Gorbatschow wirft dem Westen «Siegergehabe» vor

Berlin (dpa) - Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow hat dem Westen vorgeworfen, sich zum «Sieger des Kalten Krieges» aufgeschwungen zu haben.

Es sei ein Fehler gewesen, dass Europa nach dem Ende der Konfrontation zwischen Ost und West keine eigene, moderne Sicherheitsarchitektur geschaffen habe, sagte Gorbatschow den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag) anlässlich des 30. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer. Eine solche Sicherheitsinfrastruktur sei mit dem damaligen französischen Präsidenten François Mitterrand, dem deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und US-Sicherheitsberater Brent Scowcroft abgesprochen gewesen, dann aber in Vergessenheit geraten.

«Stattdessen erklärte der Westen, er habe den Kalten Krieg gewonnen. Dieses Siegergehabe war ein großer Fehler des Westens», betonte Gorbatschow. Russland und die USA müssten sich wieder an den Verhandlungstisch setzen, forderte Gorbatschow.

In Deutschland genießt Gorbatschow, der einst mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) Reformen anstieß und damit die Voraussetzungen für die Wiedervereinigung schuf, bis heute großen Respekt. In Russland jedoch gilt er vielen als Totengräber der Sowjetunion.

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7Kommentare
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    Nixnuzz
    08.11.2019

    @Freigeist14: Im wesentlichen Zustimmung. 1 grüner. Ich bitte zumindest um Berücksichtigung der westlichen Diversität was ein einheitliches Deutschland darstellte. Soweit ich mich erinnere, waren es ausnahmsweise die Amis, die für die "Ent-Teilung" waren, Frankreich halb hinrutschte und Groß Britanien nahezu hingeschleift wurde. Miss Thatcher wollte partout nicht. Unter dieser "bunten Mischung" eine einheitliche Position überhaupt zustande zu kriegen, war schon bemerkenswert. Wieviel Nachkriegserfahrung bei diesen 3 Westalliierten mit ihrem jeweiligen Wahlvolk und Parteiern-gedöns diese am Hals hatten, weiß ich nicht. Zumindest rauschten die Amis Regierungsamtlich nach USA ab und "überließen" den beiden restlichen Unterschriftengeber den Kontakt nach Osten. Taube Falken und andere Hartliner waren jedenfalls froh, die "Zoffjets" ( kölsche Aussprache von Konrad Adenauer für "Sowjets" - keine Diskriminierung von vorn herein!) nach Osten verlagert zu haben. Die wenigen kritischen Stimmen zur Berücksichtigung von jetzt Russland als Vertragspartner und Kriegslastträger versandeten. Auch die Wünsche der jetzt in Freiheit entlassenen Ostländer nach NATO- oder EWG-Mitgliedschaft wurden kritisch gesehen. Aber es war deren Entscheidung, sich mit in Brüssel an die runden Tische setzen zu können. Die Angst vor dem ehemals großen Bruder im Osten führte wohl zu deren Beitrittswillen und Wünschen. Das wirtschaftliche Möglichkeiten eine große Rolle gespielt haben, glaube ich ebenfalls. Welche "Machtträger" welche "Spielchen" noch so spielten? ??...Welche Oligarchen von damals konnten ihre Strukturen verlustfrei ins heutige "Leben" erfolgreich transferieren und weiter ausbauen? Welche Politiker sind trotz Parlament und Demokratie von diesen Personen weiterhin abhängig? Dito Westen?...Zumindest konnten wir uns Trump und Brexit-Johnson aufhalsen... ganz demokratisch....

  • 3
    2
    Freigeist14
    08.11.2019

    Nixnuzz@ ich habe das - wie so oft - sarkastisch gemeint . Gerade jetzt ,wo dieser Pompeo und der Außenminister-Darsteller in der Leipziger Nikaolaikirche waren .Natürlich wollte Gorbatschow ein Neue Politik der Abrüstung und des Vertrauens auf Augenhöhe . Die UdSSR war totgerüstet . Aber der gute Wille und Vertrauensvorschuss, die freiwillige und auch eigenwillige (!) Zurücknehmen elementarer Sicherheitsinteressen der Sowjetunion wurden nicht goutiert . Der versprochene Verzicht auf eine NATO-Erweiterung und dessen demütigende Verletzung haben Gorbatschow verbittern lassen ,weil der warnende Valentin Falin wohl doch recht hatte : Der Westen an Partnerschaft auf Augenhöhe nie interessiert .

  • 4
    1
    ChWtr
    08.11.2019

    "Das Wort" zählt heute nicht mehr viel, Hirtensang.

  • 4
    1
    ChWtr
    08.11.2019

    Wie recht er hat, der Gorbi.

    Leider ist genauso viel falsch gemacht worden bei der sogenannten Wiedervereinigung, wie auch beim auflösen des Warschauer Paktes. Fehler über Fehler, die offenbar damals aufgrund der Ereignisse nicht anders zu regeln waren, leider.

    Heute sieht man ja, wie die Polen und andere ticken (...) - denn jeder hat das Recht selbstbestimmt zu leben, zu mindestens 45 Jahre nach dem Ende des 2.WK innerhalb Europas. Das es dennoch grieselt zeigt, dass die gewonnene Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist. Das sollten wir uns bewusst sein.

  • 4
    1
    Hirtensang
    08.11.2019

    Dieser Mann hatte an das Wort westlicher Politiker geglaubt!

  • 3
    0
    Nixnuzz
    08.11.2019

    @Freigeist14: Als etws unterbelichteter Wessie komme ich mit ihrer Meinung nicht ganz klar. Wie "tot" war '89 die Sowjetunion? Wie gut steht sie/Russland seit Putin jetzt da? Trotz oder wegen der Sanktionen? Wie wabbelig ist das westliche Gefüge zur Zeit? Halte die zitierte Meinung von G. für mehr als gerechtfertigt. Wenn die Kooperationen von Putin mit Erdogan und Ungarn so weiter gehen, dürfte die EU wohl trotz aller Dementis in sich zusammen fallen. Nur wer finanziert dann die vereinigte Visegrád-Gruppe weiter? Oder muss uBRD dann Kredite bei ?? aufnehmen?

  • 4
    2
    Freigeist14
    08.11.2019

    Würde Herr Gorbatschow die erwartete Meinung äußern ,wäre er medialer Bestandteil der Mauerfall-Feiern . Aber so ? Nein , Michael Sergej , so haben wir nicht gewettet !



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