Zwei Bühnen für dasselbe Publikum

Vor der Dresdner Frauenkirche rufen am Montag sowohl Pegida als auch die AfD zur Demonstration auf - aber nicht gleichzeitig, sondern nacheinander.

Dresden.

Aus ihren politischen Vorlieben machen die Demonstranten in Dresden Montag für Montag keinen Hehl. Als Pegida-Chef Lutz Bachmann am 1. Mai von der "einzigen Alternative" sprach, die es "momentan in Deutschland" gebe, brandete erst Beifall auf, bevor sogar Sprechchöre einsetzten: "AfD! AfD!"

Für den nächsten Montag stellt Pegida sogar ein "historisches Ereignis" in Aussicht. Auf der eigenen Internetseite ist von einer "Doppel-Veranstaltung" von Pegida und AfD die Rede - und von einer "gemeinsamen Demonstration" vor der Frauenkirche ab 18.30 Uhr.

Tatsächlich beschreibt die Partei das "historische Ereignis" deutlich distanzierter als Pegida. In Abwesenheit von Bundeschefin Frauke Petry erklärte der Dresdner AfD-Kreisverband am Donnerstagabend auf der Sitzung des AfD-Landessenats, dass die eigene Veranstaltung erst nach Abschluss des traditionellen Pegida-Spaziergangs ab 20 Uhr angemeldet sei - und dass man eine eigene Bühne zur Verfügung habe. Ob auf der eigenen Rednerliste auch Pegida-Leute stehen, wurde nicht bekannt. Das Erstaunen darüber würde sich freilich in Grenzen halten - spätestens seit dem klaren Votum von Weinböhla. Gegen den ausdrücklichen Willen der Parteispitze folgte der Landesparteitag vor fünf Wochen mit 106 zu 77 Stimmen dem Antrag, sächsischen AfD-Mitgliedern auch Reden auf Pegida-Veranstaltungen zu erlauben. Als Erster machte drei Wochen später der Zwickauer Benjamin Przybylla von der Möglichkeit Gebrauch. Seinen Auftritt in Dresden nannte er unter dem Jubel der damals knapp 2000 Demonstranten "eigentlich eine Selbstverständlichkeit - denn jetzt muss endlich zusammenwachsen, was zusammengehört".

Dabei hat Przybylla innerhalb der AfD einen neuen Streit ausgelöst - wegen einer anderen Demonstration, die der 1980 geborene Inhaber einer Gartenbaufirma in Fraureuth am 1. Mai in Zwickau organisiert hatte und bei der er neben den AfD-Bundestagskandidaten Jens Maier und Ulrich Oehme aufgetreten war.

Von der Kundgebung distanziert hatte sich die Zwickauer AfD. Per Parteitag sprach sie Przybylla bereits das Misstrauen aus, er soll auch nicht mehr für die Partei als Direktkandidat zur Bundestagswahl antreten. Für eine juristisch saubere Lösung wurde der Landesvorstand eingeschaltet. Entweder die AfD bleibt ohne Direktkandidat - oder sie wählt einen anderen. Die Frist beim Kreiswahlleiter läuft wie für die Konkurrenz erst am 17. Juli ab.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...