In Lettland hatten die Behörden die Bewohner mehrerer Regionen im Osten des Landes über eine mögliche Bedrohung des Luftraums informiert. (Archivbild)
In Lettland hatten die Behörden die Bewohner mehrerer Regionen im Osten des Landes über eine mögliche Bedrohung des Luftraums informiert. (Archivbild) Bild: Alexander Welscher/dpa
Welt
Lettland: Nato-Kampfjets schießen Drohne ab

Freie Presse auf Google News folgen

In den Luftraum von Lettland waren zuletzt wiederholt fehlgeleitete ukrainische Drohnen eingedrungen. Nun flog erneut ein Flugobjekt über das Gebiet des Baltenstaats - und wurde vom Himmel geholt.

Riga.

  Nato-Kampfjets haben über Lettland eine Drohne abgeschossen, die in den Luftraum des baltischen EU- und Nato-Landes eingedrungen war. Französische Rafale hätten das Flugobjekt vom Himmel geholt, teilten die Streitkräfte des an Russland und Belarus grenzenden Landes und die französische Luftwaffe mit. 

Nach Armeeangaben soll es sich dabei um ein ausländisches Flugobjekt gehandelt haben, das infolge "russischer elektromagnetischer Kriegsführung" in den lettischen Luftraum eingedrungen war. Nähere Angaben zur Herkunft und Art des Flugkörpers gab es zunächst nicht.

Keine Verletzte oder Schäden gemeldet

Der Abschuss erfolgte um 10:05 Uhr Ortszeit über der Gemeinde Berzgale nahe Rezekne im Osten des Landes, teilte Brigadegeneral Kaspars Zdanovskis auf einer Pressekonferenz mit Verteidigungsminister Raivis Melnis mit. Auch der genaue Absturzort sei noch unklar. Berichte über Verletzte oder Schäden gab es demnach zunächst nicht. Die Suche nach Trümmerteilen laufe. Anwohner berichteten im lettischen Rundfunk, dass Kampfjets mehrmals über das Gebiet geflogen seien und sie später dann eine laute Explosion gehört hätten.

In Lettland hatten die Behörden zuvor die Bewohner mehrerer Regionen im Osten des Landes über eine mögliche Bedrohung des Luftraums informiert. In zwei davon wurde die Bevölkerung aufgefordert, Schutz zu suchen. Der Alarm wurde nach dem Abschuss der Drohne aufgehoben - ebenso wie eine kurze Zeit später erfolgte Benachrichtigung über eine weitere mögliche Bedrohung. 

Regierungschef dankt Armee und Nato

Lettlands Regierungschef Andris Kulbergs dankte der lettischen Armee und den Nato-Verbündeten für ihren Einsatz. Dank "schneller Entscheidungen und professionellem Handelns" habe eine nach Lettland eingeflogene Drohne erstmals erfolgreich abgeschossen werden können, schrieb er auf X. Zuvor hatten Nato-Kampfjets am 19. Mai eine Drohne über dem benachbarten Estland vom Himmel geholt.

Nach einem Treffen mit seinem estnischen Amtskollegen Kristen Michal in Tallinn sagte Kulbergs, dass die Nato-Luftraumüberwachung funktioniere. Beide Regierungschefs räumten aber auch ein, dass der Einsatz von Kampfjets zur Bekämpfung von Drohnen kostspielig und nicht nachhaltig sei. Lettland will daher bei der Drohnenabwehr auf die Hilfe von ukrainische Experten setzen, die Kulbergs zufolge in den kommenden Wochen in Riga eintreffen sollen.

Estland, Lettland und Litauen besitzen keine eigenen Kampfjets. Die Nato sichert deshalb bereits seit 2004 den baltischen Luftraum. Dazu verlegen die Verbündeten im regelmäßigen Wechsel Kampfflugzeuge samt Personal in die Ostseestaaten im Nordosten Europas. Die französischen Jets vom Typ Rafale sind auf dem Militärflughäfen Siauliai (Litauen) stationiert. 

