Großer Brand im Flüchtlingslager von Moria

Einmal mehr ist es klar geworden: Die Lager auf den Inseln im Osten der Ägäis sind lebensgefährlich. Ein Brand fordert ein Menschenleben. Und die Angst vor dem Coronavirus greift um sich.

Athen (dpa) - Im größten Flüchtlingslager Griechenlands - im Camp Moria auf der Insel Lesbos - ist am Montag ein sechsjähriges Kind bei einem Brand ums Leben gekommen. Dies bestätigte der Kommandeur der Insel-Feuerwehr, Evangelos Vasis, im Staatsrundfunk ERT-Nordägäis.

Die genaue Ursache sei zwar noch unklar, die Feuerwehr gehe aber von einem Unfall aus, hieß es aus Kreisen der Feuerwehrzentrale in Athen.

Die Beamten hatten Schwierigkeiten, den Brandherd schnell zu erreichen, weil die Containerwohnungen im Camp dicht aneinandergebaut sind. Neben einer Containerwohnung brannten auch zwei provisorische Unterkünfte nieder, berichtete der Staatsrundfunk weiter. Das Feuer konnte etwa eine Stunde nach dem Ausbruch gelöscht werden. Das Nachrichtenportal der Insel, stonisi.gr, zeigte Aufnahmen aus Moria, auf dem Menschen zu sehen waren, die in Panik versuchten, die Flammen zu löschen oder ihnen zu entkommen.

Das Camp von Moria ist das größte Flüchtlingslager Griechenlands. In und um das Lager leben gut 19.000 Menschen. In den restlos überfüllten Lagern der Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos im Osten der Ägäis kommt es immer wieder zu Bränden. Die Menschen versuchen, mit offenen Feuern und Gasherden zu kochen und sich Wasser zum Duschen warm zu machen.

Große Angst macht jedoch ein anders Thema den Menschen und den Hilfsorganisationen: Infektionen mit dem Coronavirus wurden auch in Griechenland - bis Sonntag 331 Mal - festgestellt. «Es ist unvermeidlich, dass es (das Coronavirus) auch hier in dem Lager von Moria diagnostiziert wird», sagte Dimitris Patestos, der ärztliche Koordinator der Organisation Ärzte der Welt auf der Insel Lesbos der dpa. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, meinte der Arzt weiter.

Die Menschen in dem Lager leben nach den Worten von Patestos unter hygienisch inakzeptablen Zuständen dicht beieinander - und das praktisch ohne ärztliche Versorgung. Der Ausbruch der Epidemie auch in einem der Camps würde schlimme Folgen haben: «Dann wird es hier unkontrollierbare Zustände geben», sagte er. Ein Coronavirus-Fall wurde auf Lesbos bereits registriert. Allerdings nicht im Lager von Moria, sondern auf der Südseite der Insel.

Humanitäre Organisationen kritisieren seit Jahren die Lage in den Camps der Inseln und fordern, dass alle Menschen - allen voran unbegleitete Kinder - gleichmäßig in Europa verteilt werden. Bislang sind nur Deutschland, Frankreich, Irland, Finnland, Portugal, Luxemburg und Kroatien bereit, unbegleitete Kinder aufzunehmen.

Athen will in den kommenden Wochen mehr als 10.000 Migranten zum Festland bringen. Zudem wurde Migranten angeboten, freiwillig in ihre Länder zurückzukehren. Ein von der EU finanziertes Rückführungsprogramm sieht vor, dass diesen Menschen mit 2000 Euro unter die Arme gegriffen wird, damit sie zurück in ihre Herkunftsländer gehen.

Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion im Deutschen Bundestag, kritisierte am Montag die Situation in diesen Camps scharf: «Das System der Masseninternierung, der zentralen Unterbringung, produziert Leid am laufenden Band. Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemie müssen die Massenlager aufgelöst werden und dezentrale Unterbringungsformen gefunden werden, bevor es zu spät ist», erklärte Jelpke.


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