Bahn und Air India verzichten auf Einwegplastik

Weltweit ringen Leute um Lösungen gegen die riesigen Mengen Plastik, die die Meere verschmutzen. Indien hat nun einige neue Ansätze - aber Experten sehen auch Probleme. Denn Papier ist nicht immer besser als Plastik.

Neu Delhi (dpa) - In Indien verzichten die Bahn und die staatliche Fluggesellschaft Air India auf Einwegplastik. Die beiden Neuerungen sind Teil des Plans des indischen Premierministers Narendra Modi, Einwegplastik bis 2022 ganz in seinem Land zu verbieten.

Bei Feierlichkeiten zum 150. Jahrestages des indischen Gründervaters und Freiheitskämpfers Mahatma Gandhi sagte Modi: «Sauberkeit, Umwelt- und Tierschutz - diese drei Dinge lagen Gandhi besonders am Herzen, und Plastik ist die größte Gefahr für diese drei.»

Ursprünglich hatte die indische Regierung erwogen, einige Plastikgegenstände von Mittwoch an ganz zu verbieten. Diese Pläne wurden dann aber nach Gesprächen mit der Plastikindustrie verworfen, hieß es aus dem Umweltministerium in Neu Delhi. Die Industrie hätte vor Arbeitsplatzverlusten und höheren Preisen bei Konsumgütern für Verbraucher gewarnt.

Um die Menschen zu einem nachhaltigeren Umgang mit Plastik zu ermutigen, gibt es nun in 4000 indischen Bahnhöfen Recyling-Stationen für Plastikflaschen, wie ein Bahnsprecher sagte. Außerdem sollen in Zügen Plastikgeschirr und -besteck künftig eingesammelt und recycelt werden. Läden in den Bahnhöfen dürften nicht mehr in Einwegplastik verpackte Ware verkaufen oder Plastiktüten verwenden. Täten sie das trotzdem, gebe es künftig Bußen, sagte der Sprecher.

Bei Air India wird das Essen künftig statt in Geschirr aus Einwegplastik in mit Wachs beschichteten Papiertellern und -bechern serviert. Mit Holzbesteck soll gegessen werden. «Das Papiergeschirr wird anschließend weggeworfen», sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft.

Umweltschutzorganisationen warnen jedoch, dass heute weltweit noch viele Ersatzmaterialien für Plastik nicht besser für die Umwelt sind. «Papiergeschirr hat bei der Herstellung generell eine schlechtere Ökobilanz als Plastikgeschirr», sagte Müllexpertin Swati Sambyal vom Centre for Science and Environment in Neu Delhi. Man braucht also mehr CO2 zur Herstellung, was schlecht fürs Klima ist.

Am besten sollte man wo immer möglich auf Einwegprodukte verzichten, sagte Referent Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Auch sollte - etwa durch gute Sammelsysteme - sichergestellt werden, dass möglichst kein Plastik in die Natur gelangt und von Tieren gefressen wird.

In Indien gelangen aber jedes Jahr noch Millionen Tonnen Plastik in die Umwelt. Nun möchte das indische Verkehrsministerium einen Teil davon einsammeln, recyceln und eine 336 Kilometer lange Straße - etwas länger als die Luftlinie zwischen Berlin und Bremen - bauen. Doch auch diese Lösung sieht Müllexpertin Sambyal kritisch: «Es könnten Risse entstehen und Mikroplastik in den Boden gelangen.»

Plastik ist allerdings schwer zu ersetzen. Es ist leicht, günstig herzustellen und etwa oft in der Medizin das sicherste Material, wie der Leiter des Institut für Kunststofftechnik der Universität Stuttgart, Christian Bonten, sagt. Einwegspritzen könnten am besten garantieren, dass keine Keime von Patient zu Patient übertragen werden. Forscher tüftelten zudem an Plastik, der auch im Meer biologisch abbaubar sei, sagte Bonten. Noch sei die Wissenschaft aber nicht so weit.

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