Prominente fordern medizinische Hilfe für Nawalny

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J.K. Rowling, Benedict Cumberbatch und Herta Müller gehören zu den mehr als 70 Unterzeichnern eines Briefs an Russlands Präsidenten Putin. Darin fordern sie medizinische Hilfe für Nawalny.

Moskau (dpa) - Mehr als 70 Prominente aus aller Welt haben in einem offenen Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin eine medizinische Behandlung für den im Straflager inhaftierten Kremlgegner Alexej Nawalny gefordert.

Darin heißt es mit Blick auf seine Erkrankung: «Als russischer Staatsbürger hat er das Recht, von einem Arzt seiner Wahl untersucht und behandelt zu werden.» Der Appell wurde am Samstag in mehreren europäischen Tageszeitungen wie «Le Monde» abgedruckt.

Unterzeichnet haben ihn unter anderen die Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling, die drei Literatur-Nobelpreis-Trägerinnen Herta Müller, Louise Glück und Swetlana Alexijewitsch, Abba-Mitglied Björn Ulvaeus, die Schauspieler Benedict Cumberbatch und Kristin Scott Thomas sowie die Historiker Niall Ferguson und Simon Schama.

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch warnte bei Facebook, dass der Oppositionspolitiker sterben könnte. Normalerweise sollte man vorsichtig mit dem Worten sterben sein. «Aber Alexej stirbt. In seinem Zustand ist es nur eine Frage von Tagen.» An den Wochenenden könnten seine Anwälte keinen Kontakt aufnehmen. «Niemand weiß, was am Montag passiert», schrieb Jarmysch.

Nawalny befindet sich seit Tagen im Hungerstreik, um so einen Arztbesuch durchzusetzen. Ihm droht nun eine Zwangsernährung. Der 44-Jährige klagte zuletzt über Rückenleiden, Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen, Fieber und Husten. Seine Familie, Anwälte und Unterstützer zeigten sich besorgt.

Das Team um seine Ärztin Anastassija Wassiljewa warnte, dem 44-Jährige drohe ein Herzinfarkt. Es lägen die Ergebnisse der Blutuntersuchung des Oppositionellen vor. Die Kaliumwerte seien kritisch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass es nun zu einem Nierenversagen oder zu Herzrhythmusstörungen kommen könne. In einem Brief an Russlands Gefängnischef forderte die Ärztin einmal mehr Zugang zu dem Oppositionellen.

Nawalny befinde sich in einem kritischen Zustand, heißt es auch in dem Schreiben an Putin. «Herr Präsident, wir fordern Sie auf, dafür zu sorgen, dass Alexej Nawalny unverzüglich die medizinische Behandlung und Pflege erhält, die er dringend benötigt - und ihm nach russischem Recht zusteht. Von Russland gewählt und als Garant des Gesetzes, ist es Ihre Aufgabe, dies zu tun.»

Nawalny hatte im August einen Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok überlebt und war in Deutschland behandelt worden. Er beklagt, dass der Einsatz des verbotenen chemischen Kampfstoffs gegen einen russischen Bürger in seiner Heimat nicht untersucht werde. Mehrere Labore in der EU hatten das Gift nachgewiesen.

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33 Kommentare
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  • 11
    5
    Krümelköchin
    18.04.2021

    Es gibt doch nicht nur einen Regierungskritiker in der Welt. Warum wird um diesen Einen soviel Aufhebens gemacht und um die anderen nicht? Was mischt man sich hier ein und anderswo nicht? Wo ist der Einsatz für Leben und Gesundheit der anderen? Sind die das nicht wert?

  • 14
    6
    Hinterfragt
    18.04.2021

    Welch Doppelmoral!
    Gerade Frau J.K. Rowling sollte mal vor die eigen Haustür schauen!

    “… Wenn es um Bürgerblogger in China, Demonstranten in Belarus oder Oppositionelle in Russland geht, dann ist die EU sofort zur Stelle. Der Außenbeauftragte Borrell oder Justizkommissarin Jourova erheben ihre Stimme, Sanktionen folgen auf dem Fuße. Doch im Fall Assange – nichts! Nicht einmal das Europaparlament hält es für nötig, sich mit dem Wikileaks-Gründer solidarisch zu erklären oder das Gerichtsurteil aus London zu kommentieren. ...
    Der Australier ist schon jetzt in einem miserablen gesundheitlichen Zustand. Doch die EU rührt keinen Finger. Das sei ein schwerer Fehler, meint die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin...."

    Alles unter:
    https://www.labournet.de/interventionen/solidaritaet/whistleblower-debatte-anlaesslich-julian-assange/

  • 7
    12
    Inke
    18.04.2021

    Putin ist ein skrupelloser Antidemokrat. Dies wird jetzt immer deutlicher. Er geht innen- und außenpolitisch auf volles Risiko. Er scheut dabei auch keine Opfer. Wenn Nawalny verstirbt, könnte sich Rußland zu einem Pulverfass entwickeln.