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Angriffe auf Irans Machtzentrum - Merz betont Einigkeit

Die Eskalation zwischen dem Iran einerseits sowie Israel und den USA andererseits zieht immer weitere Kreise. Merz stellt sich derweil an Trumps Seite: Ziel sei der Sturz der iranischen Führung.

Teheran/Tel Aviv/Washington.

Mit neuen schweren Luftangriffen im Iran hat Israel erneut auf den mächtigen Führungsapparat im Land abgezielt. Seit Beginn der Angriffe an der Seite der USA am Samstag kamen im Iran nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond fast 800 Menschen ums Leben. Bei iranischen Gegenangriffen auf Israel gab es erneut Verletzte durch Raketentrümmer. Auch in den Golfstaaten sorgen sie weiter für Verwerfungen. 

Angriff auf Regierungsgebäude im Iran

Bei den neuen US-israelischen Angriffen im Iran wurde nach Medienberichten auch das Gebäude eines Expertenrats einflussreicher Geistlicher in der Stadt Ghom schwer beschädigt. Es gab widersprüchliche Angaben zu der Frage, ob dort zum Zeitpunkt des Angriffs gerade ein Gremium iranischer Geistlicher tagte, das einen Nachfolger von Ajatollah Ali Chamenei bestimmen soll. Staatsoberhaupt Chamenei war am Samstag bei einem israelischen Angriff getötet worden. 

Israels Armee startete nach eigenen Angaben zudem eine großangelegte Angriffsserie in Teheran. Ziel der Luftangriffe sei Infrastruktur der Führung, teilte die Armee mit. Einwohner der Stadt berichteten von schweren Explosionen. In der Nacht hatten Kampfflugzeuge auch das Präsidentenbüro attackiert. 

UN: Angriff auf Schule im Iran könnte Kriegsverbrechen sei

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond sprach von Angriffen in mehr als 150 Städten im Iran. Tausende Mitarbeiter von Rettungsdiensten seien landesweit im Einsatz. Das UN-Menschenrechtsbüro ging am Dienstag auf Berichte über einen Angriff auf eine Mädchenschule am Samstag mit fast 200 Toten ein und verlangte eine umfassende Untersuchung. Nach Angaben einer Sprecherin könnte es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Israelische Vertreter hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der besagten Region bekannt. Sie wollten die Berichte ebenso wie die Amerikaner prüfen. Am Dienstag kamen Menschenmassen zu Trauerfeiern in der betroffenen Stadt zusammen.

Merz betont Übereinstimmung mit Trump

Derweil traf Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag kurz nach Kriegsausbruch als erster europäischer Regierungschef persönlich US-Präsident Donald Trump, um über die Entwicklungen zu sprechen. Bei dem Treffen im Weißen Haus begründete Trump den Krieg erneut mit eigenen Sicherheitsinteressen - und nicht mit einer Entscheidung Israels. "Wenn überhaupt, dann habe ich Israel vielleicht unter Druck gesetzt. Aber Israel war bereit, und wir waren bereit", sagte der US-Präsident. Er sei bereits während der Verhandlungen mit dem Iran sicher gewesen, dass Teheran zuerst angreifen werde. "Und ich wollte nicht, dass das passiert."

Trump hatte am Samstag gesagt, die iranische Raketenbedrohung solle beseitigt und die Marine zerstört werden. Das Land dürfe außerdem keine Atomwaffen haben. 

Merz betonte bei dem Treffen Übereinstimmung in der Iran-Politik. "Wir sind uns einig, dass dieses schreckliche Regime in Teheran gestürzt werden muss." Man werde auch "über die Zeit danach sprechen, darüber, was dann geschieht, wenn sie gestürzt sind". Trump zufolge haben die USA noch keinen konkreten Plan für die politische Nachfolge im Iran. "Viele der Leute, die wir im Auge hatten, sind tot", sagte er. 

Neue Schäden auf Gelände von Urananreicherungsanlage

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) bestätigte derweil neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natans. Die Organisation geht nicht davon aus, dass Radioaktivität freigesetzt und die Anlage weiter beschädigt worden ist, wie sie mitteilte. Israel und die Vereinigten Staaten hatten bereits im vergangenen Sommer Einrichtungen des iranischen Atomprogramms bombardiert. 

Iranische Gegenangriffe reißen nicht ab

Bei neuen iranischen Raketenangriffen auf Israel wurden mehrere Menschen im Zentrum des Landes verletzt. Der israelische TV-Sender N12 berichtete von Einschlägen von Raketen- und Trümmerteilen rund um die Küstenmetropole Tel Aviv. Zuvor hatte es in weiten Teilen des Landes Luftalarm gegeben und Sirenen hatten geheult. Zahlreiche Einwohner harrten in Schutzräumen aus. 

Der Iran setzte auch seine Angriffe in der Golfregion fort. Die katarische Regierung sieht mittlerweile "rote Linien" überschritten. Nicht nur attackiere der Iran militärische Ziele, sondern nehme auch lebenswichtige Infrastruktur ins Visier. Auch aus anderen Ländern wurden Angriffe gemeldet. 

Die US-Botschaften in Saudi-Arabien und Kuwait blieben vorerst geschlossen, auch die US-Botschaft im Libanon schloss sich dem Schritt an. In Riad und Kuwait hatte es Drohnenangriffe gegeben.

Israel schickt weitere Bodentruppen in den Libanon

Israel setzte derweil auch Angriffe auf Ziele der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz im Libanon fort und schickte weitere Bodentruppen in den Süden des Nachbarlands. Israels Armee war dort zuletzt an fünf Posten stationiert. Nun sind Soldaten den Angaben nach auf weitere Punkte nahe der Grenze vorgerückt. Dies solle Angriffe auf israelische Grenzgemeinden verhindern, teilte Israels Verteidigungsminister Israel Katz mit. Die Hisbollah beanspruchte mindestens sieben Angriffe auf Israel für sich.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu drohte der Hisbollah mit einer weiteren Verschärfung der Angriffe. Die Hisbollah hatte in der Nacht zum Montag als Reaktion auf die Tötung Chameneis Raketen in Richtung Israel abgefeuert. Daraufhin begann das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon anzugreifen, vor allem im Süden des Landes und in den südlichen Vororten von Beirut. Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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