Syrien-Konflikt: Deutschland sagt für Opfer Milliarden zu

Millionen Syrer sind auf humanitäre Hilfe angewiesen und auf der Flucht. Kann die internationale Gemeinschaft trotz der Corona-Pandemie weiterhelfen?

Brüssel (dpa) - Deutschland und zahlreiche andere Staaten haben den Opfern des Syrienkrieges zusätzliche Hilfen in Höhe von 6,9 Milliarden Euro versprochen. Allein Bundesaußenminister Heiko Maas sagte für Deutschland bei einer Online-Geberkonferenz 1,58 Milliarden Euro zu.

Weitere 2,3 Milliarden Euro sollen zum Beispiel aus EU-Kassen fließen. «Zwar können wir uns kaum die Qualen vorstellen, die das syrische Volk durchleiden muss. Aber es ist unsere Pflicht, dieses Leid zumindest zu lindern», sagte Maas (SPD). Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell wies darauf hin, dass mehr als sechs Millionen Syrer vor der Gewalt aus ihrer Heimat ins Ausland geflohen seien. Zudem gebe es Millionen Binnenflüchtlinge.

Bei der von der EU-Kommission und den Vereinten Nationen organisierten Konferenz berieten Vertreter von mehr als 80 Staaten und Organisationen über neue Hilfen für die Leidtragenden des Bürgerkriegs in Syrien.

In dem seit mehr als neun Jahren andauernden Konflikt gab es nach Schätzungen bereits rund eine halbe Million Tote. Alle Versuche, einen politischen Übergang auf den Weg zu bringen, scheiterten bisher. Die Regierung von Präsident Baschar al-Assad beherrscht mittlerweile wieder rund zwei Drittel des Landes, darunter die wichtigsten Städte.

Seit dem Beginn einer von den Schutzmächten Russland und Türkei vereinbarten Waffenruhe für das letzte große Rebellengebiet Idlib im Nordwesten des Landes hat sich die Lage dort beruhigt. Dennoch warnen Beobachter, die Gewalt dort könne jederzeit wieder eskalieren.

Derzeit sorgt eine schwere Wirtschaftskrise für zusätzliche Not. Das syrische Pfund hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert verloren. Die Corona-Pandemie und neue US-Sanktionen haben die Lage weiter verschärft. Nach Angaben der EU waren zuletzt 11,7 Millionen Menschen in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen. Hilfsorganisationen warnen, dass sich eine Hungerkrise ausbreite.

«Die wirtschaftliche Situation wird schlimmer und schlimmer», sagte der Programmkoordinator der Welthungerhilfe für Syrien, Halil Kurt, der Deutschen Presse-Agentur. Überall im Land gebe es mittlerweile Probleme bei der Versorgung mit Lebensmitteln. «Die Menschen müssen ihre Mahlzeiten verkleinern oder ganz ausfallen lassen», sagte Kurt. Viele ernährten sich fast nur noch von Brot. «Sie überleben noch, aber sie haben keine ausgewogene Ernährung mehr. Das wird langfristig zu Gesundheitsproblemen führen.»

Die Sprecherin des UN-Nothilfewerks Ocha warnte: «Nach neun Jahren der Krise und einer wachsenden Zahl von Flüchtlingen werden täglich mehr Menschen in Hunger und Armut getrieben.»

Mit den deutschen Hilfsgeldern sollen nach Angaben von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) nicht nur der Hunger, sondern auch Perspektivlosigkeit bekämpft werden. Seit 2016 habe man für 360.000 Menschen kurzfristig Jobs in mehreren Nachbarländern schaffen können, erklärte er am Dienstag. Zudem könnten 750.000 syrische Kinder, die in diesen Ländern Zuflucht gefunden hätten, durch die deutsche Unterstützung wieder zur Schule gehen. «Damit leisten wir unseren Beitrag, dass keine verlorene Generation in diesem furchtbaren Konflikt heranwächst», sagte Müller.

© dpa-infocom, dpa:200630-99-622565/3

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14Kommentare
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    Freigeist14
    02.07.2020

    ralf@ ich habe mich ausgedrückt . Waffenimporte aus den Emiraten & Co. unterbinden , Islamisten zur Kapitulation ermuntern und akzeptieren ,daß der Regime-Change gescheitert ist . Sanktionen aufheben und sich auch mit Russalnd verständigen um die drohende Hungersnot einzudämmen .Die Türkei zum Rückzug zwingen und der Zentralregierung den Zugriff auf des "gesicherte ÖL " ermöglichen . Raten Sie mal, warum Berichte aus dem heutigen Aleppo in den Medien keine Rolle spielen .

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    Zeitungss
    02.07.2020

    Wenn Herr Maas die 1,58 Milliarden gedruckt hat, darf er weitermachen, dann für den Bevölkerungsbedarf, sollte diesen Ausdruck noch jemand kennen.
    Bei aller Liebe, Erklärungsbedarf für diese Summen und wo diese auf einmal herkommen, gäbe es schon, gibt es aber nicht. Kann demnach diese Frage jemand beantworten ? Ich hoffe, die Frage kommt an.

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    acals
    02.07.2020

    Ist ganz Syrien von seinen "Befreiern befreit"? Nein, wohl nicht, denn es muss irgendwo ein kleines Dorf geben was noch Widerstand leistet. Wohl auch deswegen, weil es mehr als einen Druiden gibt - wie könnten sonst solche Mengen an Zaubermix hergestellt werden. Die Chemikalienversorgung ist dann eher kein Problem - es gibt genügend Fassbomben - die muss man nur von den Nägeln befreien und 1x derivatisieren.

