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Warmer Händedruck für den Übergangspräsidenten: Trump und al-Scharaa im Weißen Haus.
Warmer Händedruck für den Übergangspräsidenten: Trump und al-Scharaa im Weißen Haus. Bild: HOGP/AP/dpa
Welt
Syriens Rehabilitation - Übergangspräsident im Weißen Haus

Einst gefangenen von US-Kräften im Irak, wird er nun von US-Präsident Donald Trump empfangen: Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hat es auf die große Bühne geschafft. Und sein Land?

Washington.

Zum ersten Mal ist mit Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa ein syrisches Staatsoberhaupt im Weißen Haus empfangen worden. Der Besuch wurde schon vorab als "historisch" bezeichnet. Noch vor einem Jahr galt al-Scharaa in den USA als gesuchter Terrorist - und Syrien steckte in den letzten Wochen eines blutigen Bürgerkriegs.

Aus der US-Regierung hieß es nun: Präsident Donald Trump wolle sein Versprechen halten und Syrien "eine Chance auf Größe" geben. Die Regierung verlängerte demnach die Aussetzung bestimmter Sanktionen um ein halbes Jahr. Ganz aufgehoben wurden sie jedoch nicht, wie aus einem Dokument des Finanzministeriums hervorgeht. Die Lockerungen sollten Syriens Wiederaufbau und Stabilität fördern.

Eine erwartete Ankündigung al-Scharaas, dass sein Land sich an der US-geführten Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) beteiligen werde, wurde zunächst nicht offiziell bestätigt. Außenminister Asaad al-Schaibani, der ebenfalls im Weißen Haus empfangen wurde, bezeichnete das Treffen als konstruktiv. Es sei monatelang vorbereitet worden. 

Aus dem Außenministerium hieß es zudem, beide Seiten hätten sich auf die Umsetzung eines Fahrplans zur Zusammenarbeit verständigt. Ziel sei die Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen auf Botschafterebene, die Wiedereröffnung gemeinsamer Institutionen sowie die Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit. 

Vom Dschihadisten zum Präsidenten

Al-Scharaas Laufbahn scheint in Teilen wie aus dem Drehbuch einer dramatischen Fernsehserie: Einst kämpfte er als Dschihadist gegen US-Streitkräfte im Irak und saß über Jahre hinweg in ihrer Gefangenschaft. Heute wird er mit warmem Händedruck vom US-Präsidenten höchstpersönlich im Weißen Haus empfangen. Seit Anfang des Jahres steht er als Übergangspräsident an der Spitze Syriens. Als Kopf der Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) hatte er im Dezember 2024 mit Hilfe einer Rebellenallianz die jahrzehntelange Herrschaft der Assad-Familie beendet.

Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa nach seinem Treffen mit US-Präsident Trump.
Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa nach seinem Treffen mit US-Präsident Trump. Bild: Jacquelyn Martin/AP/dpa

Seit seinem Amtsantritt jettet er um die Welt, um Syrien wieder an die internationale Gemeinschaft anzuschließen. Unter dem gestürzten Machthaber Baschar al-Assad war das Land zuletzt wegen des brutalen Bürgerkriegs international isoliert gewesen. 

Von Terrorliste gestrichen

In den einflussreichen Golfstaaten warb al-Scharaa für internationale Investitionen in Syrien. Als erster syrischer Präsident seit fast 60 Jahren hielt er eine Rede bei der UN-Generaldebatte. Selbst in Moskau empfing ihn der russische Präsident Wladimir Putin, der Assad jahrelang militärisch im Kampf gegen die jetzigen Machthaber geholfen hatte. Und nun eben der Besuch im Weißen Haus. Zuvor hatten Trump und al-Scharaa sich bereits zwei Mal getroffen, einmal in Saudi-Arabien im Mai und einmal am Rande der UN-Generaldebatte.

Noch kurz vor al-Scharaas Besuch im Weißen Haus ließ Washington den Interimspräsidenten von einer Liste streichen, auf der die Regierung mit Sanktionen belegte Terroristen aufführt. Gleiches gilt für Syriens Innenminister Anas Hasan Chattab. Ein von den USA ausgesetztes Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen US-Dollar auf al-Scharaa wurde bereits kurz nach dem Sturz Assads aufgehoben.

Weiterer Meilenstein in Washington

Al-Scharaas Trip nach Washington wird als weiterer Meilenstein in der Geschichte Syriens nach Assad gewertet. Beobachter sprechen von einem Wendepunkte für die Beziehungen zwischen Syrien und den USA. Den USA ist auch daran gelegen, den Einfluss des Irans in Syrien einzudämmen. Die islamische Republik und seine Milizen waren eine der wichtigsten Verbündeten Assads. 

International wird das Vorgehen und die Ausrichtung der Übergangsregierung in Syrien genau beobachtet. Fachleute sehen einen Willen hin zu einem demokratischen Wandeln, blicken aber auch mit Kritik auf die ersten Monate der neuen Führung im Amt. Insbesondere der Schutz von Minderheiten im tief gespaltenen Syrien steht im Fokus.

Seit dem Sturz Assads kam es wiederholt zu Gewaltausbrüchen, bei denen zum Teil Hunderte Menschen getötet wurden. Dabei waren teils auch Sicherheitskräfte der Interimsregierung beteiligt.

Was erhoffen sich Syrer vom Besuch in Washington?

Viele Syrer bleiben ihrem neuen Staatsoberhaupt gegenüber skeptisch. Noch immer seien sich viele nicht sicher, wohin das Land steuere, sagte ein Bewohner der Hauptstadt Damaskus der Deutschen Presse-Agentur. Eine andere Frau sagte: "Wir bleiben optimistisch, dass Syrien weiter in die richtige Richtung geht." 

Einige haben Hoffnung, dass vor allem der Trip zu Trump Besserungen für das stark zerstörte und wirtschaftlich schwache Syrien bringt. "Dieser Trip al-Scharaas kann uns mehr bringen als vorige Reisen in andere Länder", sagte ein weiterer Bewohner in Damaskus. Die Hoffnung darauf, dass mit weiteren Sanktionslockerungen der Weg für neue Investitionen geebnet wird, ist groß.

Viele Teile Syriens sind nach dem fast 14-jährigen Bürgerkrieg mit internationaler Beteiligung noch immer verwüstet. Die Wirtschaft liegt am Boden. Nach UN-Angaben leben in Syrien noch immer schätzungsweise sieben Millionen Binnenvertriebene. Noch immer sind demnach rund 16 Millionen Menschen der rund 23 Millionen Einwohner in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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