Airbus-Chef Faury stimmt Belegschaft auf harte Zeiten ein

Toulouse (dpa) - Airbus-Chef Guillaume Faury hat die Belegschaft des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns auf harte Zeiten eingestimmt.

Ausgaben und Einnahmen seien in einem so gravierenden Ungleichgewicht und das Geld fließe so schnell ab, «dass es die Existenz des Unternehmens gefährden könnte». Das schrieb der Franzose an die Mitarbeiter des Konzerns - Auszüge des Briefs wurden bekannt.

Airbus teilte auf Anfrage im südwestfranzösischen Toulouse mit, das Unternehmen nehme zu interner Kommunikation keine Stellung. Dem Vernehmen nach wurde der Brief bereits Ende vergangener Woche an Airbus-Beschäftigte im mehreren europäischen Ländern geschickt. Der Konzern legt an diesem Mittwoch (29.4.) seine Quartalszahlen vor.

Überraschend kommen die Äußerungen des Airbus-Chefs nicht, denn die gesamte Luftfahrtbranche ist wegen der Corona-Krise in schwere Turbulenzen geraten. Airbus hatte bereits mitgeteilt, dass die Produktion der Passagierflugzeuge wegen der Pandemie um rund ein Drittel zurückgefahren wird. Fluggesellschaften als Abnehmer von Airbus sind von der Krise schwer getroffen.

Airbus müsse die Ausgaben rasch senken, so Faury. Nach Kurzarbeit und Zwangsurlaub in einigen Ländern müsse der Konzern möglicherweise noch weiterreichende Maßnahmen treffen. «Wir haben über Nacht ein Drittel unseres Geschäfts verloren.» Viele Fluggesellschaften kämpften ums Überleben. «Wir müssen alle Optionen in Betracht ziehen. Wenn wir jetzt nicht agieren, ist das Überleben von Airbus fraglich.»

Airbus habe neue Produktionsraten festgelegt, sie lägen «30 bis 35 Prozent unter unserer vorherigen Planung», so Faury. Das gelte vorerst für zwei Monate. Aber es gebe viele Unwägbarkeiten. Noch sei offen, ob Luftfahrtbranche durch eine tiefe, aber kurze Krise gehe, oder ob die Nachfrage erst in fünf oder zehn Jahren wieder das vorherige Niveau erreiche. «Die Luftfahrtindustrie wird schwächer und verletzlicher in der neuen Welt ankommen», so der Airbus-Chef.


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