Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hat bei einer Befragung vor dem US-Parlament jede Kenntnis von Straftaten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zurückgewiesen.
Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hat bei einer Befragung vor dem US-Parlament jede Kenntnis von Straftaten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zurückgewiesen. Bild: Andres Kudacki/FR170905 AP/AP/dpa
Welt
Hillary Clinton verteidigt sich im Kreuzverhör zu Epstein

Monatelang verweigert, nun unter Eid: Hillary Clinton weist jede Kenntnis von kriminellen Aktivitäten des Sexualstraftäters Epsteins zurück – und wirft Republikanern politisches Kalkül vor.

Washington.

Die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton hat bei einer Befragung vor dem US-Parlament jede Kenntnis von Straftaten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein entschieden zurückgewiesen. In ihrem in den sozialen Medien schriftlich verbreiteten ausführlichen Eröffnungsstatement erklärte sie, sie sei weder mit Epstein geflogen noch habe sie seine Privatinsel oder andere Anwesen besucht. Sie erinnere sich generell an keine konkreten Begegnungen mit dem 2019 in Haft verstorbenen Finanzinvestor und könne keine zusätzlichen Informationen zu den Ermittlungen beitragen. 

Die Befragung vor einem Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses ist Teil einer politischen Aufarbeitung des Missbrauchs- und Sexhandelsnetzwerk Epsteins. Sie fand am Donnerstag hinter verschlossenen Türen in Chappaqua, einer Gemeinde im US-Bundessaat New York, in der sie mit ihrem Mann, Ex-Präsident Bill Clinton lebt, statt. 

Die Clintons hatten eine Aussage zuvor monatelang verweigert. Der republikanisch geführte Ausschuss unter Vorsitz von James Comer hatte daraufhin ein Verfahren wegen Missachtung des Kongresses angestoßen, woraufhin die Clintons schließlich einer persönlichen Befragung zugestimmt hatten. Demokraten werfen Comer vor, ein politisch motiviertes Verfahren zu betreiben.

Kampf gegen Sexhandel kein "politisches Schlagwort"

In ihrem Statement hob Hillary Clinton ausführlich ihr langjähriges Engagement gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung hervor. Als Senatorin und später als Außenministerin sei die Unterstützung internationaler Programme zur Bekämpfung von Sexhandel und die Stärkung von Opferschutzinitiativen zentrales Anliegen ihrer Arbeit gewesen, nicht nur ein "politisches Schlagwort". 

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump habe hingegen beim Schutz von Betroffenen Rückschritte gemacht. Sie warf den Republikanern vor, mit der jetzigen Befragung von dem Umgang mit den sogenannten Epstein-Akten ablenken zu wollen. Der Ausschuss solle stattdessen die vollständige Veröffentlichung der Unterlagen vorantreiben.

Am Freitag wird Bill Clinton befragt

Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Der New Yorker Finanzier verfügte über beste Kontakte in Politik, Wirtschaft und High Society im In- und Ausland. Er starb 2019 in einer Gefängniszelle. Seine langjährige Vertraute und Komplizin Ghislaine Maxwell verbüßt eine Haftstrafe wegen Sexhandels. Comer betonte vor Beginn der Befragung, derzeit werde den Clintons kein Fehlverhalten vorgeworfen. Man wolle klären, wie Epstein zu Einfluss und Reichtum gekommen sei und welche Netzwerke ihn geschützt hätten.

Trump unterzeichnete im November 2025 ein vom Kongress mit großer Mehrheit beschlossenes Gesetz zur Veröffentlichung der Epstein-Akten, nachdem er sich zuvor lange gegen eine Freigabe ausgesprochen hatte. Immer wieder lenkte der Republikaner die Aufmerksamkeit auf Bill Clinton und behauptete ohne Belege, dieser habe Epsteins Privatinsel besucht. Die Clintons weisen das zurück. Bill Clinton soll am Freitag ebenfalls hinter verschlossenen Türen aussagen.

Foto sorgt für Unterbrechung

Die Befragung wurde zu Beginn kurz unterbrochen, nachdem der rechtsgerichtete Kommentator Benny Johnson ein Foto aus dem Raum in den sozialen Medien veröffentlicht hatte. Clintons Berater Nick Merrill sagte Medienberichten zufolge, es werde geprüft, wie das Bild nach außen gelangen konnte und ob dabei Hausregeln verletzt wurden. 

Auch das Justizministerium selbst steht unter Druck. Demokratische Abgeordnete prüfen, ob im Zuge der Veröffentlichung der Millionen Seiten umfassenden Akten FBI-Vernehmungsprotokolle oder andere Dokumente – darunter Unterlagen zu Vorwürfen gegen Trump – zurückgehalten wurden. Das Ministerium bestreitet dies und erklärte, es seien lediglich doppelte, privilegierte oder laufende Ermittlungen betreffende Dokumente nicht veröffentlicht worden. Sollten Unterlagen irrtümlich falsch gekennzeichnet worden sein, würden sie nach Prüfung veröffentlicht. Trump bestreitet jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein. (dpa)

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