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Israel und Iran wollen Angriffe vorerst einstellen

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Israel und der Iran haben sich erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe im April wieder unter Feuer genommen. Nun erklären beide Seiten, die Angriffe einzustellen. Die Lage bleibt angespannt.

Tel Aviv/Teheran.

Nach der jüngsten Eskalation zwischen dem Iran und Israel wollen beide Länder ihre Angriffe vorerst einstellen. Israel werde die Angriffe auf Wunsch von US-Präsident Donald Trump einstellen, sagte ein israelischer Regierungsvertreter dem Nachrichtenportal "ynet". Eine mit der Angelegenheit vertraute israelische Quelle bestätigte der Deutschen Presse-Agentur die Berichte auf Anfrage. Zuvor hatte Irans Militärführung ihre Angriffe gegen Israel für beendet erklärt.

Zuvor drohten die Kampfhandlungen, die Hoffnungen auf eine von US-Präsident Trump angestrebte Vereinbarung zur Beilegung des Konflikts in der Region zunichtezumachen. Der Republikaner selbst bestand in mehreren Posts jedoch darauf, dass weiter an einer baldigen Lösung des Konflikts gearbeitet werde.

Israel und Iran überziehen sich mit heftigen Angriffen

Seit den frühen Morgenstunden flog das israelische Militär nach eigenen Angaben mehrere Angriffe auf den Iran und reagierte damit auf den vorherigen Raketenbeschuss aus Teheran. Die Armee sprach von einem "großangelegten Angriff". Dutzende israelische Kampfflugzeuge hätten dabei "strategische Verteidigungssysteme" der iranischen Führung ins Visier genommen. Im Südwesten des Irans sei zudem eine Anlage der petrochemischen Industrie angegriffen worden. 

Der Iran antwortete wiederum mit mehreren Angriffswellen. In vielen Orten im Norden, Süden und Zentrum Israels heulten die Sirenen. Die Einwohner waren aufgerufen, sich in Schutzräume zu begeben. In den betroffenen Gegenden waren Medienberichten zufolge Explosionen zu hören, während die Luftabwehr versuchte, anfliegende iranische Geschosse noch in der Luft abzufangen. Der Iran habe seit Sonntagabend bislang mehr als 20 ballistische Raketen Richtung Israel gefeuert, hieß es aus israelischen Armeekreisen.

Iran erklärt Angriffe für beendet

Am Nachmittag erklärte die iranische Militärführung dann ihre Angriffe gegen Israel für beendet. Die Islamische Republik habe zur Unterstützung des Libanons Israel eine "schmerzhafte Antwort" erteilt, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der Militärführung. "Vor diesem Hintergrund wird die Einstellung der Operationen der Streitkräfte bekanntgegeben."

Sollten die Kampfhandlungen weitergehen, darunter Israels Angriffe im Südlibanon, würden "härtere und vernichtendere Maßnahmen als bisher" erfolgen, drohte Irans militärisches Hauptquartier Chatam al-Anbjia. Kurz darauf erfolgten neue Angriffe der israelischen Armee im Süden des Libanons. Die Hisbollah feuerte ihrerseits Raketen auf dort stationierte israelische Soldaten. 

Die Schiiten-Miliz Hisbaollah ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete des Irans.
Die Schiiten-Miliz Hisbaollah ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete des Irans. Bild: Vahid Salemi/AP/dpa

Iran sperrt Luftraum bis auf weiteres

Der Iran sperrte unterdessen seinen kompletten Luftraum. Das Flugverbot gelte bis auf weiteres, hieß es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Sämtliche Verbindungen an allen iranischen Flughäfen seien gestrichen.

Iranischen Angaben zufolge wurden bei Israels Luftangriffen 15 Menschen verletzt, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf die Rettungsdienste des Landes berichtete. Es gebe bislang keine Toten infolge der Angriffe. 14 der Verletzten stammten demnach aus der Provinz Chusestan im Landessüden. Einer der Verletzten stammte aus der Hauptstadt Teheran. 

Trump: Verhandlungen gehen weiter

US-Präsident Trump hatte zuvor auf seiner Plattform Truth Social den Iran und Israel aufgefordert, die Angriffe sofort einzustellen. Wenig später teilte er mit, beide Seiten würden einen "sofortigen Waffenstillstand" in Betracht ziehen. Die Verhandlungen für eine Friedenslösung würden fortgesetzt, dabei solle es "schnell vorangehen". Die Seeblockade der Straße von Hormus werde solange aufrechterhalten, postete Trump.

Der Iran begründete seine ersten Angriffe am Sonntagabend mit "wiederholten Verstößen" der israelischen Armee gegen die separat vereinbarte, aber bislang äußerst brüchige Waffenruhe im Libanon. Konkret reagierte der Iran damit auf Angriffe Israels in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut. Israel nahm dabei nach eigenen Angaben als Reaktion auf Beschuss durch die Hisbollah "Terroristen-Hauptquartiere" ins Visier. Die Schiiten-Miliz ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete des Irans.

Zwei brüchige Waffenruhen

Israel und der Libanon hatten sich vergangenen Donnerstag auf einen neuen Anlauf zur Umsetzung der Waffenruhe in dem Konflikt geeinigt. Bedingung war unter anderem, dass die Hisbollah ihre Angriffe auf Israel vollständig einstellt. Die Miliz selbst war nicht an den Gesprächen beteiligt, lehnte die Vereinbarung strikt ab und setzte die Angriffe auf Israel fort. Die libanesische Regierung ist keine Konfliktpartei in dem Krieg und hat nur sehr begrenzten Einfluss auf die Hisbollah.

Neben der brüchigen Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon besteht seit dem 8. April eine zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Waffenruhe. Am 28. Februar hatten die USA und Israel ihren Krieg gegen den Iran begonnen.

Verhandlungen zwischen USA und Iran gefährdet?

Trump strebt ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran an, um den Konflikt langfristig zu beenden. Die jüngsten Entwicklungen sind jedoch eine große Belastungsprobe für die Verhandlungen. Trump spielte die Folgen bisher herunter und sagte, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu müsse ein Abkommen außerdem akzeptieren. "Ich habe das Sagen. Ich habe das alleinige Sagen", sagte Trump der "Financial Times".

US-Präsident Trump hatte zuvor auf seiner Plattform Truth Social den Iran und Israel aufgefordert, die Angriffe sofort einzustellen.
US-Präsident Trump hatte zuvor auf seiner Plattform Truth Social den Iran und Israel aufgefordert, die Angriffe sofort einzustellen. Bild: Mahmoud Illean/AP/dpa

Mit Blick auf die zweite Waffenruhe sollten die Verhandlungen zwischen Israel und dem Libanon unter US-Vermittlung in Washington weitergehen. Das sagte der US-Botschafter im Libanon, Michael Issa, laut einer Mitteilung von Libanons Präsident Joseph Aoun bei einem gemeinsamen Treffen.

Israel auf längeren Krieg mit Iran vorbereitet

Israels Militär hatte sich zunächst auf einen mindestens mehrtägigen Konflikt mit dem Iran eingestellt. Den Angaben zufolge arbeitet das Land mit den USA bei der Abwehr des iranischen Raketenbeschusses zusammen, die Angriffe auf Ziele im Iran führe Israels Armee jedoch alleine aus.

Unterdessen setzte Israel seine Angriffe im benachbarten Libanon fort. Die israelische Luftwaffe habe dort mehrere Orte im Süden bombardiert, berichtete die Staatsagentur NNA. Im Umfeld der Stadt Nabatija seien dabei mindestens vier Menschen getötet worden. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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