Amazonas-Waldbrände beschäftigen den G-7-Gipfel

Auch Kanzlerin Merkel sieht eine "akute Notlage", über die bei dem Treffen der Staatschefs in Biarritz gesprochen werden sollte - zum Ärger des brasilianischen Präsidenten.

Berlin/Biarritz.

Die verheerenden Feuer, die den größten CO2-Speicher der Erde bedrohen, werden Thema beim G-7-Gipfel am Wochenende sein. Nach dem französischen Gastgeber Emmanuel Macron sprach sich am Freitag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür aus, die "akute Notlage des Amazonas-Regenwaldes" in Biarritz zu erörtern, wie Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Das Ausmaß der Brände ist erschreckend und bedrohlich nicht nur für Brasilien, sondern für die ganze Welt."

Nach der Ankündigung Macrons, dass sich die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens, Italiens, Japans, Kanadas und der USA dieser "internationalen Krise" annehmen würden, hatte ihm Brasiliens nicht im G-7-Kreis vertretener Präsident Jair Bolsonaro "eine kolonialistische Denkweise" vorgeworfen. Seibert betonte, dass mögliche, aber noch nicht konkretisierte Hilfsmaßnahmen "im Dialog" mit Brasilien angegangen" würden.

Das Engagement der G-7-Staaten für den Erhalt des Amazonas-Urwalds, der rund ein Fünftel des weltweiten Sauerstoffs produziert, hat eine lange Tradition. Schon in den 1990er-Jahren wurde das sogenannte PPG-7-Pilotprojekt gestartet, um der einheimischen Bevölkerung und Industrie finanzielle Alternativen zur Brandrodung für Agrarflächen aufzuzeigen. Es wurde abgelöst durch den internationalen Amazonien-Fonds, den etwa Norwegen seit 2008 mit mehr als einer Milliarde Euro und Deutschland derzeit mit 55 Millionen Euro unterstützt. Dadurch konnte nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit die Entwaldungsrate von mehr als 27.000 Quadratkilometern im Jahr 2004 auf 7900 im Vorjahr gesenkt werden.

Der rechtsgerichtete und der Agrarlobby seines Landes nahestehende Präsident Bolsonaro hat seit seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn eine Wende hin zu einer "wirtschaftlichen Erschließung" des Amazonasgebietes eingeleitet. Trotzdem zweifelt er Zahlen zu einer deutlich gestiegenen Rodungsrate an, deretwegen Norwegen und Deutschland erst vor wenigen Tagen beschlossen, die zugesagten Hilfsgelder einzufrieren. Die Verantwortung für die mehr als 70.000 seit Jahresbeginn gezählten Brände im Regenwald schreibt Bolsonaro nicht Landwirtschaftsunternehmen, sondern Umweltschützern zu, die - so behauptete er - ihn damit in Misskredit bringen wollten.

Wegen Bolsonaros Untätigkeit oder gar aktiver Unterstützung der Rodungspolitik haben Irland und auch G-7-Gastgeberland Frankreich am Freitag die Ratifizierung des fertig vorliegenden EU-Freihandelsvertrages mit den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten, zu denen auch Brasilien gehört, in Frage gestellt. Dies forderten auch Grüne und Linke von der Bundesregierung. Die EU-Kommission, die das Abkommen ausgehandelt hat, verwies darauf, dass es auch Brasilien auf Einhaltung von Umweltstandards und des Pariser Klimaabkommens von 2015 verpflichte.

Was den G-7-Gipfel außerdem beschäftigt

Das Treffen der sieben wichtigsten Industrieländer in Biarritz findet in bewegten Zeiten statt. Dies werden oder könnten die Themen sein:

Gleichheit: Gastgeber Frankreich hat sich den Kampf gegen Ungleichheiten in der Welt auf die Fahnen geschrieben - vor allem zwischen Männern und Frauen. Präsident Emmanuel Macron will zudem das Format der Runde reformieren: Er sucht konkrete Beschlüsse statt einer langen gemeinsamen Abschlusserklärung.

Handel: Der Handelskrieg der USA mit China belastet die Weltwirtschaft, was die anderen G-7-Partner zunehmend besorgt. Ein Ausweg ist nicht in Sicht. Auch den Europäern droht Trump mit Zöllen - etwa auf Autos.

Brexit: Es ist der erste Auftritt des neuen britischen Premierministers Boris Johnson im Kreis der G 7. Mit Spannung wird erwartet, ob US-Präsident Donald Trump ihn bei seinem harten Austrittskurs und den Forderungen an die EU unterstützt.

Klimaschutz: Seit dem Austritt der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ist der Kampf gegen die Erderwärmung ein ständiges Streitthema mit Trump. Aber auch die Anstrengungen der anderen G-7-Partner reichen nicht aus.

Iran: Die USA wollen den Iran mit maximalem Druck zu einem Kurswechsel in seiner Außenpolitik zwingen. Die Wiedereinführung von Sanktionen hat aber nur die Spannungen in der Region weiter angeheizt.

Terrormiliz IS: Das Pentagon warnt, dass die Terrormiliz IS nicht besiegt ist. Der US-Präsident fordert von den Verbündeten mehr Soldaten in Syrien - die US-Truppen will er dagegen weitgehend abziehen.

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