Greta liest der EU-Kommission die Leviten

Die EU plant in den nächsten 30 Jahren eine Klimawende, die der Gesellschaft einiges abverlangt. Die EU-Kommission ist stolz - doch es kommt Gegenwind.

Brüssel.

Greta Thunberg ließ sich nicht als schmückendes Beiwerk missbrauchen. Schon bevor die Brüsseler EU-Kommission am Mittwoch das erste Klimaschutzgesetz der Union offiziell präsentieren und zusammen mit der 17-jährigen schwedischen Aktivistin, die eigens aus Stockholm angereist war, vorstellen konnte, gab es vernichtende Kritik. Ein Klimagesetz, das nicht streng auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und auf einem gerechten Interessenausgleich zwischen Arm und Reich in der Welt basiere, schade mehr als es nütze, schrieb die Galionsfigur der Bewegung "Fridays for Future" in einem offenen Brief an die EU-Kommission. Entscheidend sei, dass für einen Stopp der globalen Erwärmung bei 1,5 Grad weltweit höchstens noch 340 Gigatonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen dürften - das sogenannte globale CO-Budget. Gehe es so weiter wie bisher, reiche dies nur noch für acht Jahre. Drastische Gegenmaßnahmen seien sofort nötig. "Das muss sich in dieser Minute ändern", forderte Thunberg. Sich auf die Zielmarke 2050 zu konzentrieren, bedeute aufzugeben. "Wir brauchen nicht nur Ziele für 2030 oder 2050", schrieb Thunberg. "Wir brauchen sie vor allem für 2020 und jeden Monat und jedes Jahr, das nun folgt."

Damit war die Dramaturgie von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schon durchkreuzt, bevor sie überhaupt am Mikrofon stand. Dabei hatte sie sich doch einen historisch anmutenden Satz bereitgelegt: "Heute beginnen wir, die EU bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen." Wirklich? Die von Thunberg vermisste Entschlossenheit spiegelt das Paket nämlich durchaus wider. Bevor Ziele für 2030 vereinbart werden, sollen geeignete Maßnahmen zunächst einer Folgenabschätzung unterzogen werden. Dieser Prozess dauert bis Mitte 2021. Erst dann folgt ein Konzept, dessen Ziel in der Senkung der klimaschädlichen Gase um 50 bis 55 Prozent bestehen würde - gegenüber 40 Prozent wie bisher vereinbart. Später soll für die 20 Jahre bis 2050 ein EU-weiter "Zielpfad" vereinbart werden, um überprüfen zu können, ob die dann geltenden Vorgaben eingehalten werden. Grundsätzlich gilt: Alle Mitgliedstaaten müssen mitmachen. Wer zu wenig beiträgt, wird bestraft. Ab 2030 will die Kommission die Führung übernehmen und definieren, wer was zu leisten hat.

Greenpeace sprach von einem "verlorenen Jahrzehnt", wenn die Zielmarken bis 2030 nicht heraufgesetzt würden. Beim Bundesverband der Deutschen Industrie warnte der Vizehauptgeschäftsführer Holger Lösch vor immer schärferen Zielen, die die Unternehmen überfordern könnten. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer begrüßte zwar die "technisch machbaren und gleichzeitig verantwortbaren Ansätze", hob aber die Tatsache hervor, dass die EU-Kommission die Möglichkeit lasse, "nachhaltige Emissionsminderungen in Drittstaaten anzurechnen". Wer also in Europa weniger CO abbaut, kann Emissionszertifikate aus dem Ausland ankaufen. Kritiker befürchten, dass Unternehmen sich von einer Umrüstung ihrer Betriebe auf klimaneutrale Produktion lieber freikaufen als in Zukunftstechnologien zu investieren.


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16Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    1
    Interessierte
    08.03.2020

    Dazu hat auch der Domian eine Meinung , hoffentlich verliert er seine Sendung nicht
    https://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/domian-attackiert-greta-auch-vor-autismus-der-schwedin-macht-moderator-keinen-halt/ar-BB10PfaC?ocid=spartandhp

  • 6
    1
    ralf66
    07.03.2020

    @Distelblüte, die Probleme der Gegenwart die immer mehr werden werden mit den Lösungen der Gegenwart immer weniger beseitigt, man sieht es derzeit wieder am Flüchtlingsproblem, Merkel hat mit Ihrer Politik nicht viel dazu beigetragen, dass sich etwas an dieser Situation geändert hätte, dass Flüchtlingsproblem ist wieder da und Erdogan macht was er will, außer Spesen nichts gewesen.
    Die Political Correctness Klimapolitik ist zur Zeit recht rege in Worten, wir werden sehn, was mit der Klimaerwärmung wird wenn dieser ganze Plan Kohleausstieg, E-Autos, wieder erneuerbare Energie umgesetzt ist ob es dann besser wird. Erzählen das es dann besser wird kann jeder und so lange die Wissenschaft zum Thema Klimaerwärmung so uneins ist wie jetzt, ist sowieso alle nur Theorie.