Wiederholte Drohnenvorfälle

Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren mehrfach fehlgeleitete unbemannte Flugkörper in den Luftraum des Baltenstaats eingedrungen und abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte. 

Größere Schäden oder Verletzte gab es dabei nicht. Die Vorfälle lösten aber eine politische Krise in Lettland aus und führten zu einem Regierungswechsel. Das neue Kabinett unter Kulbergs ist seit wenigen Tagen im Amt - die Reise nach Estland war sein erster Auslandsbesuch. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
13:01 Uhr
4 min.
Vietnamesen sollen Fachkräftemangel im Vogtland lindern: „Zu Hause ist da, wo man sich wohlfühlt“
Vietnamesen sollen Fachkräftemangel im Vogtland lindern: „Zu Hause ist da, wo man sich wohlfühlt“ - Chuyen Hoang (links) und Thu Nguyen (rechts) aus Vietnam machen ihre Ausbildung im Vogtland. In der Mitte Hoangs Ausbilderin Madeleine Gläß von S & S Electronic in Klingenthal.
Aus Vietnam ins Vogtland: Für viele Asiaten ist das ein Kulturschock. Eine vogtländische Initiative macht sich dafür stark, jungen Talenten das Ankommen zu erleichtern und Unternehmen neue Fachkräfte zu sichern.
Jana Wejkum
08:22 Uhr
2 min.
Polizeieinsatz nach Vorfall bei OB-Wahl: Stimmen-Auszählung in Wahllokal in Bad Schlema unterbrochen
Polizeieinsatz nach Vorfall bei OB-Wahl: Stimmen-Auszählung in Wahllokal in Bad Schlema unterbrochen - Die Polizei wurde zum Wahllokal nach Bad Schlema gerufen.
Ein uneinsichtiger Wahlbeobachter hat am Sonntag in einem Wahllokal in Bad Schlema dafür gesorgt, dass das Auszählen der Stimmen unterbrochen wurde. Hat das Konsequenzen?
Heike Mann
16:31 Uhr
5 min.
AOK beklagt zu viel Physiotherapie und fordert Qualitätskontrollen
AOK beklagt zu viel Physiotherapie und fordert Qualitätskontrollen - Physiotherapie ist das häufigste verschriebene Heilmittel in Deutschland.
Die Heilmittelausgaben sind enorm gestiegen. 14,7 Milliarden Euro zahlten gesetzliche Kassen für Physio-, Ergo- und Ernährungstherapie, für Logopädie und Podologie. Sorgen machen dabei zwei Dinge.
Sylvia Miskowiec
14.05.2026
3 min.
Drohnen-Streit: Lettlands Regierungschefin tritt zurück
Drohnen-Streit: Lettlands Regierungschefin tritt zurück - Siliņa bei einer Pressekonferenz (Archivbild).
In Lettland hat der Streit über den Rücktritt des Verteidigungsministers wegen Drohnenvorfällen an der Grenze zu Russland eine politische Krise ausgelöst. Die Regierungschefin wirft deshalb hin.
16:32 Uhr
1 min.
Fan-Vergehen kosten den HSV 153.000 Euro
Fan-Vergehen kosten den HSV 153.000 Euro - HSV-Fans hatten während des Spiels bei Borussia Dortmund viel Pyrotechnik abgebrannt. (Archivbild)
Während des Spiels bei Borussia Dortmund haben Fans des Hamburger SV im Gästeblock viel gezündelt. Das wird nun teuer für den Club.
20.05.2026
4 min.
Spannungen zwischen Moskau und dem Baltikum wachsen
Spannungen zwischen Moskau und dem Baltikum wachsen - Die baltischen Staaten sehen sich durch Russland gefährdet und bereiten sich aktiv und mit hohen Militärausgaben auf eine mögliche Aggression vor. (Archivbild)
Russland beschuldigt die baltischen Staaten, ukrainische Drohnenangriffe zu unterstützen. Es droht mit Vergeltung. Doch die drei EU- und Nato-Länder lassen sich nicht einschüchtern - im Gegenteil.
Alexander Welscher und Friedemann Kohler, dpa
Mehr Artikel