Zweites Schulhalbjahr startet mit 160 unbesetzten Lehrerstellen

Erneut finden sich auch in den Regionen Chemnitz und Zwickau nicht genug Pädagogen. Wann wirkt sich die Verbeamtung aus?

Dresden.

Zum wiederholten Mal ist es Sachsen nicht gelungen, ausreichend neue Lehrer zu finden. Von den zum zweiten Schulhalbjahr landesweit 600 ausgeschriebenen Stellen konnte mehr als jede vierte bisher nicht besetzt werden. Wie das Kultusministerium am Donnerstag mitteilte, wurden zum 1. Februar für 438 Stellen Lehrer eingestellt - bis auf 30 qualifizierte Seiteneinsteiger allesamt Lehrkräfte mit einschlägiger Pädagogikausbildung. Rechnerisch bleiben damit 162 Stellen unbesetzt. In der Praxis sind die Lücken noch etwas größer.

So kam es zwar landesweit zu 50 von 59 geplanten Einstellungen an allgemeinbildenden Förderschulen. Diese entsprechen jedoch im Detail nicht dem ursprünglichem Bedarf der fünf Regionen des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub): Während in Leipzig 29 statt der vorgesehenen 10 Stellen besetzt wurden, bleiben in Bautzen alle 10, in Chemnitz 9, in Zwickau 3 und in Dresden 6 freie Stellen unbesetzt.

An Grund- und Oberschulen wurden jeweils in allen fünf Regionen die Planziele verfehlt. An Oberschulen bleiben 77 der 192 ausgeschriebenen Stellen unbesetzt - statt 48 Neulingen bekommt die Region Chemnitz nur elf und damit genauso viele wie Zwickau, wo insgesamt 25 gesucht waren. Auch an Grundschulen sind 69 von 185 Stellen noch frei. In beiden Regionen konnten jeweils nur elf besetzt werden, obwohl für Zwickau erneut 25Einstellungen und für Chemnitz 30 geplant waren.

Anders verhält es sich an Gymnasien, für die landesweit statt 110 sogar 120 Lehrkräfte eingestellt wurden. 23 statt 16 erhält Chemnitz, 15 statt 12 Zwickau. An berufsbildenden Schulen kommt es zu 37 von 54angepeilten Neueinstellungen.

Ähnliche regionale und schulartspezifische Differenzen traten bereits zu Schuljahresbeginn wie auch schon vor einem Jahr auf. Damals hatten sich mehr als 2000 Bewerber für 660 Stellen gemeldet, nun waren es nur noch 625 für 600 Stellen. Das Kultusministerium sieht darin einen "Ausdruck des begrenzten Lehrerarbeitsmarktes". Ein weiterer Grund ist die Vorverlagerung der dreimonatigen Einstiegsqualifizierung für Seiteneinsteiger. 231 derjenigen, die im November anfingen, stehen nach Ministeriumsangaben nun ab dem zweiten Schulhalbjahr bereit. Mit ihnen erhöht sich die Anzahl der Neulehrer, die nach den Winterferien ab dem 4. März vor den Klassen stehen, auf 669.

Zu Schuljahresbeginn hatte Sachsen 230 von 1100 freien Stellen nicht besetzen können. Um den Lehrermangel zu beheben, hatte der Landtag im Dezember ab 2019 die Verbeamtung für Lehrer beschlossen, die jünger als 42 Jahre alt sind.

Die Bewerbungsfrist für den 1. Februar 2019 endete bereits im November. Das Ministerium nennt es "bemerkenswert", dass fast jeder dritte Bewerber mit Lehramtsausbildung seinen Vorbereitungsdienst in einem anderen Bundesland absolviert hatte - in den Einstellungsverfahren davor seien es nur 20 Prozent gewesen. Eine wirkliche Verbesserung wird indes erst durch steigende Absolventenzahlen der Lehramtsausbildung erwartet. Tatsächlich zeigt der Trend nach oben: Während zum 31. Januar 347 Referendare ihren 18-monatigen Vorbereitungsdienst mit dem Zweiten Staatsexamen erfolgreich abschlossen, fangen zum 1. Februar 680 Referendare neu an - also fast doppelt so viele.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...