  • 7
    1
    Haju
    07.03.2020

    "Ein Klimagesetz, das nicht streng auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und auf einem gerechten Interessenausgleich zwischen Arm und Reich in der Welt basiere, schade mehr als es nütze"//
    Nun, es gab und gibt viele Wissenschaften: z.B. den wissenschaftlichen Marxismus/ Leninismus oder die Genderwissenschaften. Eine englische Klinik hat übrigens über 1000 Minderjährige, die sie für transsexuell bzw. mit Geschlechtsidentitätsstörung hielt, mit Pubertätsblockern usw. behandelt. Später stellte sich heraus: 35% der Kinder waren autistisch. Diese hatten natürlich permanent das Gefühl, anders zu sein und nicht akzeptiert zu werden. Und die meisten anderen der verbleibenden 65% hatten sicher einfach nur so eine typisch kindhafte "Ich will, ich will und zwar sofort!"-Störung. Eine narzisstische Störung, bei der die Sicherungen herausfliegen, wenn sie nicht sofort ihren Willen bekommen, weil dieser Fall einfach nicht vorgesehen ist.

  • 2
    11
    Distelblüte
    07.03.2020

    @Sachsenjunge: hier im Forum findet sich ein sehr spezieller Mikrokosmos. Es wird versucht, mit Lösungsansätzen der 80er Jahre des letzten Jahrtausends Probleme der Gegenwart anzugehen.

  • 3
    7
    sachsenjunge
    07.03.2020

    Wer von den Kommentatoren hier hat eigentlich eigene Kinder?

  • 4
    3
    Freigeist14
    06.03.2020

    Zeitungss@ stimmt ,das hätte Sie . Aber mit den substanzlosen ,wirtschaftsergebenen Ankündigungen von Frau v.d.Leyen war schon viel von Gretea klar zu stellen . Ich sehe hier auch die deutschen Grünen in der Pflicht , Defender 2020 anzuprangern . Aber das wird nicht geschehen .Im Gegenteil.

  • 2
    0
    Nixnuzz
    06.03.2020

    @Gerhard56: Schätze das sowas schneller geschieht, wenn die Realität des Machbaren die vehement vorgetragenen Argumente einholt. Und wenn Greta allerdings dem klugen Argument der Weiterbildung folgt, ist der Kernpunkt der F3's aus dem Blick- und Handlungsfeld zur Freude Vieler für Jahre verschwunden. Wieviele Mahner älteren Semesters mit entsprechender Bildung und Wissen wurden in den letzten dutzenden Jahren "entmündigt" oder anderweitig "stillgestellt"? Zumindest scheint in diesem Jahr 3F in den Etagen des Geldhandels angekommen zu sein. Vielleicht hilft CoVi19 mit seiner Epidemie, zu einer Überdenkung von Produktions-Standorten und Handelswegen zu gelangen.

  • 13
    2
    ralf66
    06.03.2020

    Schon die Überschrift zum Artikel ist zum lachen, woher hat dieses Mädchen mit 16 Jahren das Wissen, dass das was sie von sich gibt auch wissenschaftlich stimmt?
    Es ist immer wieder absurd mit welcher Ausdauer uns die Medien dieses Mädchen als Ikone, als Vorbild, als Retterin der Welt vor dem klimatischen Untergang durch CO2 präsentieren.

  • 7
    1
    Zeitungss
    06.03.2020

    @Freigeist: Hier hätte sie ein Handlungsgebiet an den BAB Richtung Osten und könnte sich profilieren, leere Worthülsen irgendwo helfen da wenig. Die grimmige Dame ist doch sonst allgegenwärtig. Entweder oder !

  • 6
    16
    Freigeist14
    05.03.2020

    Greta Thunberg war aber in Brüssel und nicht in Sachsen . Und zu recht hat sie das Gefasel der Kommissionspräsidentin vom "Green Deal " entlarvt . Siehe auch Martin Sonneborn :" Es gibt kein richtiges Grün im falschen "

  • 12
    6
    Zeitungss
    05.03.2020

    Ein Logenplatz an der A72 für die Dame wäre nicht schlecht, die grüne Fraktion könnte Zuschauer mit entsprechenden Winkelementen beisteuern. Die Überschrift dieses FP-Beitrages ist schon der blanke Lacher, klingt aber gut.

  • 12
    6
    kartracer
    05.03.2020

    Greta völlig falscher Platz, ab auf die A9 oder A72, dort sind die großen "Klimaretter" in den nächsten Wochen und Monaten unterwegs! Ja Ja, so ernst ist die Lage!

  • 15
    3
    1371270
    05.03.2020

    Wenn Greta das CO2 so furchtbar stört, dann sollte sie sich nach China und Indien auf den Weg machen, in Brüssel rennt sie doch offene Türen ein.

  • 17
    3
    ASS
    05.03.2020

    Greta passt wirklich gut in unsere Zeit. Fordern und immer nur fordern.
    Keine praktikablen Lösungen anbieten aber fordern.

  • 20
    3
    Tauchsieder
    05.03.2020

    Was wird da so manchen Parlamentariern durch den Kopf gehen?
    Und alle Schweigen, eine falsche Äußerung würde wahrscheinlich das politische Aus bedeuten.

  • 20
    2
    Gerhard56
    04.03.2020

    Liebe Greta,
    Respekt für Dein Engagement.
    Trotzdem empfehle ich Dir, erstmal einen Schulabschluss und eine Ausbildung/Studium abzuschließen. Noch ein paar Jahre Lebenserfahrung dazu und wir sind alle doppelt so gespannt auf Deine Reden.
    Freundliche Grüße