USA setzen Kopfgeld auf Maduro aus

Seit über einem Jahr dringen die USA auf einen Machtwechsel in Venezuela. Nun legen sie nun mit einer Anklage wegen Drogenhandels gegen Präsident Maduro nach - angeblich einer der größten Dealer der gesamten Region.

Washington (dpa) - Die USA klagen Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro und mehrere Vertraute wegen Drogenhandels und Geldwäsche an. «Das venezolanische Regime ist in Kriminalität und Korruption verstrickt», sagte Justizminister William Barr am Donnerstag.

Zugleich setzte die US-Regierung auf Maduro eine Art Kopfgeld aus. Den Ermittlungen zufolge arbeitet die Regierung in Caracas mit Dissidenten der früheren kolumbianischen Rebellenorganisation Farc zusammen, um Kokain in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln.

Die US-Regierung gehört zu den erbittertesten Gegnern Maduros. Sie erkannte Oppositionsführer Juan Guaidó Anfang 2019 als legitimen Interimspräsidenten an. Seither fordert sie einen Machtwechsel. Guaidó kann sich in Venezuela bislang aber nicht durchsetzen. Als er sich zum Übergangspräsidenten erklärt hatte, mobilisierte er noch die Massen. Inzwischen hat der Zulauf abgenommen. Maduro sitzt trotz verstärkter US-Sanktionen weiter fest im Sattel.

Die Opposition begrüßte die Anklage. «Maduro steht für Drogenhandel, Maduro steht für organisiertes Verbrechen», sagte Guaidós Außenbeauftragter Julio Borges. Er rief die Streitkräfte dazu auf, die Seiten zu wechseln und die Opposition zu unterstützen.

Venezuela gilt als einer der korruptesten Staaten der Welt. Militärs und Politiker sollen in illegalen Bergbau und Drogenhandel verwickelt sein. Als besonders einflussreich gilt das Cartel de los Soles (Kartell der Sonnen) - ein Verbrechersyndikat aus Offizieren der Streitkräfte.

Das US-Außenministerium lobte eine Belohnung von 15 Millionen Dollar für Informationen aus, die zur Festnahme Maduros führen. Zuhause kann der Präsident auf den Rückhalt des mächtigen Militärs setzen. Mit der Anklage hofft die US-Justiz nun, ihn bei einer Auslandsreise festnehmen und dann in den USA vor Gericht stellen zu können.

Eine Anklage gegen einem amtierenden Staatschef ist äußerst ungewöhnlich. In den 1980er Jahren waren die USA in ähnlicher Weise gegen Panamas De-facto-Staatschef Manuel Noriega vorgegangen.

Die Ermittlungen der US-Behörden gegen Maduro laufen Barr zufolge schon seit mindestens zehn Jahren. Staatsanwalt Geoffrey Berman sagte: «Maduro und seine Komplizen unterhalten seit 20 Jahren eine drogen-terroristische Partnerschaft mit den Farc.»

Zudem wurde gegen Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez, den Präsidenten des Obersten Gerichtshof, Maikel Moreno, den Vorsitzenden der Verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, den früheren Chef des Militärgeheimdienstes Hugo Carvajal und Industrieminister Tareck El Aissami Anklage erhoben.

Den US-Ermittlungen zufolge schmuggelten die Farc und ihre Unterstützer in der venezolanischen Regierung zuletzt bis zu 250 Tonnen Kokain pro Jahr nach Mittelamerika. «Maduro und die anderen Angeklagten wollen die USA mit Kokain fluten, um die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Nation zu untergraben», sagte Staatsanwalt Berman. «Maduro benutzt Kokain als Waffe.»


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6Kommentare
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  • 2
    2
    Freigeist14
    27.03.2020

    Unglaublich . Dann eben noch einmal : Der IWF lehnte das Ersuchen Venezuelas nach Finanzhilfen in der Corona
    -Krise ab . Begründung : Nicht alle Mitglieder ( wer wohl ? ) kennen die Regierung Maduro als rechtmäßig an . Das Land ächzt unter den Sanktionen ,obwohl so gern von "Werten" gepredigt wird . Wie nennt man dieses Verhalten ?

  • 3
    3
    Freigeist14
    27.03.2020

    Für Transatlantiker im Forum : Als die CIA das Drogengeschäft in Nikaragua förderte : Die Iran-Contra-Affäre- Spiegel . de
    BüSo : Wer schützt die Opium-Produktion in Afghanistan ?
    El Salvador : Drogen Macht Welt Schmerz .

  • 2
    4
    Lesemuffel
    27.03.2020

    Manchmal hat man wirklich den Eindruck die USA befinden sich noch in der Zeit des Zugs gen Westen, der Vernichtung der Ureinwohner. Kopfgeldjäger anno 2020.

  • 3
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    MuellerF
    27.03.2020

    Wenn ein der US-Regierung freundlich gesinntes Regime Drogen in die USA verkauft, ist das natürlich kein Problem.

  • 1
    4
    acals
    26.03.2020

    Man hat ja lange geglaubt Wladimir würde für Ordnung sorgen, aber nicht nur in kleiner gleich 2018

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/kokainschmuggel-aus-argentinien-zielfahnder-fassen-mutmasslichen-drahtzieher-in-brandenburg/21025802.html

    sondern nach wie vor gutlaufend:

    https://taz.de/Riesiger-Kokainfund-auf-den-Kapverden/!5567419/

    Das dieses Geschäftsmodell nun von Seiten der USA unterbunden wird, ist nur zu begrüßen.

  • 2
    6
    Freigeist14
    26.03.2020

    Ein Kopfgeld auf Pompeo wäre die richtige Antwort .