offiziell wieder ans Fernbahnnetz angeschlossen und der Freistaat könnte sich endlich wieder um andere "wichtigere" Prestigeprojekte kümmern. Die Bahn kommt ... nicht nach Chemnitz.



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