Nato: Trotz Corona an mehr Verteidigungsausgaben festhalten

Die Coronakrise belastet die Wirtschaft rund um den Globus. Dennoch sollten die Nato-Staaten mehr in ihre Verteidigung investieren, fordert Generalsekretär Jens Stoltenberg. Dies mache sich auch in Zeiten der Krise bezahlt.

Brüssel (dpa) - Ungeachtet erheblicher Belastungen durch das Coronavirus für die Volkswirtschaften hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Nato-Staaten zu höheren Verteidigungsausgaben aufgerufen.

«Ich erwarte, dass die Alliierten sich weiterhin dazu bekennen, mehr in unsere Sicherheit zu investieren», sagte der Norweger am Donnerstag in Brüssel.

Ausgaben in die eigene Sicherheit machten sich auch in Situationen wie der Coronakrise bezahlt. In vielen Nato-Staaten unterstützten die Streitkräfte die Zivilgesellschaft im Kampf gegen Covid-19 - etwa bei Grenzkontrollen oder durch Feldlazarette, sagte Stoltenberg. Zugleich erkannte er an, dass diese Krise zumindest kurzfristig erhebliche Auswirkungen auf die Haushalte der Staaten haben werde. Die langfristigen Folgen seien noch nicht absehbar.

Die Nato-Staaten hatten auf ihrem Gipfel in Wales 2014 beschlossen, sich in den nächsten zehn Jahren dem Ziel anzunähern, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Deutschland hat die Ausgaben 2019 deutlich gesteigert und lag bei 1,38 Prozent. Bis 2024 sollen es 1,5 Prozent sein. Vor allem US-Präsident Donald Trump hatte Berlin immer wieder wegen zu geringer Verteidigungsausgaben attackiert.

2019 wuchsen die Verteidigungsausgaben der europäischen Nato-Staaten sowie Kanadas dem am Donnerstag vorgelegten Jahresbericht zufolge zum fünften Mal in Folge. Im Vergleich zum Vorjahr gab es demnach einen Zuwachs um 4,6 Prozent. Neun Länder hätten das Zwei-Prozent-Ziel erreicht - 2018 seien es nur drei gewesen. Dazu gehören neben den USA (3,42 Prozent) auch Bulgarien (3,25 Prozent), Großbritannien (2,14 Prozent), Litauen (2,03 Prozent) und Polen (2,0 Prozent).

Die Nato-Staaten hätten sich entschieden, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen, «weil wir in einer unsicheren, unvorhersehbareren Welt leben», sagte Stoltenberg. «Das hat sich nicht geändert.»

Allerdings hat die Coronakrise auch Auswirkungen auf die Nato. Einige Übungen seien angepasst oder abgesagt worden, sagte Stoltenberg. Dies habe jedoch nichts daran geändert, dass die Nato jederzeit einsatzbereit sei. Bislang gebe es keine Fälle von Covid-19 bei den Missionen etwa im Kosovo oder in Afghanistan. Die Trainingsmission in Afghanistan kündigte am Donnerstag jedoch an, zunächst keine Soldaten mehr dorthin zu senden, wie Kommandeur Scott Miller mitteilte.

Auf Nachfrage teilte die Nato zudem mit, dass die Mission im Irak seit kurzem ihre Ausbildungsaktivitäten ausgesetzt habe. Die Mission war bereits im Januar aufgrund der gestiegenen Spannungen im Nahen Osten pausiert worden, hatte aber vor rund einer Woche ihre Arbeit wieder aufgenommen.

In welcher Form das für den 2. und 3. April geplante Treffen der Nato-Außenminister in Brüssel stattfinden wird, ließ Stoltenberg am Donnerstag offen. Dazu gebe es noch keine endgültige Entscheidung. In Belgien herrscht bis zum 5. April eine weitgehende Ausgangssperre.


