Terror-Alarm in Chemnitz

Die Polizei fahndete am Wochenende nach einem 22-jährigen Syrer, der im Heckertgebiet hochbrisanten Sprengstoff lagerte und der offenbar einen islamistisch motivierten Anschlag plante. Obwohl der Zugriff sorgfältig geplant war, konnte der Mann zunächst entkommen.

Chemnitz. Die Stadt Chemnitz hat am Wochenende einen der größten Anti-Terror-Einsätze der vergangenen Jahre in Deutschland erlebt. Nach einem Hinweis aus dem Bundesamt für Verfassungsschutz rückten am Samstag Spezialeinsatzkräfte der sächsischen Polizei ins Neubaugebiet "Fritz Heckert" aus, um den 22-jährigen Syrer Jaber Albakr festzunehmen, der offenbar einen islamistisch motivierten Sprengstoffanschlag plante. Trotz Abgabe eines Warnschusses konnte der Terrorverdächtige zunächst entkommen. In einer Wohnung fand die Polizei hochexplosiven Sprengstoff, der aus Sicherheitsgründen vor Ort auf einer Wiese gesprengt wurde. In der Nacht zum Montag wurde der Gesuchte dann in Leipzig gefasst.

Laut LKA hatte sich der mutmaßliche Täter am Samstagmorgen an der Tür des observierten Wohnblocks in der Straße Usti nad Labem 97 gezeigt, während die Polizei für den Zugriff gerade Wohnungen evakuierte und die Umgebung absperrte. Der Gesuchte habe sich schnell bewegt, er sei trotz eines Warnschusses aus dem Sichtfeld weggelaufen und entkommen, sagte Bernhardt. Der LKA-Sprecher verteidigte die Zurückhaltung der Beamten: "Es war unklar, ob der Mann Sprengstoff und einen Zünder bei sich hat." Das bis dahin noch nicht evakuierte Haus hätte auch in die Luft fliegen können. "In so einer Situation können wir nicht ins Risiko gehen." Zudem gingen die Einsatzkräfte davon aus, dass der Mann wieder ins Haus hinein gegangen ist.

Der gesuchte Terrorverdächtige war als Flüchtling nach Deutschland gekommen, aber nach Informationen der "Freien Presse" nicht in Chemnitz registriert. Der Mann, der am 10. Januar 1994 in Sasa, einem Ort südlich von Damaskus, geboren wurde, sei "seit mehreren Monaten" in Deutschland und hier als Flüchtling anerkannt, wie eine Sprecherin des Landeskriminalamtes Sachsen in Dresden sagte. Laut Focus-Online geriet er schnell ins Visier amerikanischer, französischer und deutscher Geheimdienste.

Zu zwei weiteren Einsätzen rückten Spezialeinsatzkommandos am Samstagnachnittag in die Mozartstraße nahe dem Bahnhof Chemnitz-Mitte sowie zum Chemnitzer Hauptbahnhof aus. In der Mozartstraße nahm die Polizei eine Kontaktperson des gesuchten Syrers fest, die später wieder auf freien Fuß kam. Am Hauptbahnhof wurden zwei Männer festgenommen, einer von beiden - der Mieter der Wohnung im Heckert-Gebiet - wurde dem Haftrichter vorgeführt. Am Sonntagnachmittag stürmten SEK-Kräfte schließlich eine weitere Wohnung im Yorckgebiet. Die Beamten nahmen dort einen Bekannten des flüchtigen Verdächtigen in Gewahrsam. Er sollte später befragt werden. In der Wohnung hielten sich auch dessen Frau und Kind auf, die bei dem Zugriff einen Schock erlitten.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe teilte am Sonntagabend mit, der Generalbundesanwalt habe die Ermittlungen wegen des Verdachts einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat übernommen. Die Bundespolizei verstärkte die Sicherheitsvorkehrungen unter anderem am Berliner Flughafen Schönefeld. Zudem wurde eine kostenlose Hotline für Hinweise zum Tatverdächtigen eingerichtet: 0800 855 2055.

Die Behörden wollen am Montag, 13.30 Uhr auf einer Pressekonferenz über die Ermittlungen und vorliegenden Erkenntnisse informieren.

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