Kann sein ursprüngliches Auslieferungsziel erneut nicht halten: Airbus-Chef Guillaume Faury. (Archivbild)
Kann sein ursprüngliches Auslieferungsziel erneut nicht halten: Airbus-Chef Guillaume Faury. (Archivbild) Bild: Fred Scheiber/AP
Wirtschaft
Airbus muss Auslieferungsziel erneut kappen

820 Passagierflugzeuge wollte das Unternehmen in diesem Jahr an die Kunden bringen. Das klappt nicht. Woran das liegt.

Toulouse.

Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus kann auch in diesem Jahr nicht so viele neue Jets ausliefern wie geplant. Wegen Mängeln an Rumpfteilen für die Modellfamilie A320 dürften nur 790 Passagierflugzeuge den Weg zu den Kunden finden, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch in Toulouse mit. Zuvor standen 820 im Plan. Internen Informationen zufolge muss der Hersteller Rumpfteile an mehr als 600 Maschinen überprüfen - die meisten davon sind noch nicht ausgeliefert.

An der Börse gab es nach den Neuigkeiten Kursgewinne, nachdem die Airbus-Aktie an den Vortagen teils deutlich verloren hatte. Kurz nach Handelsstart am Mittwoch legte sie um fast zwei Prozent auf 194,22 Euro zu und näherte sich damit wieder der Marke von 200 Euro. Zugleich wird das Airbus-Papier damit wieder mehr als ein Viertel teurer gehandelt als zum Jahreswechsel.

Schlechte Nachrichten ballen sich

Rund um das Wochenende hatten sich schlechte Nachrichten von Airbus geballt: Am Freitag wurde zunächst bekannt, dass A320neo-Jets mit Triebwerken von Pratt & Whitney bei bestimmten Wetterbedingungen mit gefrierendem Nebel nicht mehr ohne Weiteres starten dürfen. Am Abend teilte Airbus dann mit, dass Fluggesellschaften an rund 6.000 Maschinen der A320-Familie umgehend ein Software-Update rückgängig machen müssen. An knapp 100 Jets müssen sogar Bordcomputer ausgetauscht werden.

Am Montag räumte Airbus schließlich die Qualitätsmängel an Rumpfverkleidungen eines Zulieferers ein. In der Folge rauschte der Aktienkurs zeitweise um mehr als zehn Prozent bis auf 182,46 Euro in die Tiefe.

Probleme mit Rumpfteilen

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg muss Airbus wegen der Rumpfteile insgesamt 628 Maschinen überprüfen. Nur 168 der Jets seien schon im Einsatz, die übrigen 460 noch in der Fertigung, berichtete Bloomberg am Montag unter Berufung auf eine interne Präsentation des Konzerns.

Eine Airbus-Sprecherin wollte diese Zahlen auch am Mittwoch nicht bestätigen. Allerdings gebe es nicht an allen identifizierten Rumpfteilen Handlungsbedarf, schrieb sie. Zudem sinke die Zahl der möglicherweise betroffenen Flugzeuge von Tag zu Tag, da Airbus mit den Überprüfungen vorankomme. Wie viele Jets der Hersteller im November ausgeliefert hat, will er an diesem Freitag mitteilen.

Airbus-Chef hält an Finanzzielen für 2025 fest

Unterdessen hält Airbus-Chef Guillaume Faury an seinen Finanzzielen für 2025 fest: So soll der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) wie gehabt rund sieben Milliarden Euro erreichen. Für den freien Mittelzufluss vor Kundenfinanzierungen hat der Manager weiter rund 4,5 Milliarden Euro im Auge.

Schon im vergangenen Jahr hatte Faury sein ursprüngliches Auslieferungsziel kappen müssen: Weil Zulieferer mit der Lieferung wichtiger Teile wie Triebwerken nicht hinterherkamen, übergab Airbus statt der ursprünglich angepeilten 800 Maschinen letztlich nur 766 Jets an seine Kunden. Auch im Jahr 2022 hatte der Hersteller sein ursprüngliches Auslieferungsziel wegen knapper Teile verfehlt.

A320 ist meistgebaute Flugzeugfamilie der Welt

Derweil sind die Auftragsbücher von Airbus prall gefüllt: Ende September saß der Hersteller auf Bestellungen über 8.665 Passagier- und Frachtjets. Gemessen an den derzeitigen Produktionsraten reicht der Auftragsbestand rein rechnerisch über fast elf Jahre. Am stärksten gefragt sind die Jets der A320-Familie in ihrer seit rund zehn Jahren gebauten Neuauflage A320neo. Faury will die Produktion der Reihe deshalb bis 2027 auf monatlich 75 Maschinen hochfahren.

Mit mehr als 12.000 ausgelieferten Exemplaren ist die A320 die meistgebaute Flugzeugfamilie der Welt und hat damit die 737-Jets des kriselnden Herstellers Boeing aus den USA überholt. Der US-Konzern steckt seit Jahren in einer tiefen Krise. Nach zwei Abstürzen 2018 und 2019 sowie einem Beinahe-Unglück Anfang 2024 steht er inzwischen unter strenger Aufsicht der Luftfahrtbehörde FAA und darf seine Produktion nur noch beschränkt hochfahren. Airbus und Boeing beherrschen den Weltmarkt für größere Passagier- und Frachtjets bisher praktisch allein. (dpa)

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