Ukraine-Konflikt: Maas für Ausweitung der OSZE-Mission

Die deutsch-französische Vermittlung im Ukraine-Konflikt hat bisher kaum Fortschritte gebracht. Trotzdem wird nächste Woche ein neuer Versuch gestartet. Deutschland geht mit einem konkreten Vorschlag in das Treffen in Berlin.

Mailand (dpa) - Zur Entschärfung des Ukraine-Konflikts hat Bundesaußenminister Heiko Maas eine Ausweitung der dortigen OSZE-Beobachtermission auf das Asowsche Meer vorgeschlagen.

Darüber solle am Dienstag bei einem deutsch-französischen Vermittlungsversuch zwischen Russland und der Ukraine in Berlin beraten werden, sagte Maas am Donnerstag am Rande des Außenministertreffens der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Mailand.

Maas hatte zuvor mit seinen Kollegen aus Russland und der Ukraine, Sergej Lawrow und Pawel Klimkin, über den Vorschlag gesprochen. «Ich glaube, dass das auf der Seite der Ukraine durchaus als sinnvoll betrachtet wird. Auf der russischen Seite ist man dagegen sehr, sehr skeptisch», sagte er anschließend.

Bisher sind OSZE-Beobachter nur in der Ostukraine im Einsatz, um die Einhaltung des Friedensabkommens von Minsk zu überwachen. Der dort vereinbarte Waffenstillstand zwischen prorussischen Separatisten und Regierungstruppen hat bisher aber nie über einen längeren Zeitraum gehalten.

Vorletztes Wochenende war der Ukraine-Konflikt vor der Küste der von Russland vereinnahmten Halbinsel Krim eskaliert. Die russische Küstenwache hatte drei ukrainischen Schiffen die Passage durch die Straße von Kertsch in das Asowsche Meer verweigert, die Schiffe festgesetzt und 24 Besatzungsmitglieder verhaftet. Moskau betrachtet die Straße von Kertsch als alleiniges russisches Hoheitsgebiet. Der Zwischenfall hat erhebliche Spannungen zwischen Moskau und Kiew ausgelöst.

Deutschland und Frankreich vermitteln seit 2014 weitgehend erfolglos im Ukraine-Konflikt. Am kommenden Dienstag sollen nun die außenpolitischen Berater der vier Staats- und Regierungschefs in Berlin zusammenkommen, um speziell über die Eskalation im Asowschen Meer zu sprechen. Auf ein solches Treffen im sogenannten Normandie-Format hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag beim G20-Gipfel in Buenos Aires mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verständigt.

Maas sagte, bei dem Vorschlag einer Ausweitung der OSZE-Mission gehe es darum, die Durchfahrt durch das Asowsche Meer zu gewährleisten, das von der annektierten Krim und der ukrainischen Küste umschlossen ist. «Das wird nicht so einfach sein, weil nach wie vor die Fronten sehr verhärtet sind», sagte der SPD-Politiker. Er schlug auch vor, das Internationale Rote Kreuz in die Bemühungen um die Freilassung der ukrainischen Gefangenen einzubinden. «Wir brauchen alles, was zur Deeskalation beiträgt», sagte er.

In den Gesprächen in Mailand ging es auch um den wichtigen INF-Abrüstungsvertrag über das Verbot atomarer Mittelstreckenraketen. Die USA werfen Russland einen Verstoß gegen das Abkommen vor. Sie haben damit gedroht, sich daran ebenfalls nicht mehr gebunden zu fühlen, falls Moskau nicht bis Anfang Februar einlenkt. Russland hat im Gegenzug damit gedroht, mit atomarer Aufrüstung zu reagieren.

Der US-Botschafter in Russland, Jon Huntsman, sagte am Donnerstag in einer Telefonschalte des US-Außenministeriums mit Journalisten: «Russland hat bislang keine Anzeichen gezeigt, dass es sich bemüht, die Regeln wieder vollständig einzuhalten.» In den vergangenen fünf Jahren habe es 30 hochrangige Treffen mit Vertretern Russlands gegeben, bei denen die Sorge der USA zum Ausdruck gebracht worden sei. Dennoch verstoße Moskau weiterhin gegen den Vertrag.

Maas forderte angesichts des Streits einen neuen Anlauf für bessere Rüstungskontrolle in Europa. «Wenn wir Frieden und Stabilität in Europa bewahren wollen, dann muss Rüstungskontrolle wieder zum Kernbestandteil unserer Diplomatie werden», sagte er und forderte unter anderem verbindliche Regeln für nukleare Waffensysteme und mehr Transparenz bei Raketen und Marschflugkörpern. «Denn ein unkontrollierter Wettlauf um solche Waffen verschärft die Spannungen in Europa und weltweit.»

Der 30 Jahre alte INF-Vertrag zwischen den USA und Russland verbietet den Besitz und die Produktion landgestützter Atomraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometern. Die OSZE wurde 1973 mitten im Kalten Krieg als KSZE zur Friedenssicherung in Europa gegründet und hat heute 57 Mitgliedstaaten auf den drei Kontinenten Europa, Asien und Nordamerika.

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3Kommentare
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  • 3
    0
    aussaugerges
    07.12.2018

    Herr Telschik hat heute im DF gesagt das Putin schon vor 10 Jahren auf die Basen in Polen und Rumanien hingewiesen hat die dann doch gegen Rußland gerichtet werden.

  • 4
    2
    franzudo2013
    06.12.2018

    @JochenV. glauben Sie, dass Herr Maas das auch nur halbwegs so strukturiert betrachtet wie Sie ? Ob Steinmeier in Südafrika oder Maas in diesem Fall, das sind doch außenpolitische Geisterfahrer.

  • 7
    2
    JochenV
    06.12.2018

    Na, die korrekte Darstellung der Ausgangslage in der Straße von Kertsch ist aber schon wichtig, sie sollte in Ihrem Artikel auch so gegeben werden: Die ukrainischen Patrouillenboote sind trotz russischer Aufforderung weiter unerlaubt in russische Hoheitsgewässer eingedrungen, und wurden erst dann festgesetzt. Ein Grenzzwischenfall also...Und was die Krim angeht, könnte die OSZE zur Abwechslung einmal von der Tatsache der Illegitimität des Regimewechsels von Kiew2014 ausgehen (als letzter Stein wurde Quorum in der Rada nicht erreicht), dann kommt man auch mit der Frage der Rechtmäßigkeit der Volksentscheide auf der Krim und im Donbass zurecht: Tatsachen sind für Politik ja immer gesünder als Unterstellungen, noch dazu wenn deutsches Kerninteresse friedlicher Zusammenarbeit in Europa auf dem Spiel steht. Über den INF-Vertrag hingegen fehlen mir noch einige missing links: ich könnte ich mir aber vorstellen, dass die NATO die Lage für RUS inzwischen ganz prinzipiell und gegen frühere Absprachen so verändert hat, dass sich nicht mehr der Lage zum Zeitpunkt der entsprechenden Vertragsabschlüsse vergleichbar ist....



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