Boeing nach Flugzeugabstürzen von Aktionären in USA verklagt

Chicago (dpa) - Nach den Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien haben Aktionäre den US-Luftfahrtriesen Boeing wegen angeblicher Vertuschung von Sicherheitsmängeln verklagt.

Der Konzern habe Anlegern entscheidende Fakten hinsichtlich der Unglücksflieger der Baureihe 737 Max verheimlicht, teilte die US-Großkanzlei Hagens Berman am Mittwoch mit. Boeings Börsenwert war nach dem jüngsten Absturz am 10. März zeitweise massiv eingebrochen.

Laut der Klageschrift wird Boeing etwa vorgeworfen, verschwiegen zu haben, dass wichtige Sicherheitsfunktionen der Flugzeuge als kostenpflichtige Zusatzoptionen angeboten wurden, die die meisten Fluggesellschaften gar nicht gekauft hätten. Zudem habe Boeing nicht offengelegt, wesentliche Teile der 737-Max-Sicherheitsprüfung selbst von der US-Luftfahrtaufsicht FAA übernommen zu haben.

Dies sei ein klarer Interessenkonflikt gewesen, denn Boeing habe die neuen Modelle im Wettkampf mit dem Erzrivalen Airbus rasch auf den Markt bringen wollen. «Tödliche Risiken» seien absichtlich vor den Aktionären vertuscht worden, so Anwalt Reed Kathrein. «Boeing hat Profit und Wachstumsstreben der Flugsicherheit übergeordnet». Das Unternehmen äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht.

Hinter der Klage steht die bekannte US-Anwaltsfirma Hagens Berman, die schon Volkswagen in der «Dieselgate»-Affäre oder General Motors im Skandal um defekte Zündschlösser zu schaffen machte. Boeing droht nach den Abstürzen weiterer rechtlicher Ärger. Angehörige der 346 Todesopfer klagen auf Schadenersatz. Zudem muss der Konzern wegen des Verdachts, bei der 737-Max-Zulassung wichtige Informationen unterschlagen zu haben, staatliche Strafverfolgung fürchten.

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