Wirbt um frisches Geld für US-Waffen für die Ukraine: Nato-Generalsekretär Mark Rutte.
Wirbt um frisches Geld für US-Waffen für die Ukraine: Nato-Generalsekretär Mark Rutte. Bild: Virginia Mayo/AP/dpa
Welt
Rutte erwartet von Alliierten neue Milliarden für US-Waffen

Für wie viel Geld sollen Deutschland und andere Alliierte im nächsten Jahr in den USA Waffen für die Ukraine kaufen? Nato-Generalsekretär Mark Rutte nennt jetzt eine Zahl.

Brüssel.

Angesichts ausbleibender Fortschritte in den Gesprächen mit Russland sollen Deutschland und andere Nato-Staaten auch im kommenden Jahr für mindestens eine Milliarde US-Dollar (0,9 Mrd. Euro) pro Monat amerikanische Waffen und Munition für die Ukraine kaufen. Es gehe um den Erwerb von entscheidender Ausrüstung, zu der etwa Abfangraketen für Luftverteidigungssysteme, aber auch offensive Systeme zählten, erklärte Nato-Generalsekretär Mark Rutte bei einem Treffen mit den Außenministern der Bündnisstaaten in Brüssel. Insgesamt könnten etwa 15 Milliarden US-Dollar gebraucht werden.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte am Rande der Beratungen an, dass Deutschland für zwei neue Pakete mit US-Rüstungsgütern für die Ukraine insgesamt 200 Millionen Dollar (rund 172 Mio. Euro) bereitstellen wird. Sie werden gemeinsam mit Polen, Norwegen und den Niederlanden geschnürt und kommen zu einem bereits finanzierten 500-Millionen-Dollar-Paket hinzu. Für 2026 zählen diese Beiträge allerdings nicht, da sie für die Bedarfsdeckung in diesem Jahr gebraucht werden.

Trump will, dass Alliierte zahlen

Die US-Rüstungsgüter werden über die sogenannte Purl-Initiative beschafft. Sie war in diesem Sommer gestartet worden, um Forderungen von US-Präsident Donald Trump nachzukommen. Dieser ist der Ansicht, dass die USA in der Vergangenheit einen deutlich zu großen Anteil an der Ukraine-Unterstützung hatten und will nun, dass die anderen Alliierten für weitere US-Militärhilfen zahlen.

Die Initiative sieht dafür vor, dass in den USA hergestellte Munition und Waffen an die europäischen Verbündeten und Kanada verkauft werden – und diese sie dann der Ukraine zur Verfügung stellen. Purl steht für "Prioritised Ukraine Requirements List". Auf Deutsch bedeutet das etwa: Priorisierte Bedarfsliste für die Ukraine. 

Ausgang von aktuellen Ukraine-Gesprächen ist ungewiss

Rutte sagte bei dem Außenministertreffen, es gehe bei der Unterstützung darum, dass die Ukraine aus der bestmöglichen militärischen Lage heraus mit Russland über ein Ende des Krieges verhandeln kann. Es sei gut, dass Gespräche liefen, aber man müsse sicherstellen, dass die Ukraine während dieser Gespräche in der stärksten möglichen Position sei und den Kampf gegen die Russen so lange wie nötig fortsetzen könne. Er verwies dabei auch darauf, dass der Ausgang der aktuellen Gespräche ungewiss sei.

Wadephul äußerte sich noch deutlich pessimistischer. Er sagte, man begrüße alle Gespräche, die das Ziel hätten, den Krieg zu beenden. Zum jetzigen Zeitpunkt sehe man aber überhaupt keinen ernsthaften Willen auf russischer Seite, in einen Verhandlungsmodus zu gehen. Deswegen sei man bereit, die Ukraine weiter zu unterstützen.

