Agrarminister: Land wird in das Nitratmessnetz investieren

Ein Gutachten im Auftrag des Landesbauernverbandes sieht zahlreiche Mängel bei den Messstellen. Das Landesamt weist die Kritik zurück. Es soll aber dennoch etwas passieren.

Nünchritz.

Die Proteste liegen noch nicht allzu lange zurück: Zu Jahresbeginn zog es Sachsens Bauern mehrfach auf die Straße, um gegen die Verschärfung der Düngeverordnung zu protestieren. Im Raum stand die Frage, ob zu hohe Nitratwerte im Grundwasser eine Folge von zu viel Dünger sind. Die Landwirte hatten dabei eher Zweifel an den Werten des landeseigenen Messnetzes. Im Februar beauftragte deswegen der Sächsische Landesbauernverband (SLB) die Berliner Hydor Consult GmbH mit der Erstellung eines Gutachtens zur Überprüfung der Messnetzes. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse in Nünchritz bei Riesa der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese untermauerten das Misstrauen der Landwirte, hieß es.

Von den 173 begutachteten Messstellen wiesen demnach 115 "gravierende bauliche Mängel" auf. 16 seien nicht funktionstüchtig gewesen und bei weiteren 80 konnte die Funktionsfähigkeit nicht nachgewiesen werden. Bei 18 Stellen hätten die Gutachter "keine Repräsentanz" feststellen können und bei 57 sei diese nicht bewertbar gewesen. Summa summarum stufte Hydor Consult gut drei Viertel der Messstellen als "ungeeignet" ein, 18 als "eingeschränkt geeignet" und weitere 21 als "nicht bewertbar". Nur sieben Messpunkte hält die Firma für "geeignet". SLB-Präsident Torsten Krawczyk sprach von Mängeln, die "zumindest Zweifel" an der Eignung der Messstellen für die Nitratmessung hinterließen. Das Ergebnis könne nicht so stehen bleiben. Nötig sei ein "topfittes" Netz, in das die Bauern Vertrauen haben könnten.

Für das Gutachten haben die Experten aber keine Messstellen in Augenschein genommen, sondern nur die vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zur Verfügung gestellten Dokumentationen sowie die Messwerte. Die Landesbehörde, die wiederum das Gutachten der Berliner Firma prüfte, wollte das Resultat nicht so stehen lassen. Das Papier spiegele nicht den tatsächlichen Zustand der Messstellen wider und sei aufgrund der gewählten Methodik aus fachlicher Sicht nicht haltbar.

Ein Kritikpunkt: Es seien nicht alle verfügbaren Informationen eingeflossen. Laut LfULG-Referatsleiter Peter Börke kam man selbst bei Anwendung der gleichen Kriterien, die die Gutachter verwendet haben, auf 20 Prozent nicht geeignete Messstellen. Börke wies darauf hin, dass das Netz in Sachsen gut 1800 Messstellen umfasst. An etwa 700 wird die Grundwasserbeschaffenheit überprüft, also auch der Nitratgehalt. Agrarminister Wolfram Günther (Grüne) kündigte Investitionen an, um innerhalb der nächsten zwei Jahre zu einem "hoch qualifizierten Messnetz" zu kommen. Krawczyk und Günther betonten, man wolle den Weg gemeinsam gehen. Krawczyk: "Wir sind auf dem richtigen Weg."

Ab 1. Januar 2021 verschärfen sich in Gebieten mit erhöhten Nitratwerten im Grundwasser (rote Gebiete) die Vorgaben für die Düngung. Bauern erwarten daher Einbußen, weil die erforderlichen Qualitäten wegen der geringeren Düngergaben nicht mehr erreicht würden.

Allerdings wird sich die Landkarte mit den roten Gebieten laut Börke bis Jahresende noch einmal verändern. Der Grund: Die Behörde hat gut 60 Nitratmessstellen, also knapp zehn Prozent, aufgrund von Mängeln außer Betrieb gesetzt. Darunter seien aber keine Messpunkte, die in dem Berliner Gutachten auftauchten, so Börke.

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