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10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    kartracer
    23.03.2020

    Kein Beitrag könnte unpassender sein, als Stoltenbergs ignorante Gedankengänge! Ich finde das einfach abartig!
    Nicht ein Cent gehört jetzt in irgendwelche militärische Ressourcen, denn die derzeit gefährlichste Waffe ist unsichtbar und verschwindend klein, und Hilfen sollten auf globaler Ebene ausschließlich gegen diesen Virus eingesetzt werden.
    Ist schon mal jemanden der Gedanke gekommen, daß eine solche WAFFE auch gezielt entwickelt und eingesetzt werden könnte???
    Dagegen helfen weder Bomben, Raketen noch eine schlagkräftige Armee!
    Ich möchte das keinem Land und keinem Machthaber unterstellen, aber die Möglichkeit dazu, haben so Einige.
    Man darf das gerne als Verschwörungstheorie bezeichnen, aber real dürfte es dennoch sein.
    Bisher hat noch kein Ereignis, eine derart globale Auswirkung gehabt, deshalb sollte und muß jegliche Kraft in die Bekämpfung und Aufarbeitung dieser Situation
    investiert werden, die Auswirkungen werden ohnehin einem virtuellen Krieg sehr ähnlich sein.

  • 2
    3
    franzudo2013
    22.03.2020

    Mein Gott, das ist doch kein Problem, wenn die Bundeswehr Krankenhäuser baut
    In der aktuellen Lage würde ich sowieso sofort die Wehrpflicht wieder einführen.

  • 4
    0
    j35r99
    22.03.2020

    Einspruch: gehen Sie nicht so streng mit Herrn Stoldenberg ins Gericht.
    Er stammt schließlich von den Wikingern ab und die waren schon mal vor Moskau.

  • 8
    1
    Einspruch
    22.03.2020

    Herr Stoltenberg, wen oder was wollen wir denn verteidigen, wenn alles pleite ist oder die Hälfte verstorben? Im Geschichtsbuch steht dann später: sie hatten Unmengen an Panzern und Raketen, aber keine Schutzmöglichkeiten vor einem Virus. Der Feind, wenn man es so nennen kann, ist mikroskopisch klein und wird im Krankenhaus bekämpft, nicht auf dem Schlachtfeld.

  • 5
    1
    OlafF
    22.03.2020

    Nicht noch mehr Waffen und Panzer sondern die Einsetzung der Wehrpflicht. Den Altenpfleger*innen geht sonst irgendwann die Puste aus. Und in Krisenzeiten hat die Hilfe der Bundeswehr den jungen gezeigt, was eine Gesellschaft zusammenhält. Nicht nur bei Partys am Elbufer, sondern bei Hochwasserhilfseinsätzen und als Zivis in Pflegeheimen! Patriotismus ist keine Schande. Individealismus auch nicht. Aber alles zu seiner Zeit.

  • 12
    0
    Malleo
    21.03.2020

    Der Mann ist unerträglich.
    Solche Meldungen brauchen die Menschen jetzt.
    Das Geld ist im Gesundheitswesen und der Forschung viel besser aufgehoben!!

  • 9
    1
    Freigeist14
    21.03.2020

    Wenn nun in den NATO-Staaten die Wirtschaftsleistungen einbrechen , dürfte die 2-Prozent Absicht ( nicht Ziel !) leicht zu erreichen sein ...... Nur hoffentlich reifte bis da die Erkenntnis ,das der unsichtbare Feind in den Krankenhäusern die Mehrausgaben viel nötiger gehabt hätte ..............

  • 9
    1
    Hanneswbg
    21.03.2020

    Für mich ein Zeichen das die aktuelle Virus Krise nur ein Nebenkriegsschauplatz ist, sollte dies überwunden sein, geht alles weiter wie bisher, weil sehr viele menschen immer noch nicht lernfähig sind. Der Mensch stellt sich als das am höchsten entwickelte Lebewesen darf, ironischer geht`s wohl nicht!

  • 15
    1
    Lesemuffel
    20.03.2020

    Dass ein Norweger sich zum härtesten Sprecher der US-Rüstungsinteressen macht, ist ein merkwürdiges Phänomen. Es spricht die Angst heraus, dass das Virus die Extraprofite gefährden könnte, weil die Völker momentan andere Sorgen haben, als den inszenierten Gegnerschaften zu folgen.

  • 19
    1
    Freigeist14
    19.03.2020

    "Das macht sich auch in Zeiten der Krise bezahlt ." .... für Krauss-Maffei -Wegmann, Rheinmetall , Thyssen -Krupp und Lockheed . Möge er doch einfach schweigen .....