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Chronik des Misstrauens: Die USA unter Trump und der Iran

Seit Trumps erster Amtszeit ist das Verhältnis zwischen Washington und Teheran geprägt von Spannungen und heftigen Eskalationen. Nun erreichen sie einen neuen Höhepunkt.

Washington/Teheran.

Massive Angriffe der USA und Israels treffen den Iran. US-Präsident Donald Trump begründet die Attacken in einer ersten Stellungnahme mit der Absicht, die unmittelbare Bedrohung durch die iranische Führung ausschalten zu wollen. Keine 24 Stunden später verkündet er den Tod des Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei. Es ist die jüngste Eskalation eines Konflikts mit einer langen Vorgeschichte. Eine Chronik:

2018: Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen

Im Mai 2018 kündigt Trump in seiner ersten Amtszeit einseitig das 2015 geschlossene Wiener Abkommen über das iranische Atomprogramm (JCPOA) auf – denn dieses sei einer der "schlechtesten Deals aller Zeiten" gewesen. Trump kritisierte, dass das Abkommen sich rein auf die nukleare Anreicherung fokussiert habe. Das Raketenprogramm des Irans und die negativen Folgen durch das Aufheben von Sanktionen, durch die wieder Geld ins Land fließen konnte, wurden dagegen nicht berücksichtigt.

Der Ausstieg aus dem Abkommen markierte den Beginn der Strategie des "maximalen Drucks": Die Vereinigten Staaten verhängten neue harte Sanktionen gegen den Iran, woraufhin dieser sich nicht mehr an frühere Verpflichtungen hielt und wieder begann, Uran massiv anzureichern. Auch wurde die Überwachung durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eingeschränkt. 

2020: Tötung von General Soleimani durch das US-Militär

Bei einem US-Drohnenangriff wurde im Januar 2020 der mächtige iranische General Ghassem Soleimani in Bagdad getötet. Soleimani, Kommandeur der Auslandseinheit der Revolutionsgarden, galt als Architekt der sogenannten Widerstandsachse, eines Netzwerks militanter Gruppen im Kampf gegen Israel. 

In der Folge von Soleimanis Tötung griff der Iran einen US-Stützpunkt im Irak mit Raketen an. Beide Länder bewegten sich an den Rand eines Krieges. Langfristig gesehen verankerte sich ein tiefer Rachegedanke innerhalb der Revolutionsgarden, der auf Jahre hin direkte diplomatische Gespräche unmöglich machte.

Ghassem Soleimani, General der iranischen Al-Kuds-Brigaden, wurde durch einen US-Drohnenangriff getötet. (Archivfoto)
Ghassem Soleimani, General der iranischen Al-Kuds-Brigaden, wurde durch einen US-Drohnenangriff getötet. (Archivfoto) Bild: Uncredited/Office of the Iranian Supreme Leader/AP/dpa

2024: Angebliches iranisches Mordkomplott gegen Trump

Das US-Justizministerium warf dem Iran im November 2024 vor, die Ermordung Trumps geplant zu haben. Der Iran wies das vehement zurück. In der Folge wurde in den USA Anklage gegen mehrere Verdächtige erhoben.

Juni 2025: Beteiligung am israelischen Krieg gegen iranische Atomanlagen

Israel hatte im Juni 2025 zwölf Tage Krieg gegen den Erzfeind Iran geführt und militärische und zivile Ziele in weiten Landesteilen bombardiert. Die USA waren an der Seite Israels in den Krieg eingestiegen und bombardierten drei wichtige iranische Nuklearanlagen. Israels Angriff erfolgte damals nur einen Tag vor einer geplanten Runde weiterer Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über Irans Atomprogramm. Der Iran reagierte damals mit massivem Raketenbeschuss israelischer Städte, darunter auch Tel Aviv.

2019-2026: Bemühungen um Deeskalation

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Hoffnungen auf eine nachhaltige Deeskalation – vergeblich: So hatte etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den damaligen iranischen Außenminister Mohammad Dschawad Sarif 2019 zum G7-Gipfel in Biarritz eingeladen. Ein Treffen zwischen ihm und Trump kam aber nicht zustande.

Auch in den darauffolgenden Jahren gab es diplomatische Bemühungen, etwa nach dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden 2021 und mit der Wiederaufnahme indirekte Gespräche in Wien für ein neues Abkommen. Doch die Verhandlungen kamen ins Stocken, unter anderem durch die iranische Unterstützung Russlands im Ukraine-Krieg und die brutale Niederschlagung von Protesten im Iran 2022.

Bis zuletzt hatten die USA und der Iran verhandelt. (Archivfoto)
Bis zuletzt hatten die USA und der Iran verhandelt. (Archivfoto) Bild: Uncredited/Foreign Ministry of Oman/AP/dpa

Zuletzt lag die Hoffnung auf den Gesprächen zwischen Washington und Teheran über das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA wollten verhindern, dass die Führung in Teheran Atomwaffen entwickelt. Die iranische Regierung bestritt entsprechende Absichten, zeigt sich jedoch bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen. Im Gegenzug fordert Teheran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen.

2026: Trump verkündet Tod des Religionsführers Chamenei

Der Konflikt eskalierte, als Israel und die USA am Samstagmorgen koordinierte Luft- und Raketenangriffe auf Ziele im Iran begannen. Teheran meldete daraufhin Gegenangriffe auf Ziele in Israel sowie auf mehrere US-Militärstützpunkte in der Golfregion.

Trump verkündet Tod Chameneis (Archivbild).
Trump verkündet Tod Chameneis (Archivbild). Bild: Vahid Salemi/AP/dpa

Bei den Angriffen auf den Iran wurde nach Angaben Trumps auch der Religionsführer Chamenei getötet. Aus dem Iran lag dafür zunächst keine Bestätigung vor. "Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot", schrieb der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social. Das sei die "größte Chance für das iranische Volk, sein Land zurückzuerobern", betonte Trump. Er kündigte an, die Bombardierungen im Iran würden weitergehen, bis Frieden in der Region und in der ganzen Welt einkehre. (dpa)

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