Sieht in Moskau keine Verhandlungsbereitschaft: der deutsche Außenminister Johann Wadephul (l).
Sieht in Moskau keine Verhandlungsbereitschaft: der deutsche Außenminister Johann Wadephul (l). Bild: Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa

Absage von Rubio überschattet Nato-Treffen

Überschattet wurde das Außenministertreffen in Brüssel von der Absage von US-Außenminister Marco Rubio, der sich von seinem Vize Christopher Landau vertreten ließ. Ein triftiger Grund für die Absage Rubios wurde zunächst nicht genannt. Ein Sprecher des US-Außenministeriums teilte lediglich mit, es wäre völlig unrealistisch, Rubio bei jedem Treffen zu erwarten. Der Minister habe bereits an Dutzenden Treffen mit Nato-Verbündeten teilgenommen und dank der starken und visionären Führung von US-Präsident Donald Trump sei die Nato bereits vollständig "revitalisiert", hieß es aus Washington.

Dass ein US-Außenminister nicht persönlich an einem formellen Nato-Außenministertreffen teilnimmt, ist höchst ungewöhnlich. So schrieb die langjährige frühere Nato-Sprecherin Oana Lungescu (2010-2023) nach dem Bekanntwerden erster Gerüchte über eine Absage im sozialen Netzwerk X, sie könne sich an nichts Vergleichbares in der jüngeren Geschichte erinnern. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
11.12.2025
4 min.
Rutte bei Merz in Berlin: "Wir sind Russlands nächstes Ziel"
Kanzler Merz und Nato-Generalsekretär Rutte treten gemeinsam vor die Presse.
Der Kanzler und der Nato-Generalsekretär stimmen die Deutschen auf schwerere Zeiten ein. Sie beschwören die Einigkeit der Nato, aber für Verteidigung müsse mehr getan werden.
15.12.2025
5 min.
Hilfe, mein Arbeitgeber ist insolvent
Schluss, aus, Ende? Geht der Arbeitgeber in Insolvenz, haben Betroffene viele Fragen.
Was passiert mit Gehalt, Urlaub und Kündigungsfristen, wenn der Arbeitgeber pleite ist? Expertinnen geben Antworten auf die wichtigsten Fragen für Beschäftigte.
von Anke Dankers, dpa
15.12.2025
2 min.
Überstunden bei Vertrauensarbeitszeit – was gilt?
Auch bei der Vertrauensarbeitszeit können Überstunden entstehen.
Bei Vertrauensarbeitszeit sind Überstunden möglich, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Ein Arbeitsrechtsexperte erklärt die Regeln.
02.12.2025
3 min.
Anwesenheit unnötig: Rubio sagt Teilnahme an Nato-Treffen ab
US-Außenminister Marco Rubio verzichtet auf eine Reise nach Brüssel. (Archivbild)
Dass ein US-Außenminister sich bei einem formellen Nato-Treffen ohne triftigen Grund vertreten lässt, hat Seltenheitswert. Setzt Marco Rubio inmitten der neuen Ukraine-Verhandlungen ein Zeichen?
17:51 Uhr
4 min.
Konzert mit Stefanie Hertel in Rodewisch: Wenn die Feuerwehr mit Atemschutz anrückt
Stefanie Hertel, Johanna Mross und Lanny Lanner bei ihrem Auftritt im Ratskellersaal Rodewisch.
Die Brandschutzmängel im Ratskellersaal hatten das Konzert zur Zitterpartie werden lassen. Am Freitag fand es nun statt - mit Auflagen, die der Rodewischer Wehrleiter auf der Bühne erklärte.
Sylvia Dienel
13.12.2025
4 min.
„Ich kenne es ja nicht anders“: Wie eine 16-Jährige mit ihrem schwerbehinderten Bruder umgeht
Carina Czok mit ihrem Bruder Toni.
„Leser helfen“ in Glauchau: Die Familie von Tony hat einen aufwendigen und schweren Alltag. In den ist auch seine 16-jährige Schwester eingebunden. Doch sie hat ihre eigene Strategie.
Stefan Stolp
Mehr Artikel