    Es fragt sich aber, wie das kleine Dorf seine Ladung unbemerkt auf ein Schiff bekommen konnte - wer kontrolliert da im Zubringer/Hafen ... wen? fragen über fragen - denk ich genauer nach würden mir 89 fragen einfallen.

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    ralf66
    01.07.2020

    @Freigeist14, mag alles sein, wie wollen Sie aber das Problem Syrien in Ordnung bringen, Sie schreiben immer nur von den Ursachen, meine Vorschläge zur Befriedung gefallen Ihnen nicht, was haben Sie für Vorschläge den Syrien-Konflikt zu lösen, dass möchte ich wissen?

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    Malleo
    01.07.2020

    Der IS stellt in Syrien(!!) ca. 14to Amphetamine mit Marktwert 1 Mrd. € her, um sich zu finanzieren.
    Sie wissen,was Europa braucht.

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    Freigeist14
    01.07.2020

    ralf@ der Moderator sieht es wohl anders . Einmal reicht . Aber schauen sie mal auf die Seite des Schweizer infosperber.ch über Syrien .

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    Freigeist14
    01.07.2020

    ralf@ auch wenn Sie von 10 Jahren Bürgerkrieg schreiben wird es nicht wahrer . Syrien und dem wirtschaftlich verbandelten Libanon droht eine Wirtschaftskollaps . Die neuen US-amerikanischen Sanktionen des sog. "Caesar Act " sollen das Land bis ins Mark treffen um Assad doch noch zu Fall zu bringen . Das die Menschen drunter leiden werden ist ja seit den Irak - Sanktionen mit seinen tausenden Opfern der USA ziemlich gleich -man erinnere sich der harten Worte v. Madeline Albright ..........Von den Sanktionen bleibt die Region um Idlib ausgenommen , in der Waffen offensichtlich keine Mangelware werden .

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    Lesemuffel
    01.07.2020

    Mit den Profiten aus den umfangreichen Waffenlieferungen in Krisengebiete kann man auch mal etwas Geld an das geschundene Land zurückgeben. Außerdem brauchen das die geflüchteten Syrer für ihre Rückkehr ,um beim Wiederaufbau ihrer Heinat zu helfen.

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    ralf66
    01.07.2020

    @Freigeist14, Sie zählen nur auf was faul ist aber nicht wie Sie das was faul ist beseitigen wollen.
    10 Jahre geht der Bürgerkrieg in Syrien wie gedenken Sie diese Zustand zu beenden, mit welchen fruchtenden Maßnahmen wollen Sie das ändern?

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    Freigeist14
    01.07.2020

    ralf@ Sie melden sich doch sicher freiwillig , den Syriern zu ihrem Glück zu zwingen?

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    Freigeist14
    01.07.2020

    ralf@ 8 Jahre Krieg reichen wohl noch nicht ? Die Syrier sollen zu ihrem Glück gezwungen werden ? Was für eine abenteuerliche , Fakten-befreite Sicht . Dieses Land war bis 2012 eine Diktatur . Aber mit einem funktionierenden Schulsystem und garantierter Religionsfreiheit . Vertane Zeit ist es , den Krieg in Idlib am Köcheln zu halten und das Land mit neuen Sanktionen , die weniger Assad als die Bevölkerung treffen , in die Knie zu zwingen . Der Hunger ist allgegenwärtig und die zerrüttete Währung sicher nicht allein die Schuld des Herrschers in Damaskus .

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    ralf66
    30.06.2020

    Das ist ja nicht mehr zum aushalten, kein Geld der Welt hilft in Syrien das Elend zu beseitigen, es hilft auch nichts Flüchtlinge immer wieder aufzunehmen, dieses Land muss befriedet werden und das geht nur mit Gewalt, in dem man das Land besetzt mit europäischen Truppen, alle Syrer entwaffnet und unter Androhung harter Strafen den Waffenbesitz für alle radikal verbietet, eine Regierung unter strenger Kontrolle der europäischen Staaten einsetzt die aufbauen, befrieden und nicht zerstören.
    Dieser Konflikt lässt sich nicht aussitzen oder mit humanitärer Hilfe beenden, dass ist ein Fass ohne Boden, Gewalt kann nur mit Gewalt beendet werden, die Syrier können nur zu ihrem Glück gezwungen werden, alles andere ist vertane Zeit und Illussion, wenn andere Möglichkeiten vorhanden wären, dann hätte man das 10 lange Jahre tun können, nichts hat geholfen, nichts ist passiert was eine Besserung, eine Beseitigung der jetzigen Zustände herbeigeführt hätte.

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    Malleo
    30.06.2020

    Effekt gleich Null, da damit der ethnisch-religiöse Konflikt nicht beendet wird.
    Das Geld kann man über dem Mittelmeer abwerfen, denn die Syrer stellen die AK 47 nicht in die Ecke.
    Hat der neue Sultan vom Bosporus, Erdogan in von der Türkei okkupierten Gebieten(Herr Maas: eine neue Aufgabe für Sie!!) nicht schon die Lira eingeführt?

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    klapa
    30.06.2020

    Die Opfer des Syrienkrieges leben vorzugsweise in Syrien selbst, in Europa aber auch in anderen Teilen der Erde.

    Wie soll die großzügige Zusage dieser Milliarden praktisch gemanagt werden? Wie wird der Opferstatus definiert? Auf welchem Wege kommen den Menschen die Gelder zugute?

    Über Assad sicher nicht. Über wen dann? Über NGO oder humanitäre Organisationen, die einen erklecklichen Teil für die Bearbeitung abzweigen müssen?

    Sehr intranparent.